Flüssig-Erdgas
13.12.2017

Bund startet Förderung für Schiffe mit LNG-Antrieb

Foto: Creative Commons/Alf van Beem
Der Containerfrachter "WES Amelie" der Harener Reederei Wessels im Hafen von Rotterdam vor seiner Umrüstung auf Flüssigerdgas-Antrieb

Viele Reeder haben es lange ersehnt: Das Bundesverkehrsministerium bezuschusst jetzt den Bau von Schiffen mit LNG-Antrieb. In den Markt für Flüssigerdgas kommt Bewegung.

Reedereien können Fördergelder für den Bau von Schiffen beantragen, die mit dem vergleichsweise umweltfreundlichen Treibstoff „Liquified Natural Gas“ LNG fahren. Das Bundesverkehrsministerium hat jetzt den entsprechenden Aufruf veröffentlicht. Das Förderprogramm gilt auch für die Umrüstung vorhandener Schiffe.

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„Wir wollen Vorreiter bei der Reduzierung von Emissionen in der Schifffahrt sein“, sagte der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt. Das Ministerium stellt die Fördergelder im Rahmen seiner „Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie“ zur Verfügung. Sie sieht für alle Verkehrsmittel bis zum Jahr 2020 rund 278 Millionen Euro Förderung vor. Wie viel Geld in diesem Topf speziell für LNG-Schiffe reserviert ist, sagte Schmidt nicht.

LNG-Lobby macht Druck

LNG ist gekühltes, in den flüssigen Aggregatzustand versetztes Erdgas. Es wird mit Spezialtankern importiert. Befürworter dieses Brennstoffs 
hatten die Bundesregierung seit langem gedrängt, das bereits beschlossene Förderprogramm Schiffe mit LNG-Antrieb endlich umzusetzen. Sie haben sich in der Maritimen LNG Plattform organisiert. Hinter dem Verein stehen die Lobby-Agentur des früheren Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust und eine Reihe von Schifffahrts-, Energie- und Industrieunternehmen wie Aida Cruises, Shell und MAN.

Die Verbreitung von LNG-Antrieben in der Schifffahrt soll helfen, den CO2- und Schadstoffausstoß der Branche zu senken. Anders als der gängige Schweröl-Treibstoff setzt LNG beim Verbrennen kein Schwefeloxid frei. Der Stickoxid-Ausstoß von LNG-Motoren ist nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums 90 bis 98 Prozent niedriger als der von herkömmlichen Schiffsmotoren.

Tödlicher Qualm

Die Luftverschmutzung durch Schiffsabgase hat fatale Folgen. Forscher führen den Tod von weltweit bis zu 60.000 Menschen pro Jahr durch Lungen- und Herzkrankheiten auf Schiffsemissionen zurück. Küstenbewohner sind Untersuchungen der Universität Rostock zufolge besonders gefährdet. Schiffsabgase schädigen aber auch das Wasser: Ihr Stickoxid gilt als eine Hauptquelle von Nährstoffeinträgen, die beispielsweise in der Ostsee zu extremer Algenvermehrung führen.

Das erste, bereits vor dem Förderaufruf umgerüstete LNG-Frachtschiff Deutschlands ist die 2011 gebaute „WES Amelie“ der Reederei Wessels im niedersächsischen Haren. Sie stach nach langwierigen und teuren Umbauarbeiten im August 2017 wieder in See. Anderswo wird bereits in größeren Dimensionen gedacht: Die drittgrößte Reederei der Welt CMA CGM hat kürzlich neun Containerriesen mit LNG-Antrieb in China bestellt.

Banken halten sich zurück

Bisher jedoch fahren erst verschwindend wenige Schiffe mit verflüssigtem Erdgas als Treibstoff über die Weltmeere. Es mangelt an einer globalen Betankungs-Infrastruktur. Neubau oder Umrüstung sind zudem teuer, und Banken halten sich angesichts zahlloser Schiffspleiten in den letzten Jahren bei der Finanzierung zurück.

In der Winter-Ausgabe des Magazins bizz energy berichten wir, wie die Nachfrage nach LNG für Schiffe den Erdgasmarkt insgesamt verändern könnte. Die Heft ist ab dem 14. Dezember im gut sortierten Zeitschriftenhandel, bei unserem Abonnentenservice (Mail an bizz-energy@pressup.de) und ab sofort als E-Paper im iKiosk erhältlich.

Christian Schaudwet
Keywords:
Schifffahrt | Clean Shipping | LNG
Ressorts:
Governance | Markets

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