Elektromobilität
26.03.2018

Berliner Charité testet autonome E-Busse

BVG/Andreas Süß
Autonom unter Aufsicht: Kleinbusse auf dem Charité-Gelände

Die deutsche Hauptstadt soll mit selbstfahrenden Elektrovehikeln zur Smart City werden. Allerdings erstmal mit Begleitperson, im Schneckentempo und auf Mini-Strecken.

Eines Tages sollen sie den öffentlichen Nahverkehr ergänzen oder auf schwach ausgelasteten Strecken fahren: Elektrische, autonom fahrende Kleinbusse, wie sie ab sofort an der Berliner Charité unterwegs sind. Vier Vehikel verkehren dort im Rahmen des Pilotprojekts der Verkehrsgesellschaft BVG, der Charité und des Landes Berlin auf festgelegten Routen: zwei auf dem Campus Charité Mitte und ab Mitte April zwei weitere auf dem Campus Virchow-Klinikum. „Wir haben uns das Ziel gesetzt, Berlin zu einer der führenden Smart Cities zu machen“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Autonome E-Fahrzeuge gelten als wesentlicher Bestandteil „intelligenter“ Städte.

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Komplett autonom fahren werden die Kleinbusse allerdings erst ab Frühjahr nächsten Jahres. Bis dahin ist stets eine „Begleitperson“ an Bord, die notfalls eingreifen kann. Das Pilotprojekt soll unter anderem untersuchen, inwieweit Fahrgäste autonomes Fahren akzeptieren, um daraus für den weiteren Einsatz zu lernen. „Wir wollen erforschen, ob man mit diesem Ansatz mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen und so die Umwelt entlasten kann“, sagt die neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Innenansicht mit dem typischen BVG-Interieur

Die E-Transporter werden Patienten, Besucher, Mitarbeiter und Studierende transportieren und sollen ihnen den Alltag erleichtern. Sie sind wochentags von 9 bis 16 Uhr in Betrieb und haben elf beziehungsweise sechs Sitzplätze. Die Charité-Standorte seien besonders gut geeignet für den Test der Busse, weil sie einerseits eine ausreichend große Fläche hätten und vom öffentlichen Straßenverkehr abgegrenzt seien, teilt die BVG mit. Andererseits bildeten sie mit ihren Gehwegen, Kreuzungen und Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern, Radfahrern sowie Pkw, Lkw und Bussen den Berliner Verkehrsalltag fast vollständig im Kleinen ab.

Bisher kamen die Kleinbusse in Kooperation mit der Deutschen Bahn auf dem Berliner Forschungscampus Euref sowie im realen Straßenverkehr im bayerischen Kurort Bad Birnbach zum Einsatz. Allerdings bewegen sie sich im Schneckentempo (zwölf Kilometer pro Stunde) und verbinden nur kürzeste Strecken: 1,2 Kilometer mit neun Haltestellen als Ringlinie sind es auf dem Campus Charité Mitte, beim Virchow-Klinikum handelt es sich gerade mal um 800 Meter mit acht Stopps. Theoretisch könnten die Batterie-Vehikel bis zu 40 Stundenkilometer schnell fahren; ihre Geschwindigkeit wird aber aus Sicherheitsgründen gedrosselt.

Technologie aus Frankreich

Hersteller der Busse sind die französischen Firmen Navya und Easy Mile – von letzterem stammt auch der Transporter in Bad Birnbach, während auf dem Euref-Campus ein Fahrzeug des US-Herstellers Local Motors fuhr. Das „Stimulate“ genannte Forschungsprojekt in Berlin soll bis Frühjahr 2020 laufen und kostet 4,1 Millionen Euro. Davon steuert das Umweltministerium rund 3,2 Millionen Euro Fördergeld bei.

Auch in anderen Ländern laufen Tests mit den E-Bussen: Konkret werden sie an mehr als 60 Standorten in Europa, Asien, Nordamerika und im Nahen Osten ausprobiert.

 

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Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | BVG | Kleinbusse | autonomes Fahren | Berlin
Ressorts:
Technology

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