Stromnetz
19.05.2020

Bund erwägt Einstieg bei Tennet

Foto: Istock
Wer über die Netze bestimmt, hat das Stromsystem weitgehend in der Hand, heisst es in der Branche

Der Staat übernimmt wieder mehr Kontrolle über die Energienetze. Nach dem Einstieg beim Netzbetreiber 50Hertz erwägt der Bund jetzt, sich am größten deutschen Netzbetreiber Tennet zu beteiligen.

Die Bundesregierung prüft eine Beteiligung am Stromnetzbetreiber Tennet. Das berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Dienstag. Demnach wollen Bundesregierung und die niederländische Regierung als Tennet-Mehrheitseigentümer noch am heutigen Dienstag eine Absichtserklärung unterzeichnen.

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Über diese Erklärung teilte das Wirtschaftsministerium am Nachmittag dann nur mit, dass eine "engere Zusammenarbeit" der Netzbetreiber Deutschlands und der Niederlande zu einer effizienten Energieversorgung beitragen könne. Weiter gebe es die Absicht, "Optionen bezüglich Investitionen und Beteiligungen seitens Deutschlands und der Niederlande" bei Tennet zu prüfen sowie ein gemeinsames Vorgehen zur Stärkung der Kapitalbasis des Netzbetreibers zu entwickeln.

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Bereits Anfang Mai hatte das Magazin "Der Spiegel" über einen möglichen Einstieg des Bundes bei Tennet berichtet. Das Bundesfinanzministerium soll dabei auf eine Mehrheitsbeteiligung gedrungen, das Wirtschaftsministeriums auf eine Beteiligung von unter 50 Prozent beharrt haben.

Tennet ist der größte der vier inländischen Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland. Entstanden war das Unternehmen 2010, als der Eon-Konzern aufgrund kartellrechtlicher Vorgaben sein Höchstspannungsnetz an die im Staatsbesitz befindliche niederländische Tennet Holding verkaufte. Mit seinem von der Nord- und Ostseeküste bis in die bayerischen Alpen queer durch Deutschland reichenden Netzgebiet spielt Tennet eine besonders wichtige Rolle beim Ausbau der Stromnetze.

Die heutige Erklärung betont dazu nur, dass für die geplanten Investitionen von Tennet in das deutsch-niederländische Übertragungsnetz erhebliche zusätzliche Mittel bis 2029 erforderlich seien.

Im Zuge der Energiewende sollen Tausende Kilometer Stromleitungen neu gebaut werden, damit der vor allem im Norden produzierte Windstrom zu großen Verbrauchern im Süden und Südwesten transportiert werden kann. Kritiker der Projekte halten diese aber für überdimensioniert und nicht notwendig.

Der Bund würde mit dem Tennet-Einstieg seinen Einfluss auf die Energie-Infrastruktur stärken. Der deutsche Staat ist seit 2018 über die Staatsbank KfW mit 20 Prozent am ostdeutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz beteiligt. Damals wurde damit der Einstieg eines chinesischen Investors verhindert.

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jst/dpa
Keywords:
Stromnetz | Tennet | Bundeswirtschaftsministerium
Ressorts:
Governance | Markets
 

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