Autoindustrie 2017
11.09.2017

Festgefahren mit dem Diesel

Auf dem Geländeparcours der IAA 2015
Foto: IAA

Die deutsche Autoindustrie steckt in der Sackgasse. Sie hält am Diesel fest und schadet damit nicht nur der Gesundheit der Menschen, sondern auch ihrer eigenen Zukunft. Dabei liegen Lösungen für eine emissionsarme Mobilität längst auf dem Tisch.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche hat sich für die Internationale Automobilausstellung (IAA) dieses Jahr viel vorgenommen.  Um seinem Parallelevent in Frankfurt einen hippen Anstrich zu geben, heuerte er die US-amerikanischen Macher der Musik- und Digitalmesse South by Southwest aus Texas an. Die „meConvention“ von Daimler soll mithilfe von Workshops, interaktiven Laboren und Kunst-Installationen zeitgeistige Themen wie „New Leadership“, „New Realities“ oder „New Velocity“ bedienen.

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Auftreten wird dort unter anderen die Futurologin Oona Horx-Strathern, englische Ehefrau von Deutschlands bekanntestem  Zukunftsforscher Matthias Horx. Thema ihres Vortrags in Frankfurt wird die Abkehr „von der Smart City zur Mindful City” sein. Im Interview mit bizz energy drängt die Zukunftsforscherin schon mal auf Sofortmaßnahmen: Deutschland solle nach dem Vorbild Großbritanniens und Frankreichs ein Enddatum für Verbrennungsmotoren festlegen. „Wahrscheinlich erscheint das den Deutschen momentan undenkbar, es ist aber die richtige Strategie”, sagt Horx-Strathern. (Das Interview mit Oona Horx-Strathern lesen Sie im kürzlich erschienenen September-Heft von bizz energy)

Reihenweise Absagen an die IAA

Immerhin findet Kanzlerin Angela Merkel ein Enddatum für Verbrennungsmotoren grundsätzlich richtig, auch wenn sie vorerst kein solches Datum nennt. Angesichts solcher Forderungen wirkt der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) zutiefst verunsichert. Diese ungewohnte Gemütslage wird die vom VDA ausgerichtete Industriemesse IAA widerspiegeln.  Weil ausländische Autobauer, darunter Kaliforniens Elektro-Pionier Tesla, reihenweise ihre Teilnahme absagten, werden die Deutschen in Frankfurt weitgehend unter sich bleiben. „Die Branche verpasst ihre Chance, Emotionen für die Zukunft aufzubauen”, schreibt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen in einer Kolumne für bizz energy. „Die IAA stellt kilometerlang Autos in Reihe auf, die jeder schon kennt.”

Dudenhöffers Berufskollege Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, glaubt zwar, dass die IAA noch Zukunft hat – sie sollte aber konsequent auf Digitalthemen setzen. „Früher haben die Leute auf den Messen die Autos bestaunt und ehrfürchtig über den Lack gestreichelt.“ Heute seien gerade der jüngeren Generation IT-Themen viel wichtiger.  So gehört die Zukunft nach Überzeugung des Wissenschaftlers dem „Connected Car”, bei dem das Fahrzeug mit den mobilen Geräten der Nutzer und der Cloud interagiert.

Bundesregierung auf dem Irrweg

Rauchen schadet den deutschen Autokonzernen. Dieselqualm ist Symbol der Krise, mit der Abgasmanipulationen, Kartellabsprachen und Kungelei verbunden werden. Während Frankreich, Großbritannien, Norwegen, Indien und China sowie einige ausländische Autobauer das Ende des Verbrenners einläuten, halten die deutschen Hersteller hierzulande krampfhaft am Diesel fest. Dabei leistet ihnen die Bundesregierung Schützenhilfe. Selbst die an sich Diesel-kritische Umweltministerin Barabara Hendricks (SPD) will im Wahlkampf nicht an den Steuervorteilen für Diesel-Kraftstoffe rütteln. Das betonte sie ausgerechnet am 23. August, als sie medienwirksam die auf dem Diesel-Gipfel beschlossenen Maßnahmen bewertete.

Klar ist: Fahrverbote in Städten drohen. Die deutschen Hersteller fallen bei der Elektromobilität hinter die ausländische Konkurrenz zurück. Dabei liegen Lösungen auf dem Tisch: Strengere Abgaswerte können mit Hilfe einer Hardware-Nachrüstung eingehalten werden. Eine einheitliche Ladeinfrastruktur für E-Autos ist überfällig. Daimler plant Batteriezellenfertigung in Deutschland. Und bei der Brennstoffzelle hat die deutsche Industrie gar noch Chancen, die globale Technologieführung zu übernehmen.

