Onshore-Ausschreibung
16.08.2017

Anlagenhersteller fürchten Bürgerwindparks

Foto: Creative Commons/Energieagentur NRW
Arbeiten an einem bestehenden Bürgerwindpark. Viele neu geplante Projekte haben noch keine immissionsschutzrechtliche Genehmigung

Die zweite Ausschreibung für Onshore-Windenergie hat die Produzenten von Windkraftanlagen noch nervöser gemacht. Die Dominanz der Bürgerenergiegesellschaften nimmt ihnen Planungssicherheit.

Viele Hersteller von Windenergietechnik sorgen sich um ihre Auftragsbücher, weil die meisten Zuschläge der Bundesnetzagentur an Bürgerwindparks ohne immissionsschutzrechtliche Genehmigungen gegangen sind. Dies mindere die Realisierungswahrscheinlichkeit der neuen Projekte, moniert der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Der Überhang noch nicht genehmigter Windparks führe „zu ganz erheblichen Problemen für die Auslastung bei Anlagenherstellern und Zulieferern“. (Lesen Sie auch: Bürgerwindparks dominieren zweite Onshore-Ausschreibung)

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Auch der Bundesverband Windenergie (BWE) bezweifelt, dass viele der Bürgerenergievorhaben rechtzeitig umgesetzt werden: „Zulieferer und Hersteller, aber auch Baunebengewerbe, Logistik und Projektierer setzt diese Unsicherheit stark unter Druck“, schreibt der BWE in einer Stellungnahme. In der Folge sieht er die Position deutscher Hersteller im internationalen Technologie-Wettbewerb gefährdet.

Forderung nach Gesetzesänderung

Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in dem viele regionale Stromversorger organisiert sind, sorgt die Dominanz der Bürgerenergiegesellschaften ebenfalls für Verunsicherung. Der BDEW-Chefmanager Stefan Kapferer diagnostiziert, „dass das Bürgerenergie-Privileg wie schon in der ersten Ausschreibungsrunde zu Fehlentwicklungen führt“. Er pocht auf Gesetzesanpassungen. (Lesen Sie auch die Analyse von bizz energy Research: Erste Windpark-Auktion verunsichert den Markt)

Inzwischen ist es zwar beschlossene Sache, dass bei den ersten beiden Ausschreibungen im nächsten Jahr Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz obligatorisch sein werden, doch das reicht den Verbänden nicht: „Es würde die voraussichtlichen Probleme verringern, wenn die Regelung bereits für die dritte Ausschreibungsrunde 2017 greifen könnte“, sagt Matthias Zelinger, Geschäftsführer der VDMA-Energiesparte Power Systems.

Die Bundesnetzagentur hat in der zweiten Ausschreibungsrunde gemäß dem reformierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Zuschläge für 1.013 Megawatt Leistung vergeben. Ähnlich gut wie in der ersten Onshore-Ausschreibungsrunde im Frühjahr haben dabei Bürgerenergiegesellschaften abgeschnitten: Sie bekamen 60 Zuschläge (90 Prozent) und 95 Prozent des Zuschlagsvolumens. Laut VDMA verfügt aber nur ein einziges der Bürgerenergieprojekte über eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung.

Christian Schaudwet
Keywords:
Bürgerwindpark | Ausschreibung | VDMA | BWE | BDEW
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