Verkehr
08.11.2016

Absage an Wasserstoff und Biosprit

Foto: istockphotos/100pk
Das Öko-Institut setzt auf batteriebetriebene Fahrzeuge.

Das Öko-Institut präsentiert einen Zukunftsfahrplan für den klimaneutralen Verkehr. Grüner Wasserstoff und Biosprit werden darin wegen Ineffizienz und vergleichsweise hohen Kosten zur Nebensache erklärt.

 

Anzeige*

Bis 2050 müsse der Verkehr deutlich elektrifiziert werden, fordert Studienleiterin Wiebke Zimmer vom Freiburger Öko-Institut bei der Vorstellung der Studie am Dienstag in Berlin. Das Öko-Institut hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums in der Untersuchung mit dem Titel „Renewbility“ Szenarien entworfen, wie ein klimaneutraler Verkehr bis Mitte des Jahrhunderts aussehen könnte.

Studienleiterin Zimmer stellte klar: Wasserstoff und andere strombasierte Kraftstoffe haben bei der Umstellung auf einen emissionsarmen Verkehr laut den Berechnungen des Öko-Instituts keine große Zukunft. Das bei der Umwandlung von Überschuss-Strom gewonnene Gas sei zu „ineffizient und volkswirtschaftlich ungünstig“, so die Forscherin. Wenn Autos, Busse und Lkw überwiegend auf strombasierte Kraftstoffe setzen würden, läge der Strombedarf im Verkehr im Jahr 2050 mit 3.300 Petajoule etwa 40 Prozent höher als die gesamte Stromerzeugung heute. Damit der Energiebedarf im Zuge der Mobilitätswende nicht explodiere, müsse neben der Verbannung der Verbrennungsmotoren also auch die Effizienz stark gesteigert werden. Batteriebetriebene Pkw und Oberleitungs-Lkw sollten demnach die Straßen erobern, fordern die Wissenschaftler. Alternative Kraftstoffe seien nur in gewissen, bisher technisch nicht direkt elektrifizierbaren Bereichen sinnvoll, etwa im Schiffs- und Luftverkehr.

 

Schlechte Klimabilanz von Biokraftstoffen

Auch Biokraftstoffen erteilten die Forscher eine Absage. Sie würden durch den Anbau in der Landwirtschaft zu viele dreckige Treibhausgase in die Luft blasen und mit den „global begrenzten Anbauflächen konkurrieren“, heißt es in dem Bericht. Die Forscher empfehlen deshalb, Biokraftstoffe nur aus Abfall und Reststoffen herzustellen. Insgesamt könnten sie deshalb nur etwa vier Prozent des heutigen Energiebedarfs im Verkehrssektor decken.

Hintergrund der Studie ist der politische Wille der Bundesregierung, ab 2050 keine Klimagase mehr in die Luft zu pusten, die nicht zumindest anderswo wieder ausgeglichen werden. Im Forschungsprojekt Renewbility haben die Wissenschaftler ihren Zukunftsfahrplan zusammen mit Partnern aus allen Bereichen der Verkehrsbranche entworfen. Insgesamt  man sich überzeugt, dass die nahezu komplette Dekarbonisierung des Verkehrs möglich sei. Allerdings werde dieses Ziel mit den derzeitigen Maßnahmen voraussichtlich verfehlt, schränkte Zimmer ein. 

Die Redaktion
Keywords:
Verkehr | Klimaschutz | Elektromobilität | Wasserstoff | strombasierte Kraftstoffe | Batterie | Dekarbonisierung
Ressorts:
Governance | Technology

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Dezember 2017/Januar 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 14.12. am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research