Windstrom USA
16.03.2016

Clinton möchte viel Wind, Trump lieber freie Sicht

foto: pixabay

Donald Trump kann Windenergie und insbesondere Offshore-Anlagen nicht ausstehen. Das hat er mit dem Kennedy-Clan gemeinsam, der jahrelang erfolgreich ein Projekt an der US-Ostküste bekämpfte. Hillary Clinton dagegen will die Erderwärmung auch mit dem Ausbau von Windkraft bekämpfen.

In Rhode Island an der Ostküste entsteht derzeit der erste kommerzielle Offshore-Windpark der USA. Die Firma Deepwater Wind installiert die fünf Turbinen in tiefen Gewässern, hinter dem Horizont und außer Sichtweite. Es wird wahrscheinlich nicht der einzige bleiben: Deepwater steckt bereits in den Planungen für zwei weitere, größere Projekte an der Ostküste. 

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Die Obama-Administration hat den Ausbau von Offshore-Projekten vorangetrieben, und das würde auch unter einer Präsidentin Hillary Clinton so bleiben. Die Demokratin setzte sich bei den Vorwahlen am Dienstag in allen fünf Bundesstaaten gegen Bernie Sanders durch. Der Ausbau von erneuerbarer Energie steht im Zentrum ihrer Kampagne: Mit einer Kombination aus Wind- und Solarenergie, Wasserkraft und Erdwärme will Clinton den Treibhausgas-Ausstoß im Lande innerhalb von zehn Jahren um 30 Prozent reduzieren. 

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Deepwater hatte von Anfang an die Bürger miteinbezogen, um zu verhindern, dass die Block Wind Farm in Rhode Island nicht das gleiche Schicksal ereilt wie andere Offshore-Projekte entlang der Ostküste. Berüchtigtstes Beispiel: Cape Wind, jenes Projekt an der Küste von Massachusetts, das eigentlich der erste Offshore-Windpark der USA werden sollte. Die Obama-Regierung genehmigte zwar 2010 den Bau der Anlage, das Projekt ist mittlerweile jedoch wegen finanzieller und juristischer Probleme zum Erliegen gekommen. 

Mitglieder des Kennedy-Clans hatten zuvor über ein ganzes Jahrzehnt hinweg dagegen Stimmung gemacht: Edward „Ted“ Kennedy, der Bruder von John F. Kennedy, der im Nantucket Sound zu segeln pflegte, sowie Umweltschützer Robert Kennedy Junior. Sie warnten neben dem unschönen Anblick vor einem Verfall der Grundstückspreise und den Gefahren für Vögel und Wale. Nicht zufällig haben die Kennedys in der beliebten Gegend südlich von Boston eine Ferienresidenz. 

Kein Wunder also, dass der Bau der Block Wind Farm in Rhode Island von den Befürwortern als „Energie-Revolution“ gefeiert wird. Trotzdem werden in den USA die meisten Windparks wohl auch in Zukunft vor allem auf dem Festland gebaut, weit entfernt sowohl von Städten als auch von Küstenstreifen. 2015 bauten die USA eine Leistung von 8,6 Gigawatt aus Windkraft zu, mehr als Solar oder Erdgas. 

Donald Trump, der am Dienstag außer in Ohio in allen vier weiteren Bundesstaaten abräumte und bei den Republikanern weit in Führung liegt, hat übrigens eine ganz persönliche Beziehung zum Thema Windenergie. Schließlich kämpft der Milliardär seit Jahren vor Gericht gegen einen Offshore-Park, der in der Nähe seiner Golfanlage im schottischen Aberdeen gebaut werden soll. Ähnlich wie die Kennedys fürchtet Trump, dass die Windräder den Blick von seiner Anlage verderben werden. 

Der Immobilien-Tycoon hat in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen, um gegen Windenergie zu wettern. Vorzugsweise auf seinem Lieblingsmedium Twitter: Windturbinen seien nicht nur abscheulich anzusehen, sondern beeinträchtigten auch die Gesundheit, bedrohten Zugvögel und seien als Energielieferanten unzuverlässig, kritisierte er dort. „Niemand will Windräder, sie scheitern auf der ganzen Welt und brauchen massive Subventionen – ein Desaster für die Steuerzahler“, twitterte Trump im August 2012. 

In seinem Rechtsstreit half ihm das alles nichts: Ein britisches Gericht wies seine Klage im Dezember zum dritten Mal ab. Trump hatte argumentiert, die schottische Regierung habe dem Energiekonzern Vattenfall den Bau der Anlage illegal genehmigt. Inzwischen haben Ingenieure angefangen, den Meeresboden in der Aberdeen Bay auszumessen, die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich in zwei Jahren. 

Allerdings zeigte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa im November, dass er bei seiner Meinung zu Windenergie durchaus flexibel ist: Als ihn eine Frau, deren Mann für einen lokalen Windradhersteller arbeitet, fragte, ob er Subventionen für die Industrie unterstütze, bejahte er dies. 

Jutta Maier
Keywords:
USA | Windmarkt | Donald Trump | Hillary Clinton | US-Präsidentschaftswahl | Rhode Island
Ressorts:
Governance

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