Biokraftstoffe
06.11.2012

„Investoren tun sich schwer“

Foto: Cropenergies
Marten Keil, COO Cropenergies

Der größte deutsche Ethanolproduzent Cropenergies kritisiert die Pläne der EU-Kommission, den Anteil von Biokraftstoffen aus Nahrungsmittel-Pflanzen zu begrenzen. „Der Vorschlag sorgt für Unsicherheit im Markt“, sagte Vorstandsmitglied Marten Keil im Interview mit BIZZ energy today. Ethanol trage außerdem zum Klimaschutz bei.

BIZZ energy today: Herr Keil, Cropenergies produziert Ethanol aus Lebensmittel-Pflanzen wie Mais oder Zuckerrüben. Die EU-Kommission will nun weniger von diesen Kraftstoffen im Markt. Beraubt Sie das nicht ihrer Geschäftsgrundlage?

Anzeige*

Marten Keil: Auf das operative Geschäft hat das erst mal keinen Einfluss. Der Vorschlag sorgt aber für Unsicherheit im Markt und schreckt Investoren ab, egal ob es um Biokraftstoffe der ersten oder zweiten Generation geht. Wir glauben aber weiter an unser Geschäftskonzept. Viele Studien zeigen, dass Ethanol eine gute Möglichkeit ist, um Treibhausgase einzusparen. Die Produktion verursacht so gut wie keine Flächenkonkurrenzen, da wir mehr als nur Bioethanol herstellen.

BIZZ e.t.: Dennoch soll es weniger Ethanol der sogenannten ersten Generation, also aus Nahrungsmittelpflanzen, geben.

Keil: Wir sehen die geplante Begrenzung kritisch. Diese Treibstoffe haben von 2003 bis 2011 bis zu 120 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart und 500 Millionen Barrel Öl ersetzt. Pro Jahr werden neben Bioethanol über vier Millionen Tonnen Proteinfuttermittel erzeugt, die sonst anderswo produziert werden müssten. Das wird bisher kaum gesehen. 

BIZZ e.t.: Erwarten Sie noch Änderungen bei den EU-Plänen?

Keil: Die Kommission hat jetzt einen ersten Vorschlag gemacht. Wir gehen davon aus, dass es im Laufe der Beratungen im EU-Parlament und im europäischen Rat noch einige Anpassungen geben wird. Das kann aber ein Jahr oder länger dauern.

BIZZ e.t.: Die EU-Kommission setzt große Hoffnung auf Biotreibstoffe aus Reststoffen, etwa Stroh. Sind die schon verfügbar?

Keil: Auch in sechs bis acht Jahren werden wir noch nicht die Mengen an Biokraftstoffen der zweiten Generation produzieren können, die der Kommission vorschweben. Technologisch und wirtschaftlich brauchen wir noch Zeit. Es gibt in Europa bisher nur Demo-Anlagen, die Ethanol aus Reststoffen produzieren. Die Investitionskosten und die operativen Kosten liegen noch um den Faktor zwei bis drei höher als bei herkömmlichen Anlagen.

BIZZ e.t.: Lassen sich diese Kosten wieder einspielen?

Keil: Eine Möglichkeit wäre zu bestimmen, dass Biokraftstoffe einen Anteil von zehn Prozent erreichen müssen. Alles, was darüber hinaus in den Markt geht, dürfen nur Treibstoffe der zweiten oder dritten Generation sein. Damit würde man einen eigenen Markt schaffen. Das Problem im Augenblick ist aber, dass sich Investoren wegen der ständigen Wechsel in der Biokraftstoffpolitik schwer tun, Geld einzubringen.

BIZZ e.t.: Sie legen weitere Projekte also auf Eis?

Keil: Wir prüfen natürlich weiterhin verschiedene Optionen, um Cropenergies weiter zu entwickeln. Allerdings verfolgen wir hierbei einen breiteren Ansatz mit Blick auf Region, Technologie und Produkte. 

BIZZ e.t.: Geld für Investitionen dürfte vorhanden sein. Cropenergies hat im ersten Halbjahr 2012 ein Rekordergebnis erzielt und soviel Ethanol produziert, wie noch nie. 

Keil: Wir haben unsere Anlagen weiter optimiert und konnten so eine noch bessere Auslastung erreichen. Wegen der hohen Getreidepreise haben wir zudem mehr Zuckersirup verarbeitet. Auch dadurch konnten wir die Produktion erhöhen und mehr Ethanol verkaufen. Auf der Erlösseite haben wir vom hohen Ethanol-Preis profitiert. Der lag wegen der schlechten Maisernte in den USA teilweise bei über 700 Euro pro Kubikmeter.

BIZZ e.t.: Wird E10 mittlerweile im Markt angenommen?

Keil: Tatsächlich ist der E10-Absatz von Januar bis August 2012 um 60 Prozent gestiegen. Der Marktanteil liegt mittlerweile bei 15 Prozent, und wir hoffen, dass er auch weiter wächst. Noch verhalten sich viele Verbraucher reserviert, und die Äußerungen von Herrn Niebel zu E10 im Sommer sind da wenig hilfreich. Allerdings haben wir ohnehin nicht damit gerechnet, dass sich diese neue Kraftstoffsorte sofort durchsetzt. Bei Bleifrei hat das ja damals auch einige Jahre gedauert.

BIZZ e.t.: Was sind ihre Erwartungen für 2012? Welche Rolle werden die nach wie vor hohen Rohstoffpreise spielen?

Keil: Wir haben ein integriertes Produktionskonzept, welches uns unabhängiger macht von Preisschwankungen. In unseren Anlagen produzieren wir nicht nur Ethanol. Wenn wir drei Kilo Getreide verarbeiten, erhalten wir neben Ethanol ein Kilogramm Lebens- und Futtermittel. Durch deren Verkauf können wir steigende Rohstoffpreise etwas ausgleichen. Deshalb bin ich für das laufende Geschäftsjahr 2012/13 weiter zuversichtlich. Wir erwarten einen Umsatz zwischen 610 und 630 Millionen Euro. Beim operativen Ergebnis streben wir 62 bis 68 Millionen Euro an, im Vergleich zu 53 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr 2011/12. 

 
Karsten Wiedemannn
Keywords:
Biokraftstoffe | Ethanol | E10 | Cropenergies | EU-Kommission | BIZZ-Exklusiv
Ressorts:
Finance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 14.12. am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research