Diesel-Krise
09.08.2017

Auto-Experte Bratzel: Viele Umtauschprämien zu niedrig

Foto: BMVI
Wer lacht am längsten? Deutsche Autokonzernchefs beim Diesel-Gipfel

Die großen deutschen und auch einige ausländische Hersteller haben Prämien für den Tausch eines Diesels gegen ein Neufahrzeug vorgestellt. Viele seien jedoch unwirksam, sagt Mobilitätsexperte Stefan Bratzel.

Stefan Bratzel geht davon aus, dass nur hohe Umweltprämien wie die von Volkswagen Autobesitzer zum Wechsel überzeugen. „Rabatte wie die beim Golf von 20 bis 25 Prozent sind schon erheblich“, sagt der Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach im Gespräch mit bizz energy. „Das bekommt man sonst nur in großen Ausnahmefällen.“ Der Wolfsburger Konzern zahlt zwischen 2.000 und 10.000 Euro für den Kauf eines Neuwagens mit Diesel- oder Verbrennungsmotor bei gleichzeitigem Abwracken eines Diesels der Abgasnorm Euro 1 bis 4.

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Für einen Golf liegt die Prämie bei 5.000 Euro, beim Passat bei 8.000 Euro. Kunden, die sich für ein Auto mit alternativem Antrieb – Erdgas, Hybrid oder Elektro – entscheiden, erhalten zusätzlich 1.000 bis 2.380 Euro. Auch die anderen VW-Konzernmarken Audi, Porsche und Skoda bieten solche Umweltprämien an. Generell sei die Höhe der Rabatte entscheidend, sagt Bratzel. 2.000 Euro, wie von BMW und Daimler angeboten, bewirkten „gar nichts“.

Kosmetik bei Angeboten für SUVs

Wenig Wirkung entfalten dürften aus seiner Sicht auch die Prämien für hochpreisige SUVs. Für den Kauf eines Touareg bietet VW 10.000 Euro, was einen Nachlass von etwa 14 Prozent entspricht. Bratzel hält dies eher für Kosmetik“ „Es gibt nicht viele Kunden, die einen 9 Jahre oder älteren Diesel verschrotten und sich einen neuen Touareg kaufen. Außerdem kostet ein vernünftig ausgestattetes Modell 60.000 bis 70.000 Euro, da sind 10.000 Euro Prämie nur zehn bis 15 Prozent, die man ohnehin als Rabatt bekommt.“
 
Natürlich seien die Prämien ein Stückweit auch ein Konjunkturprogramm, weil durch vermehrte Käufe die Produktion ausgelastet werde, räumt Bratzel ein. Aus seiner sowie aus der Sicht von Umweltverbänden wäre statt eines Software-Updates eine Hardware-Nachrüstung nötig gewesen, um die Luft in den Städten deutlich sauberer zu machen. Dennoch sei der Umwelt und der Gesundheit der Menschen durchaus geholfen, wenn durch die Prämien Diesel der Schadstoffklassen 4 und niedriger von der Straße geholt würden. „Diese Fahrzeuge sind bei den NOx-Werte (Stickoxide) deutlich schlechter als die neuen Euro-6-Fahrzeuge, auch wenn sie nicht der neuen Euro6d-Norm entsprechen, die ab September gilt und den realen Ausstoß auf der Straße misst“, sagt der Experte. 

Mittlerweile haben die meisten Hersteller Umweltprämien für die Verschrottung alter Diesel-Fahrzeuge beim gleichzeitigen Kauf eines Neuwagens eingeführt. Sie gelten bis zum Jahresende. Bei den meisten Herstellern ist es unerheblich, von welcher Marke das Altfahrzeug stammt. Auch ausländische Hersteller wie Toyota, Ford und Nissan machen mit, obwohl sie sich bisher nicht an Nachrüstungen beteiligen wollen: Ford zahlt bis zu 8.000 Euro Tauschprämie, Toyota lockt mit einer Hybridprämie von insgesamt 4.000 Euro. Nissan bietet seine Abwrackprämie nur für Benziner-Modelle an, für das E-Modell Leaf erhalten Kunden ohnehin einen „Elektrobonus“ von bis zu 3.250 Euro.

Jutta Maier
Keywords:
Diesel | Umweltprämie | Umtauschprämie | Volkswagen | BMW | Daimler | Stefan Bratzel
Ressorts:
Governance | Markets
 

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