Nordamerika
27.10.2016

Clinton will das Supernetz

Foto: Flickr / NASA, GSFC
Zumindest im Stromnetz keine vereinigten Staaten: die USA bei Nacht.

Die Vereinigten Staaten handeln Strom bislang nur in kleinen Mengen und regional mit ihren Nachbarn. Der Bau von riesigen neuen Leitungen wäre ökonomisch reizvoll – das findet auch Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

In den Tagen vor der US-Präsidentschaftswahl forciert der republikanische Kandidat Donald Trump eines seiner Lieblingsthemen: den Bau einer Mauer zwischen den USA und Mexiko, für die der Nachbarstaat im Süden bezahlen soll. Seine Kontrahentin Hillary Clinton ist zwar für „offene Grenzen“ – aber nur in Bezug auf elektrischen Strom. Das stellte sie in der dritten TV-Debatte vergangene Woche klar, als ihr Trump eine naive Einwanderungspolitik vorwarf. „Wir handeln mehr Strom mit unseren Nachbarn als mit dem Rest der Welt“, sagte Clinton. „Ich will, dass wir ein grenzüberschreitendes Stromnetz, ein grenzüberschreitendes Energiesystem haben. Das wäre von großem Vorteil für uns.“

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Doch wie realistisch ist ein solches Strom-Szenario? Momentan haben die USA noch nicht einmal eine einheitliche, nationale Energieversorgung. Vielmehr gibt es laut US-Energieministerium drei große Stromnetze: Eastern Interconnection für alle Staaten vom Mittleren Westen bis zum Atlantik, Western Interconnection für die Staaten zwischen dem Pazifik und den Rocky Mountains, und Texas Interconnection, das einen Großteil von Texas abdeckt. Hawaii und Alaska sind dabei noch nicht eingeschlossen.

 

Die 2030er wären ein realistischer Zieltermin

Rein technisch gesehen wäre es möglich, die verschiedenen Netze in ein einziges, internationales Stromnetz umzuwandeln, meint zumindest Christopher Clack, Gründer der Beratungsfirma Vibrant Clean Energy. „Das könnte realistischerweise bis zu den 2030er-Jahren passieren“, sagte Clack im Gespräch mit bizz energy. Voraussetzung dafür seien jedoch Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen zwischen den Staaten, um ein so großes Netz effizient zu machen. Hinzu komme die Gesetzgebung. „Es bräuchte viel Koordination zwischen Bundesstaaten und Regierung, damit der private Sektor einfacher Leitungen bauen und Stromerzeuger auf einen größeren Markt bieten können“, sagte Clack.

Clacks Studien zeigen, dass einem grenzüberschreitenden Ausbau prinzipiell nichts im Wege stehe. Begrenzten, regionalen Stromhandel mit den Nachbarn gibt es bereits. „Der Stromaustausch zwischen den USA und Kanada funktioniert in vielen Regionen bereits sehr gut, mit Mexiko etwas weniger gut.“ Deshalb sieht der Energieexperte „definitiv die Möglichkeit“, die Versorgung – wie von Clinton vorgeschlagen – auch im großen Maßstab über die US-Landesgrenzen hinweg zu vernetzen.

Jutta Maier
Keywords:
USA | Kanada | Mexiko | Stromnetz | Höchstspannung | Hillary Clinton | Donald Trump
Ressorts:

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