Erneuerbare Energien
22.01.2014

Alte Industriekraftwerke müssen EEG-Umlage zahlen

depositphotos

Die Bundesregierung will alle Eigenstromerzeuger an der EEG-Umlage beteiligen. Laut dem Kabinettsbeschluss, der BIZZ energy today vorliegt, sollen sie auch für ihre alten Kraftwerke bezahlen. Die Industrie ist wohl mit einem dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr betroffen.

Betreiber von Kraftwerken, die für den Eigenverbrauch Strom erzeugen, werden überraschend an den EEG-Zahlungen beteiligt, wie die Bundesregierung beschlossen hat. Die geplanten Zahlungen würden pro Jahr derzeit etwa 500 Millionen Euro ausmachen. Am stärksten betroffen ist die deutsche Industrie. Aber auch größere Solarstromerzeuger müssten zahlen. Dies geht aus der Kabinettsvorlage für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hervor, die BIZZ energy today vorliegt und die vom Kabinett gebiligt wurde. Neue Anlagen sollen die EEG-Umlage ohnehin größtenteils bezahlen.

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Wörtlich heißt es in dem Papier: Die Eigenstromerzeugung wird an den Ausbaukosten der erneuerbaren Energien beteilgt. Für Altanlagen, so das Papier, wird die Begünstigung des Jahres 2013 in Höhe der EEG-Umlage von 5,28 Cent pro Kilowattstunde fortgeschrieben“. Die EEG-Umlage steht dieses Jahr allerdings bereits bei 6,24 Cent. Je nach Ausbau der erneuerbaren Energien und den Preisen an der Strombörse könnte sie in den kommenden Jahren weiter steigen.

Vor allem auf die deutsche Industrie kommen damit ab Inkrafttreten des neuen EEG, das für den 1. August geplant ist, hohe Zusatzbelastungen zu. Laut einer Studie des Prognos Instituts liegt der industrielle Eigenverbrauch bei etwa 35 bis 38 Terawattstunden pro Jahr. Demnach würde eine Beteiligung von knapp einem Cent pro Kilowattstunde, wie sie durch die derzeitige Umlagehöhe entstehen würde, mit rund 350 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Große Chemiewerke, aber auch Stahl- und Aluminiumhersteller erzeugen traditionell hohe Mengen Strom und Wärme selbst. In den vergangenen Jahren wurde die Eigenerzeugung noch einmal ausgebaut. 

Betroffen von der Regel sind auch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die häufig Gebäude beheizen und gleichzeitig Strom erzeugen. Die Erzeugung im dezentralen Eigenverbrauch liegt laut Prognos bei 11 bis 13 Terawattstunden. Demnach geht es um etwa 120 Millionen Euro.

Der Eigenverbrauch von Strom aus Photovoltaik lag 2013 bei zwei bis drei Terawattstunden. Allerdings sollen laut dem Papier Kleinstanlagen mit weniger als zehn Kilowatt installierter Leistung ausgenommen sein. Etwas größere Sonnenstromanlagen, zum Beispiel auf Scheunen, überschreiten diese Grenze aber schon. 

Die Deutsche Bahn erzeugt etwa fünf Terawattstunden Strom, müsste also mit etwa 50 Millionen Euro Belastung rechnen. Insgesamt liegt die Eigenerzeugung laut Prognos bei 56 Terawattstunden pro Jahr. Das Gesamtvolumen der zusätzlichen Belastungen überschreitet also die 500-Millionen-Euro-Grenze.

Für neue Eigenerzeugungskraftwerke soll die Umlage zu 90 Prozent fällig werden, das wären nach derzeitigem Stand etwa 5,5 Cent pro Kilowattstunde. Für erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-Kopplung ist ein reduzierter Satz von 70 Prozent vorgesehen.

 

 

Jakob Schlandt
Keywords:
EEG | Eigenstromerzeugung | Kraftwerke | Chemie | Bundesregierung
Ressorts:
Governance

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