Atomrückstellungen
27.04.2016

Atomkonzerne gehen auf Konfrontationskurs

Foto: Wikimedia Commons / Felix König / CC BY-SA 3.0
Gundremmingen von RWE und Eon ist das größte Kernkraftwerk in Deutschland.

Die vier deutschen Kernkraftwerksbetreiber sollen ihre Rückstellungen für die Endlagerung des Atommülls um 6,1 Milliarden Euro aufstocken. So schlug es am Mittwoch eine Regierungskommission vor. Doch die Konzerne wollen da nicht mitmachen.

Der Tonfall ist unmissverständlich: Der Vorschlag belaste „die betroffenen Energieunternehmen über ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hinaus. Dies können sie schon aus Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern, Kunden und Eigentümern so nicht akzeptieren“, teilten RWE, Eon, Vattenfall und EnBW unisono mit. Mehrmals hatten die vier Konzerne in den vergangenen Monaten mit Experten und Vertretern der Zivilgesellschaft diskutiert, welche die Bundesregierung im November vergangenen Jahres in die Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) berufen hatte. Doch am Ende konnten die Betreiber ihre Maximalforderung nicht durchsetzen.

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Nach Meinung der Unternehmen haben sie ausreichend Vorsorge getroffen und für Rückbau der Atomkraftwerke und die Endlagerung der radioaktiven Abfälle zusammen über 40 Milliarden Euro zurückgestellt. Nachdem Zweifel an der langfristigen Zahlungsfähigkeit der notleidenden Konzerne aufgekommen waren, hatte die Bundesregierung die KFK eingesetzt. Nach ihrem Vorschlag sollen die AKW-Betreiber weiter den Abriss der Kraftwerke schultern und 17,2 Milliarden Euro, die sie für die Suche, Bau und Betrieb eines Endlagers vorgesehen hatten, in einen Fonds einzahlen. Dafür soll die Verantwortung für die Endlagerung auf die Allgemeinheit übergehen.

 

Umweltschützer wollen 50 statt 35 Prozent Aufschlag

Zusätzlich sollen die vier Konzerne nach dem Willen der KFK aber noch einen Risikozuschlag in Höhe von 6,1 Milliarden Euro einbringen – und genau das wollen die Unternehmen nicht mittragen. Sollte die Bundesregierung den Vorschlag in ein Gesetz gießen, könnten die Konzerne versuchen, vor Gericht dagegen zu klagen.

Sie fühlen sich überfordert. Angesichts aktueller Milliardenverluste ist diese Sicht verständlich. „Wenn man sich das derzeitige Marktumfeld der Versorger ansieht, ihre Verschuldung und wie ihre Ergebnisse in den letzten Jahren gelitten haben, dann bedeutet jede zusätzliche Einzahlung in einen Atomfonds eine Belastung für die Betreiber“, sagt Erkan Aycicek, Analyst bei der LBBW.

Unter den Versorgern sind die Belastungen unterschiedlich verteilt. „RWE würde an zusätzlichen Rückstellungen schwerer tragen als zum Beispiel Vattenfall oder Eon. Die Bilanz von RWE hatte zuletzt einfach eine noch geringere Qualität, was sich ja auch am Aktienkurs gezeigt hat“, urteilt Aycicek.

Umweltschützer halten dagegen auf einen noch höheren Risikozuschlag von 50 Prozent statt der nun vorgeschlagenen 35 Prozent gedrängt. „Denn die Allgemeinheit erträgt nicht nur die Gefahren für Mensch und Natur, sie trägt nun auch die künftigen finanziellen Risiken, die von dem strahlenden Sondermüll ausgehen", teilte Germanwatch mit.

Manuel Berkel
Keywords:
Atomrückstellungen | Atomausstieg | LBBW | RWE | Eon | Vattenfall | EnBW
Ressorts:
Governance

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