E-Mobilität in China
09.03.2016

Chinas Führung forciert Elektromobilität

fotos: Wikipedia, flickr/twentyfour Students
Verkehr in Peking.

Während Peking einen Mix aus Optimismus und Skepsis verbreitet, sind die offiziellen E-Auto-Statistiken mit Vorsicht zu genießen.

Peking. China beschleunigt das Tempo beim Ausbau der Elektromobilität. Dazu passt die jüngste Dienstanweisung von Ministerpräsident Li Keqiang. In einem Zirkular fordert er Behörden, öffentliche Dienstleister und Taxifirmen auf, bei Neukäufen mehr als zur Hälfte Elektroautos und Plug-in Hybride auszuwählen. Zuvor hatte die Vorgabe der Regierung bei 30 Prozent gelegen.

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Aktuell prognostiziert der staatsnahe Verband der Chinesischen Automobilhersteller (CAAM), dass sich die Zahl der Absätze von Elektroautos und Plug-in Hybriden dieses Jahr auf rund 700.000 verdoppeln wird.

Der Optimismus ist groß, und Peking meint es wirklich ernst, das zeigt nicht zuletzt Lis jüngste Maßnahme. Doch die steht auch für einen Knackpunkt: Bisher lebt Chinas Boom der Elektromobilität vor allem vom Staat. Staatliche Subventionen fördern den Verkauf der Autos mit bis zu 110.000 Yuan (15.340 Euro). Der Staat baut die nötige Ladeinfrastruktur auf. Und der Staat fährt einen Löwenanteil der geförderten Autos entweder selbst oder bestimmt, wer sie steuert: Behörden, öffentliche Verkehrsträger, Taxifirmen.

 

In den Städten steigt die Nachfrage nach Stromern

Diese, von der Regierung angeschobenen Verkäufe machten 2015 nach Angaben der Research-Firma Sanford C. Bernstein fast die Hälfte der 185.900 verkauften reinen Elektroautos aus. 74 Prozent der Zulassungen aller „grünen“ Autos stammen demnach 2015 aus Beijing, Shanghai und Shenzhen; außerhalb dieser Städte sei die private Nachfrage zu vernachlässigen.

Die Subventionen – die neben den Elektromobilen nur Plug-in Hybride mit eigenem Ladekabel bekommen, nicht aber konventionelle Hybride - haben die Kostennachteile dieser Fahrzeuge bislang nicht ausgleichen können. Stattdessen gab es im Januar lokale Medienberichte über Betrugsfälle:
Demnach verschoben einzelne Firmen  technisch minderwertige Elektroautos an Briefkastenfirmen, um sich Kaufsubventionen zu erschleichen. Viele der Autos flossen sogar wieder zurück, um erneut „verkauft“ zu werden.
 

Statistiken sind mit Vorsicht zu genießen

Bekannte Namen sind nicht unter den Sündern, die Zahl der betroffenen Autos liegt laut der Berichte bei 70.000. Doch ein Fragezeichen bleibt: Wieviele Elektroautos und Plug-in Hybride rollen denn nun wirklich auf den Straßen? Und wie sehr kann man den offiziellen Zahlen trauen?

Laut Automobilverband CAAM lagen die Verkäufe 2015 bei 331.092 - davon 247.482 Elektroautos und and 83.610 plug-in Hybride, jeweils einschließlich kommerzieller Fahrzeuge. Da die offiziellen Daten Auslieferungen an Händler zählen, weiß niemand wieviele Autos tatsächlich von dort an Kunden gingen. Vermutlich daher liegen die von den Sanford-Autoren auf die Kunden bezogenen Daten deutlich niedriger.

Dass der Sektor an Dynamik gewinnt, stimmt allerdings trotzdem. Derzeit kündigen auch in China mehrere New Economy-Firmen den Einstieg ins Elektroauto an.
Die Regierung beschleunigt seit einigen Monaten den Aufbau der Ladeinfrastruktur – lange Zeit neben den Kosten der größte Flaschenhals. Bis 2020 soll die Infrastruktur nach neuen Plänen fünf Millionen E-Autos bedienen können: Insgesamt sollen dafür 12.000 Ladestationen und 4,8 Millionen Ladesäulen aufgestellt werden. Die Hauptstadt Peking hat bereits 5.000 öffentliche Ladesäulen; dieses Jahr sollen noch einmal 5.000 hinzukommen, dazu etwa 12.000 private Säulen.

Auch die ausländischen Autobauer steigen allmählich ein. Mercedes und BMW verkaufen bereits einzelne Modelle. VW plant 15 lokal produzierte Modelle in den nächsten 3-5 Jahren. Audi importiert ein Modell und bringt ab 2016 einen lokal gefertigten A6L als Plug-in Hybrid heraus.

 

Vertrauen aufbauen

Um Erfolg mit E-Autos zu haben, müssen Autobauer Nischen in Metropolen wie Shanghai oder Peking finden und dort Vertrauen aufbauen, empfieht Michael Dunne, Autoexperte mit eigener Beratungsfirma in Hongkong – wo Elektroautos recht erfolgreich sind. „In diesen Gegenden können die Leute pendeln und haben nie das Gefühl, dass die nächste Station weit weg ist.“ Anreiz ist auch die Tatsache, dass grüne Autos nicht unter die Zulassungsbeschränkungen fallen, mit denen sieben der größten Metropolen gegen Smog und Stau ankämpfen. „Ein weiterer Weg wäre der über das Luxussegment“, sagt Dunne. Mit einem Tesla oder NextEV-Modell könnten Wohlhabende durchaus etwas vorzeigen, so Dunne. Tesla verkauft allerdings nur wenige importierte Autos im Jahr: Rekord war bisher das dritte Quartal 2015 mit 1.345 Autos. Derzeit sucht Tesla-Chef Elon Musk nach einem Partner für die lokale Produktion.

Christiane Kühl
Keywords:
China | E-Mobilität | Shanghai | Peking | Suvbentionen
Ressorts:
Governance | Markets

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