Coronavirus
13.03.2020

Energiebranche setzt Pandemie-Pläne um

Foto: 50Hertz
Das Transmission Control Centre in Neuenhagen. Von hier aus wird das 50Hertz-Netz gesteuert.

Das Coronavirus hält die Welt in Atem – die Lage ist ernst. Doch zumindest von einer Seite gibt es Entwarnung: Die Energieversorger sehen sich als Betreiber kritischer Infrastruktur gut vorbereitet.

Die Energiewirtschaft setzt in der Corona-Krise Pandemie-Pläne um, auch um Mitarbeiter in Kraftwerken zu schützen - sieht aber derzeit kein Risiko für die Versorgungssicherheit. In Arbeitsbereichen wie Leitstellen und Entstörungsdiensten würden zusätzlich vorsorgliche Maßnahmen ergriffen, teilte der Energieverband BDEW auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Energie- und Wasserwirtschaft verfüge zudem über einen hohen Automatisierungsgrad.

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"Die Energiebranche weiß um ihre Verantwortung als Versorger", sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). "Derzeit sehen die Energieunternehmen kein Risiko für die Versorgungssicherheit. Sie führen regelmäßig Risikobewertungen durch, da sich die Lage national und international als sehr dynamisch abzeichnet." Die Energiewirtschaft habe im Rahmen ihres Krisen- und Notfallmanagements Prozesse aufgesetzt, die regelmäßig getestet, geprüft und evaluiert würden.

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Die Unternehmen vor Ort bewerteten kontinuierlich, welche spezifischen Maßnahmen erforderlich seien. Dazu gehörten Zutrittsbeschränkungen für relevante Gebäudebereiche sowie der Schutz des Schlüsselpersonals, um betriebliche Abläufe innerhalb der Organisation und einen Notbetrieb sicherzustellen. Notwendiges Fachpersonal für den Betrieb sensibler Bereiche werde gegebenenfalls voneinander isoliert. Daneben gebe es Vorkehrungen, dass Personal beim Auftreten eines Verdachtsfalls im Team aus getrennten Räumen arbeiten könne. Außerdem werde der Personaleinsatz nach ausgearbeiteten Notfallschichtplänen geplant.

Stadtwerke sehen sich gewappnet

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Energiebranche die Versorgungssicherheit beteuert. Auch die Stadtwerke sehen sich gewappnet: „Die Energieversorgung ist derzeit weder gefährdet noch beeinträchtigt. Dennoch ergreifen Stadtwerke und Verteilnetzbetreiber vorsorglich geeignete Maßnahmen, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Corona-Virus zu verlangsamen und damit für eine stabile Energieversorgung bei möglichst geringer Gefährdung ihre Mitarbeiter zu sorgen.“, sagte Michael Wübbels, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU).

Dazu gehörten unter anderem die Nutzung von Home-Office, wo es möglich ist, die Vermeidung von Kundenkontakten, der Aufbau von getrennt voneinander agierender Teams sowie die frühzeitige Identifizierung möglicher Engpässe, um die betrieblichen Kernfunktionen auch im Infektionsfall aufrecht zu erhalten.

Übertragungsnetz-Betreiber sind vorbereitet

Auch die Bundesnetzagentur, die darüber wacht, dass die Stromversorgung in Deutschland gesichert bleibt, beruhigt: „Die Betreiber der Übertragungsnetze sind nach unserer Einschätzung bestmöglich vorbereitet“, sagte ein Sprecher. Die vier Betreiber dieser Übertragungsnetze - Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW - sind für die Stabilität der Stromversorgung verantwortlich. Sie sehen sich ebenfalls gewappnet. „Grundsätzlich sind wir in unseren Leitwarten für alle Notlagen gerüstet, weit über die derzeitige Bedrohung durch das Coronavirus hinaus“, versicherten sie.

Alle wichtigen Einheiten seien mehrfach abgesichert, sagte eine Tennet-Sprecherin. So gebe es bei Tennet zwei zentrale Schaltwarten, die sich gegenseitig ersetzen könnten. In den Schaltwarten wird das Netz gesteuert und überwacht. Zu konkreten Vorsorgemaßnahmen äußerten sich die Übertragungsnetzbetreiber zurückhaltend. Für die Beschäftigten in den Leitwarten und andere Teams gebe es besondere Anforderungen insbesondere auch bei der Frage, welche Kontakte nach außen noch möglich seien.

Auch Gas- und Wasserversorgung gilt als sicher

Die Gas- und Wasserversorgung in Deutschland gilt ebenfalls als sicher – auch sie ist Teil der kritischen Infrastruktur: „Durch die grundsätzlichen Vorkehrungsmaßnahmen und Krisenpläne der Versorger ist gewährleistet, dass auch in Situationen wie wir sie aktuell erleben, die Versorgung der Menschen in Deutschland mit Gas und Wasser zuverlässig und vollumfänglich sichergestellt ist“, sagt Gerald Linke, Chef des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). 

Auch hier gebe es für die sogenannten Leitwarte Vorkehrungsmaßnahmen, die eine Aufrechterhaltung der notwendigen Funktionen garantierten. Hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards würden zudem gewährleisten, dass nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand eine Verbreitung des Corona-Virus über die Trinkwasserversorgung ausgeschlossen werden könne, so Linke.

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ck (mit dpa)
Keywords:
Energiebranche | Stromversorgung
Ressorts:
Governance
 

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