Kohleausstieg
24.10.2016

CDU-Spitze für Kohlekraftwerke mit CCS

Foto: Vattenfall
In brandenburgischen Jänschwalde plante Vattenfall Anfang des Jahrzehnts ein Kohlekraftwerk mit CCS.

Die Fraktionsführung der Union will die Kohleverstromung durch die umstrittene CCS-Technologie länger am Leben halten. Für die Sektorkopplung soll es dagegen kein neues Fördergeld geben.

 

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Mit einer 58-seitigen Stellungnahme fordern führende Unionspolitiker zahlreiche Änderungen im Klimaschutzplan von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). „Kein Ausschluss von CCS in der Stromerzeugung“, schreiben die vier für Klimaschutz zuständigen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Michael Fuchs, Arnold Vaatz, Gitta Connemann (alle CDU) und Georg Nüßlein (CSU) an mehreren Stellen des Dokuments, das bizz energy vorliegt. Entsprechend will die Unionsspitze eine Forderung von Hendricks streichen, die Stromerzeugung langfristig vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen.

Die Abscheidung und unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage) ist in Deutschland als Klimaschutzinstrument stark umstritten. Ein Gesetz der Bundesregierung von 2012 lässt hierzulande kleinere Forschungsprojekte zu. Bisher sind aber keine Anträge von möglichen Betreibern bekannt, Ende des Jahres läuft die vorgeschriebene Frist aus.

In einer Passage des aktuellen Unions-Dokuments, in der es um CCS für Industrieabgase geht, schreibt die Fraktionsführung, für die Speicherung seien die entsprechenden Rahmenbedingungen in Deutschland erforderlich.

 

Strom nicht „wichtigste Primärquelle“ für Verkehr und Wohnen

An anderen Stellen wird deutlich, dass die Abgeordneten mit ihrem Einsatz für CCS Kohlemeiler unterstützen wollen. So wollen sie klarstellen, dass die Kohleverstromung nur dann an Bedeutung abnimmt, „sofern die Nutzung von CCS und CCU (Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff, d. Red.) begrenzt bleibt“. Heimische Braunkohle dürfe nicht durch „unsichere Strom- bzw. Gasimporte“ ersetzt werden.

Deutlich einbremsen will die Union die sogenannte Sektorkopplung. Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden wollen einen Abschnitt streichen, in dem es heißt, erneuerbare Energien würden künftig auch in den Bereichen Mobilität und Wärmeversorgung die „wichtigste Primärquelle“.

Strom aus erneuerbaren Energien könne zwar „dazu beitragen“, die Emissionen von Verkehr und Gebäuden zu senken. Voraussetzung sei aber, die Kosten für Ökostrom zunächst deutlich zu senken und den Stromnetzausbau voranzutreiben.

Anders als Hendricks will die Union nicht schon „kurzfristig“ Modelle zur Sektorkopplung erproben und fordert, dass diese „kosten- und wettbewerbsneutral“ sein müssten.

Manuel Berkel
Keywords:
CCS | CCU | Georg Nüßlein | Michael Fuchs | Kohleausstieg | Kohlekraftwerke
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Kommentare

Endlich fortschrittliche Pläne bei der CDU-Spitze. Mit CCS und CCU wird endlich sauber Strom und Wärme erzeugt. Als nächsten Schritt empfehle ich der Führungsriege das Umweltproblem mit der Mobilität zu lösen. Die sauberste mir bekannte Fortbewegungsmethode ist beamen. Spock hat uns das bereits vor Jahrzehnten vorgemacht. Bis Merkel, Altmeier und Co das massentauglich geredet haben, könnten BMW und Co Sonderfördergelder für ihre SUV-Modelle als Übergangstechnologie erhalten. Das schafft auch noch neue Arbeitsplätze!

das völlig unwirtschaftliche und lebensgefährliche Verfahren kann man nur für gut befinden, wenn man der Braunkohlewirtschaft und ihren "Gutachtern" auf den Leim gegangen ist.
Nach Faust: Mir grauts vor dieser Führungsriege!

Der bereits geringere Wirkungsgrad eines Kohlekraftwerkes verbunden mit dem weit höheren CO2-Ausstoß im Vergleich bspw. zu Gaskraftwerken müsste allein das Ausschlusskriterium für eine kohlebasierte Energieproduktion sein. Um CO2 abzuscheiden und ggf. unterirdisch zu verpressen benötigt man soviel Energie, dass man für 2 laufende Kraftwerke ein weiteres Kohlekraftwerk bauen müsste, nur um das Abscheiden und Verpressen zu erreichen. Dies bedeutet nochmals eine massive Verringerung der Wirtschaftlichkeit. Das so etwas unwirtschaftlich UND unökologisch ist, erschließt sich jedem Laien (allein deshalb erklärt sich das mangelnde Interesse, von dem im Text die Rede ist). Vermutlich wird die barmende Kohleindistrie durch Lobbyarbeit dann in der Folge wieder eine neue UMLAGE durchsetzen. Ich befürchte, dass das Pseudoargument des Arbeitsplatzschutzes einmal mehr herhalten muss, damit die Industrie geschont wird und letzendlich der Endverbraucher mit einer weiteren UMLAGE die Zeche einer verfehlten Energiepolitik bezahlen muss.
P.S. ICH BIN CDU-Mitglied, arbeite in der Energiewirtschaft UND SCHÄME MICH FÜR DERARTIGE UNQUALIFIZIERTEN AUSSAGEN.

noch mehr Subventionen in die Kohle stecken? CO² produzieren um CO² zu verringern? Ich sagen nur "Singen und Klatschen" und sich dabei die Taschen voll machen.

Liebe Politiker, denkt einfach einmal nach. Statt mit Steinzeit-Wissen glänzen zu wollen, informiert Euch doch bitte erst einmal darüber, welche intelligenteren Möglichkeiten es zur Bewältigung der Energiewende gibt. Hier sind z. B. ENERGIESPEICHER MIT SCHWIMMENDEM SPEICHERTEIL zu nennen. Diese können überall eingesetzt werden. Sie sind höchst effizient, extrem leistungsfähig und emissionsfrei. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist weit besser als das von anderen Speicherarten. Diese Energie-Speicher werden zur Zeit von der Politik wissentlich ignoriert und nicht gefördert, da sie die Energiewende zu stark vorantreiben würden, was einigen Akteuren nicht gefallen dürfte.

Dabei bieten uns diese neuartigen Großspeicher riesige Chancen, weil sie neben den bereits erwähnten Vorzügen einen besonderen Vorteil haben. Es sind die weltweit ersten patentierten Energie-Speicher, die durch intelligentes Nutzen der Schwer- und Auftriebskraft bei ihrer Leerung mehr Energie abgeben können, als sie für ihre Füllung benötigen. Das heißt, diese Speicher sind nicht nur besonders effizient, sondern erbringen auch noch Energie-Überschüsse und können einen Großteil der teuren Überland-Stromleitungen überflüssig machen.

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