Start-ups
16.03.2017

Bakterien als Öko-Lampen

Foto: Shane Anderson / NOAA / Wikimedia Commons
Rippenquallen der Gattung Beroe leuchten im Dunkeln - ein Beispiel für Biolumineszenz.

Ganze Städte sollen Mikroorganismen der Firma Glowee erleuchten. Mit dieser Idee schaffte es das Team aus Paris in die Endauswahl des Start-up-Preises SET, der kommenden Montag in Berlin verliehen wird.

Der Verzicht auf seltene Rohstoffe ist die Hauptmotivation für Glowee. Die biolumineszierenden Bakterien stammen aus der Tiefsee; mit einer Nährlösung werden sie in einer transparenten Hülle eingeschlossen und bilden so eine neue Art von Leuchtkörper. Im Gegensatz zu LED-Dioden kommt dieses lebende Material ohne kostbare Metalle wie Gallium oder Indium aus. Die Macher sehen ihre Biolampen auch als Beitrag gegen die Lichtverschmutzung in Städten: Die Bakterien sollen ein weniger aufdringliches Leuchten von sich geben als heutige Straßenlaternen oder Neon-Leuchtreklame. Langfristig könnten die Mikroorganismen außerdem so weiterentwickelt werden, dass sie CO2 binden oder Wasser reinigen.

Anzeige*

Mit seiner Idee hat es Glowee in den Kreis der 18 Finalisten geschafft, die um den SET Award ringen. Verliehen wird er am 20. März beim Start Up Energy Transition Tech Festival in Berlin, das parallel zum Energy Transition Dialogue der Bundesregierung stattfindet Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) will dort Start-ups aus der ganzen Welt zusammenbringen, die sich mit Lösungen rund um Energie beschäftigen. Beworben hatten sich mehr als 500 junge Unternehmen aus 66 Ländern.

Wasserstoff als Futter für Methan-Bakterien

Mit Mikroorganismen ist auch dem Start-up Electrochaea der Sprung in die Endauswahl gelungen. Die Firma leitet ihren Namen von Urbakterien ab, die Biologen als Archaeen bezeichnen. Mit methanbildenden Arten will das Start-up aus dem Großraum München Strom in Form von Gas speichern.

Dazu wird zunächst in einem konventionellen Elektrolyseur Wasserstoff erzeugt, der von den Urbakterien verstoffwechselt wird. Die Organismen sollen aber auch so robust sein, dass sie CO2 aus den Abgasen von Kraftwerken nutzen können. Dank der speziellen Mikroorganismen muss das erzeugte Gas nach Angaben des Unternehmens vor der Einspeisung ins Gasnetz nur noch minimal aufbereitet werden. Im Projekt BioCat, an dem sich auch Audi beteiligt, betreibt Electrochaea bei Kopenhagen eine Produktionsanlage mit einer Leistung von einem Megawatt (MW). Als CO2-Quelle dient ein Klärwerk. In Ungarn plant Electrochaea derzeit eine größere Anlage mit 10 MW.

Energiemanagement und Microgrids

Dem Megatrend Energiemanagement hat sich Beebryte verschrieben. Das Unternehmen aus Lyon hat eine Software entwickelt, mit der Gewerbeunternehmen Strombeschaffung und Lastmanagement optimieren können. Die Steuerung von Beebryte passt den Energieverbrauch zum Kühlen und Heizen an sich ändernde Stromtarife an, speichert abhängig von den aktuellen Preisen Elektrizität in Batterien oder verkauft sie wieder an den Märkten und erhöht den Verbrauch aus eigenen Erzeugungsanlagen wie PV-Modulen. An den eingesparten Energiekosten lässt sich das Unternehmen beteiligen. Nach rund zweijähriger Entwicklungszeit habe Beebryte Anfang 2017 erste Verträge abgeschlossen, sagte CFO Frédéric Crampé dem Veranstalter des Tech Festivals.

Auf einer höheren Ebene setzt das australische Start-up Greensync an. Die Firma aus Melbourne hat Software entwickelt, mit der sich lokale Stromnetze betreiben lassen. In solchen Microgrids kann Strom aus Erzeugungsanlagen und Speichern gehandelt werden. Auf Initiative der Australischen Agentur für erneuerbare Energien entwickelt Greensync mit anderen Unternehmen ab Juni zwei dezentrale Marktplätze. In Deutschland gibt es vergleichbare Ansätze in den vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten SINTEG-Projekten. 

Manuel Berkel
Keywords:
Glowee | Dena | SET Award | Start-ups | Electrochaea | Beebryte | Greensync | Power-to-gas | Beleuchtung | Energiemanagement | Lastmanagement | DSM
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy April 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports


Aktuelle Angebote:
» Zur Ausschreibungssimulation
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore
» Informationen zur Studie "Solarenergie in Chile"



MEHR INFORMATIONEN HIER

Film ab! Energiewende in 25 Sek.
Was würde Goethe
zur Energiewende sagen?

Mit dieser Frage startet bizz energy einen Aufruf, originelle Kurzvideos zu
aktuellen Themen der Energiewende zu drehen.

MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen