Kombikraftwerke
27.07.2016

Australien plant erstes Wind-Solar-Kombikraftwerk

Foto: pixabay, Gellscom Solar Wind
Solar- und Windstromanlagen speisen zu unterschiedlichen Zeiten Ökostrom ein.

Australien will 2017 ein Windkraftwerk erstmals mit einer Solaranlagen verknüpften. Auch für Deutschland wünschen sich Ökostromexperten mehr solcher Kombikraftwerke, sagen Experten. Sie könnten die Netze entlasten.

Nördlich der Hauptstadt Canberra soll Australiens erstes Kombikraftwerk aus Solar- und Windanlagen in großem Stil entstehen. Das teilte die staatliche Behörde für Erneuerbare Energien (ARENA) diese Woche mit.

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Neben dem bereits existierenden Windkraftwerk Gullen Range mit 73 Anlagen soll ein zehn Megawatt Photovoltaikkraftwerk aufgestellt werden. Die Grundsteinlegung ist für September geplant, ab 2017 soll die Anlage erstmalig Strom produzieren. ARENA fördert das insgesamt 26 Millionen australische Dollar teure Projekt nach eigenen Angaben mit knapp 10 Millionen.

Während Solarkraftwerke vor allem tagsüber und im Sommer Erneuerbaren-Strom produzieren, speisen Onshore Windparks auch nachts und bei bewölktem Himmel Ökostrom ein, wirbt ARENA-CEO Ivor Frischknecht für die Vorteile der Kombi-Ökostromanlage: „Das Nebeneinander ermöglicht eine nahezu kontinuierliche Stromerzeugung, weil Windanlagen in der Regel nachts mehr Strom erzeugen, während Solaranlagen tagsüber mehr produzieren“, sagt Frischknecht. 

Nach dem Willen von ARENA soll das Projekt in Australien Schule machen. Insgesamt könnten auf dem Kontinent neben bereits gebauten Windkraftanlagen bis zu einem Gigawatt neue Solarkapazität installiert werden, wie eine Studie im Auftrag der Behörde berechnet hat. Genug, um bis zu 70.000 Haushalte in Australien mit Grünstrom zu versorgen. 

 

Vorbild für Deutschland

„Auch für Deutschland sind Kombinationen aus Solar-Windkraftwerken vielversprechend“, sagt Volker Quaschning, Professor für Erneuerbare und Klimaschutz an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft. „Sie könnten den als Achillesferse der Energiewende identifizierten fehlenden Netzausbau deutlich reduzieren“, ergänzt der Grünstrom-Experte. „Das Stromnetz muss für ein Kombikraftwerk nicht so stark ausgebaut werden, da Wind- und Solaranlagen meist zu unterschiedlichen Zeiten Strom produzieren.“

Studien begelegen das. Kombinierte Kraftwerke sind prinzipiell in der Lage auf der gleichen Fläche bis zu doppelt so viel Grünstrom zu erzeugen, so das Ergebnis einer Analyse des Reiner Lemoine Instituts und der Solarpraxis AG. Ebenfalls darin untersucht wurden die Energieverluste durch den Schatten der Windkraftanlagen. Laut Studie betragen sie bei „intelligenter Planung“ nur zwei Prozent. 

„Anstatt Sonnen- und Windenergie als Konkurrenten gegeneinander antreten zu lassen, wie in der Reform des Ökostromgesetzes vorgesehen, sollten wir die Stärken der beiden Technologien kombinieren“, fordert Quaschning. 

 

Konkurrenz oder Ergänzung?

Die kurz vor der Sommerpause verabschiedete Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) sieht unter anderem vor, ab 2018 in einem Pilotversuch Onshore-Windparks und Photovoltaik-Anlagen in Ausschreibungen gegeneinander antreten zu lassen. Mittelfristig soll nur noch die günstigste Erzeugungsform gefördert werden. Diesen Passus musste die Bundesregierung auf Druck der EU-Kommission aufnehmen.

Doch ganz ad acta gelegt sind die Kombikraftwerke nicht. In einer zweiten sogenannten Innovationsauschreibung will die Bundesregierung laut EEG genau das fördern: Zusammenschlüsse aus Wind-, Solar oder Biomasseanlagen sowie Speichern sollen beweisen, dass sie ein sicheres Stromsystem bilden können. Wie das genau aussehen soll, steht allerdings noch nicht fest. Die entsprechende Verordnung soll bis Mai 2018 erlassen werden.

Jana Kugoth
Keywords:
Windkraft | Solar | Photovoltaik | Australien | Kombikraftwerk | Volker Quaschning | HTW | EEG | Innovationsausschreibung | Netzausbau
Ressorts:
Technology

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