Oberleitungs-Lkw
14.08.2017

„Andocken funktioniert völlig ruckelfrei“

Foto: www.siemens.com/presse"
Siemens und Scania forschen gemeinsam am elektrifizierten Straßengüterverkehr

Die Logistikbranche begrüßt den Bau des ersten eHighway für Elektro-Lkw, der auf der A5 im realen Verkehr getestet wird. Siemens hat dazu den Auftrag des Landes Hessen bekommen.

Zehn Kilometer lang ist die Oberleitungsstrecke auf der Bundesautobahn A5, die Siemens im Auftrag des Landes Hessen baut. „Wir halten die Technik für ausgereift und begrüßen, dass es jetzt solche Versuchsstrecken gibt“, sagt Adolf Zobel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL).

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Hybrid-Lastwagen docken auf der Strecke mit einem „Geweih“ an die Oberleitung an. Jenseits des eHighways steigen sie dann auf den Dieselmotor um. Die Anlage entsteht zwischen den Anschlussstellen Zeppelinheim/Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens und Darmstadt/Weiterstadt. Ende 2018 soll sie in Betrieb gehen. Eine weitere Teststrecke wird auf der A1 in Schleswig-Holstein gebaut.

„Der Moment, in dem der Lkw an die Oberleitung andockt und den Dieselantrieb einstellt, vollzieht sich entgegen der Befürchtungen einiger Skeptiker völlig ruckelfrei", sagt Zobel. Angesichts mittelfristig zu Ende gehender Ölreserven müssten Alternativen für den Diesel entwickelt und auch im Fernverkehr zur Anwendungsreife gebracht werden. „Wir hoffen deshalb, dass es in absehbarer Zeit nicht nur für Pkw, sondern auch für Lkw über lange Strecken praktikable Lösungen geben wird", sagt Zobel.

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Es ist das erste Mal in Deutschland, dass der eHighway auf einer öffentlichen Straße erprobt wird. Bisher gab es hierzulande nur eine zwei Kilometer lange Teststrecke in Brandenburg. Siemens ist zuständig für Planung, Bau und optional die Instandhaltung der Anlage. Das Land Hessen vergibt den Auftrag im Rahmen des Verbundprojekts „Elektrifizierter, innovativer Schwerlastverkehr auf Autobahnen“ (ELISA), das vom Bundesumweltministerium gefördert wird.

Nach Angaben von Siemens halbiert der eHighway den Energieverbrauch von Lkw und verringert die lokale Luftverschmutzung. „Mit dem eHighway haben wir erstmals eine wirtschaftlich darstellbare Lösung für einen klimaneutralen Straßengüterverkehr geschaffen. Unsere Technologie ist damit eine heute schon real existierende Alternative zum LKW-Transport mit Verbrennungsmotoren“, sagt Roland Edel, Technologiechef der Division Mobility von Siemens. Der Konzern ist auch an einem ähnlichen Projekt in Schweden beteiligt, das bereits Mitte 2016 startete.

Erkenntnisse im Echtzeitbetrieb sammeln

Beim hessischen Ableger des Deutschen Speditions- und Logistik-Verband DSLV gibt es allerdings Vorbehalte hinsichtlich Oberleitungs-Strecken. „Ich bin eher skeptisch, ob Oberleitungs-Lkw mit einer entsprechenden Durchdringung im Markt Erfolg haben werden“, sagt Thorsten Hölser, Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverbands Hessen/Rheinland-Pfalz. Eine Handvoll Lkw auf einigen ausgewählten Strecken könnten der Technik kaum zum Durchbruch verhelfen. Vielmehr müsse eine kritische Masse an Strecken mit hohem Güterverkehrsvolumen mit Oberleitungen ausgestattet werden.

Vor dem Hintergrund eines weiter wachsenden Verkehrsaufkommens und der politischen Zielvorgaben zum Klimaschutz, hält Hölser es jedoch für richtig, alle vorhandenen alternativen Antriebstechnologien zumindest auszutesten und Erkenntnisse im Echtbetrieb zu sammeln. „Noch hat keine Technik den Durchbruch geschafft und Ihre Effizienz bewiesen und möglicherweise wird auch nicht eine Technologie allein, sondern ein Mix die Lösung für die Zukunft sein“, sagt er.

4.000 bis 5.000 Kilometer ausreichend

Der Güterverkehr ist für etwa ein Drittel der CO2-Emissionen im Straßenverkehr verantwortlich. Nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung ISI können Oberleitungs-Lkw im Vergleich zu Diesel-Pednants entscheidend zur Reduktion der Treibhausgasemissionen beim Güterfernverkehr beitragen. Dazu müsse der Strom jedoch überwiegend aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden. Dies hat das Fraunhofer-Institut zusammen mit vier Forschungspartnern im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums im Rahmen einer Machbarkeitsstudie analysiert.

Nach Angaben von Projektleiter Martin Wietschel müssten dafür lediglich die 4.000 bis 5.000 am stärksten von schweren Lkw frequentierten Autobahnkilometer mit Oberleitungen ausgestattet werden. Die dafür notwendigen Investitionen von acht bis zwölf Milliarden Euro seien im Vergleich zum Aufbau anderer Infrastrukturen nicht besonders hoch.

 

Jutta Maier
Keywords:
Oberleitungs-Lkw | Hessen | Elektrifizierung | Siemens | Logistikverbände
Ressorts:
Governance | Technology

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