Elektromobilität
14.07.2017

Autozulieferer ZF setzt auf Zweirad-Start-ups

Foto: ZF
Happy über den "Cargo Mover": ZF-Beteiligungschef Torsten Gollewski (l.) und e.Go-Chef Günther Schuh.

Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen geht neue Wege: Mit zwei neuen Joint Ventures will er einen autonomen Shuttle-Bus sowie elektrische Fahr- und Lastenräder auf die Straße bringen.

ZF möchte mit Hilfe von Joint Ventures mit Start-ups bei der Elektromobilität vorne mitmischen. „Die Impulse der Start-ups sind wichtig für uns“, sagt der Vorstandschef der Nummer 6 unter den größten Autozulieferern der Welt, Stefan Sommer, im Gespräch mit bizz energy. So entwickelt ZF Friedrichshafen zum einen mit dem Start-up e.Go Mobile einen autonomen Shuttle-Bus. Zum anderen hat der Antriebssystemhersteller mit drei weiteren Firmen ein Joint Venture für zwei- bis vierrädrige Mikromobile wie elektrische Fahr- und Lastenräder gegründet. „Wir sehen weltweit große Zukunftspotenziale für elektrische und autonome Fahrzeuge sowohl für die Beförderung von Personen als auch für Lastentransporte“, sagt Sommer. (Lesen Sie auch: Köln bringt E-Lastenräder auf die Straße)

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ZF beteiligt sich über seine 2016 gegründete Tochter „Zukunft Ventures“ an Start-ups in interessanten Technologiefeldern. In der Regel setzt ZF dabei auf Minderheitsbeteiligungen. „So lassen wir den Jungunternehmen ihre Beweglichkeit“, sagt Sommer zur Begründung. Als größte Herausforderung in der Zusammenarbeit bezeichnet der Vorstandschef die Schnittstelle zwischen Start-up und Konzern: Einerseits eine hohe Dynamik und flache Hierarchien, andererseits ein Konzern mit weltweit 137.000 Mitarbeitern und „gewissen Strukturen“. Sommer: „Diese Schnittstellen müssen wir sauber einrichten, damit auch wirklich beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren.“

Testflotten für Kommunen ab 2018

ZF und e.Go Mobile wollen Städten und anderen Kunden ab Mitte 2018 zulassungsfähige Testflotten des autonomen Shuttle-Busses anbieten. e.Go Mobile ist aus der RWTH Aachen hervorgegangen und hat auf dem Hochschulcampus eine weitgehend vernetzte Industrie-4.0-Infrastruktur installiert, mit dem das Start-up Fahrzeuge serientauglich entwickeln kann. „Wir können also rasch starten und haben keine langen Vorlaufzeiten“, sagt Sommer.

Auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Volkswagen planen, autonome Shuttles mit Elektroantrieb auf die Straße zu bringen. „Wir erleben gerade eine außerordentliche Dynamik im Bereich neuer Mobilitätslösungen“, kommentiert Sommer den Trend. Er glaubt dennoch, für die Kooperation mit e.Go Mobile das richtige Timing gefunden zu haben. Die verschiedenen Angebote müssten sich nun sortieren, denn „am Ende brauchen Sie Kunden, um erfolgreich zu sein und am Markt zu bestehen“, so der Vorstandschef. Der richtige Zeitpunkt für den Markteintritt sei daher eher entscheidend „als ein früher oder zu früher Zeitpunkt“.

Innerstädtischer Lieferverkehr schwillt an

Zum Einsatz kommen könnte der „People und Cargo Mover“ zum einen im Lieferverkehr in den Innenstädten, wo ZF bis zum Jahr 2030 mit enormen Zuwächsen im Volumen rechnet. Aber auch in ländlichen Gebieten seien solche Transportlösungen vorstellbar: „Vielleicht als Erweiterung von Park-&-Ride-Angeboten für Pendler oder für ältere Menschen, die in kleinen Dörfern leben und in die nächste Stadt wollen, weil sie dort einkaufen oder sich mit Bekannten treffen möchten“, sagt Sommer.

Um einerseits Überlastungen vorzubeugen und andererseits unnötige Fahrten zu vermeiden, können die Shuttles nicht ausschließlich nach Fahrplänen mit festen Routen, sondern je nach Bedarf agieren. Dazu kommt High-Tech von ZF zum Einsatz: Die Friedrichshafener haben mit dem Chiphersteller Nvidia eine Steuerbox entwickelt, die mit Künstliche-Intelligenz-Algorithmen arbeitet. Sie kommuniziert mit anderen Fahrzeugen und der Umgebung und nutzt das Prinzip der Schwarmintelligenz.

Magura, BrakeForceOne und Unicorn Energy ins Boot geholt

Mit dem zweiten Joint Venture mit den Firmen Magura, BrakeForceOne und Unicorn Energy hat ZF ehrgeizige Pläne. „Wir wollen damit die Elektromobilität für zwei-, drei- und vierrädrige Fahrzeuge neu definieren“, erklärt Sommer. Magura und BrakeForceOne sind auf Bremssysteme spezialisiert, Unicorn Energy auf Batteriesysteme. Mehr Details zu den Vehikeln verrät der Vorstandschef noch nicht, im Spätsommer sollen aber die ersten Produkte präsentiert werden. Elektrische Cargo-Bikes liegen seit einiger Zeit im Trend. Im Juni führte die Naturstrom-Tochter Green Moves Rheinland ein Lastenrad-Sharing namens Donk-EE ein, das als das größte Europas gilt. Das Angebot gibt es zunächst aber nur in Köln.

Jutta Maier
Keywords:
ZF Friedrichshafen | E-Bikes | Elektromobilität | Autozulieferer | Start-ups | Lieferverkehr
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