Zulieferer vor der Zerreißprobe

Rauchen schadet auch den deutschen Zulieferern. Das zeigt eine Analyse von Automobilökonom Dudenhöffer und seinem Mitarbeiter Moritz Luhn exklusiv für bizz energy. Sie nennen Gewinner und Verlierer unter den Zulieferern, die vor einer Zerreißprobe stehen, weil Daimler, BMW und VW den Zwang zum Wandel direkt an sie weitergeben. Zulieferer müssen weiterhin den klassischen Antriebsstrang bedienen und gleichzeitig in Elektromobilität investieren, obwohl sich das nur langsam auszahlt und längst neue Konkurrenz in Form von IT-Unternehmen wie Nvidia und Intel lauert. (Lesen Sie die komplette Zulieferer-Analyse im jüngst erschienenen September-Heft von bizz energy)

Während die IAA um ihren Status zittert, erfreut sich die Automesse in Shanghai steigender Beliebtheit. Dort werden inzwischen die neuen Trends gesetzt. So sorgte der chinesische Hersteller Geely mit der neuen Marke Lynk & Co für Furore, die vor allem online verkauft werden soll und eine digitale Verleih-Funktion für Freunde serienmäßig eingebaut hat. Gleichzeitig trimmen die Chinesen ihre Tochter Volvo radikal auf Elektromobilität; schon von 2019 an will der schwedische Autobauer keine Fahrzeuge ohne E-Motor mehr verkaufen. China ist der Leitmarkt für Elektromobilität, im nächsten Jahr führt Peking eine Mindestabsatz-Quote von 8 Prozent für chinesische Hersteller ein – ob Deutschland davon erstmal ausgenommen wird, ist noch nicht endgültig ausgemacht. 

„Um eine Kernschmelze der deutschen Autoindustrie zu verhindern, sind drastische Schritte von Unternehmen und Politik notwendig“, sagt Auto-Experte Bratzel und fordert die Einführung eines Quotensystems für Null-Emissionsfahrzeuge nach dem Vorbild Kaliforniens. …

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der September-Ausgabe von bizz energy. Unser Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel, bei unserem Abonnentenservice unter bizz-energy@pressup.de oder als E-Paper im iKiosk erhältlich.

 

Jutta Maier
Keywords:
IAA | Diesel | VDA | Autoindustrie | Elektromobilität
Ressorts:
Governance | Markets

Kommentare

das aus für Verbrennungsmotoren halte ich für unsinnig. es ist andererseits unsinnig tonnenweise Akkus spazieren zu führen, we es doch leichtere Energieträger wie z.b. Gas gibt. Und gas kann als synthetisches Gas aus Wasser, Solar und Windstom erzeugt werden was C02 neutral ist. Dazu kommt, das die Infrasruktur für Gas als Energietäger für Automobilität zumindest in Österreich praktiach vollkommen ausgebaut und sofort einsetzbar ist.
Gas könnte generell als Speichermedium für Energie dienen . hier gilt analog, dass das Erdgasnetz in Östrreich sehr gut Ausgebaut ist und sowohl Energie von Solar und Windparks sehr dezentral eingespeist als auch bezogen werden kann. kein Bedarf an Elektroautobahnen 380 kVA Stromnetzen.

Man kann das Thema weiterspinnen und den Energieträger Gas mit Elektroantrieb zu kombinieren.Letzteres erreicht über Energierückgewinnung einen hohen Wirkungsgrad. Mann könnte den Verbrennungsmotor in Fahrzugen ja auch als reines "Stromaggregat für den sonst 100% Elektroantrieb verwenden.
Mein Favorit wäre dann aber eine mikro Gasturbine.
Also mann muss die Enegie ja nicht in schweren Akkus spazierenfahren nur um die ganze Antriebskette elektrisch zu haben,und Ausserdem ist ein Akku ja auch ein auch ein Behälter in dem eine chemische Reaktion die Energie speichert und bei Bedarf durch eine chemische Reaktion wieder erzeugt.
zu Thema Wirkungsgrad ist bekannt das sogenannte Kraft-Wärme Kopplungen den besten Wirkungsgrad erreichen. Ein Fahrzeug ist das in gewisser Weise und zu einem gewissen Grad.

Niemand mächte im Winter in einemkalten Auto Sitzen. Tesla gibt an, dass die Heizung im Auto 20% Der Energie benötigt. natürlich muss diese e-Energie erzeugt werden. Dass erfolgt in einem E-Kraftwerk, mit im besten Fall einer eine Kraft Wärmekopplung. Aber wer braucht die Wärme?
in einem Auto wie vorher beschrieben würde die Abwärme des Stromaggregates die 20 % e-Energie der Heizung übernehmen und man hat im Auto eine Kraftwärmekopplung mit gutem Wirkungsgrad. denn 20% sind, auch wenn es nur für einige Monate ist, nicht wenig!!!!

ich werde mich freuen wenn sie diese Zeilen interessant winden und stehefür FRagen gerne zur Verfühung.

LG,
Kpa

LG, Kpa

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