Green Finance
16.11.2017

Dänischer Pensionsfonds setzt auf deutsches Kohle-Aus

Foto: Creative Commons/Siegmar S., Startseite: Zonk43
Das Gaskraftwerk Irsching des Energieproduzenten Uniper in Oberbayern

Einer der größten institutionellen Investoren Dänemarks, der Pensionsfonds PKA, investiert in deutsche Windparks. Jetzt interessiert er sich auch für deutsche Gaskraftwerke.

Die Pensionskassernes Administration (PKA) hat Anteile an den Nordsee-Windparks Butendiek und Godewind gekauft und will auch künftig Geld in Offshore-Projekte vor der deutschen Küste stecken. Aber für PKA-Chef Peter Damgaard Jensen tut sich ein weiteres Investitionsfeld auf: Für den Fall, dass die nächste Bundesregierung einen Atomausstieg beschließt, nimmt er jetzt auch deutsche Gaskraftwerke unter die Lupe.

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„Wenn man die Atomkraftwerke abschaltet, die Kohlenutzung reduziert und bei Wind- und Solarenergie zubaut, dann braucht man Gaskraftwerke für Phasen, in denen es nicht genug erneuerbare Energie gibt“, sagt Damgaard Jensen im Gespräch mit dem Magazin bizz energy am Rande des UN-Klimagipfels in Bonn.  PKA sehe eine Fokusverschiebung bei einigen Stromversorgern – weg von Kohle hin zu gasbetriebenen Kraftwerken. „Daraus könnte sich eine gute Gelegenheit für Langfrist-Investoren ergeben.“

Vorsorge für nächste Finanzkrise

PKA verwaltet rund 33 Milliarden Euro für 275.000 Mitglieder, die zu 90 Prozent Frauen und mehrheitlich im Gesundheits- und Sozialsektor Dänemarks beschäftigt sind. Damgaard Jensen ist zugleich Vorsitzender der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) in London. Ihre 147 Mitglieder stehen für 21 Billionen Euro Anlegergeld. IIGCC gehören unter anderem Allianz Global Investors, Deutsche Asset Management, Blackrock, HSBC Global Asset Management und die Kirche von Irland an.

Der dänische Fondschef wundert sich über die Mehrzahl der institutionellen Investoren in Deutschland: „Ich habe den Eindruck, dass sie sehr konservativ sind. Wir als PKA sehen nicht viel von Ihnen im Sektor der erneuerbaren Energien.“ Dabei seien diese für langfristige Investoren ein Stabilitätsgarant in den Büchern, denn sie lieferten gute Erlöse über mindestens 15 bis 20 Jahre und: „Auch, wenn die nächste Finanzkrise zuschlägt – Elektrizität wird immer noch gebraucht.“ (Lesen Sie auch: Versicherer ziehen Investments aus Kohle ab)

Blackrock prüft ökologische Risiken

Doch offenbar gerät unter deutschen Investoren etwas in Bewegung – zumindest nach John McKinleys Beobachtung. Der Direktor für strategisches Produktmanagement beim weltgrößten Finanzinvestor Blackrock stellt bei deutschen Anlegern „steigendes Interesse an umwelt- und sozialverträglicher Unternehmensführung“ fest: „Fast alle unsere Gespräche mit ihnen berühren diese Themen, und die deutschen Banken betreiben eine Menge Research in diesem Sektor“, sagt McKinley im Gespräch mit bizz energy.

McKinley und zahlreiche andere Vertreter internationaler Finanzinvestoren debattieren in diesen Tagen auf dem UN-Klimagipfel über Möglichkeiten, größere Finanzresströme aus dem privaten Sektor in Klimaschutz-Investitionen zu kanalisieren. Dies soll auch Thema des Klimagipfels im Dezember sein, zu dem der französische Präsident Emmanuel Macron nach Paris geladen hat.

Mangel an Transparenz

Ein zentraler Kritikpunkt der Finanzexperten in den Bonner Diskussionsgruppen ist der Mangel an Transparenz: „Unternehmen müssen die Berichterstattung über ihre Klimarisiken verbessern, und Investoren sollten sie dazu ermutigen“, fordert beispielsweise Roelfien Kuijpers, Mitglied der Geschäftsführung von Deutsche Asset Management.

Blackrock entwickelt laut McKinley eine Datenbank für die Analyse ökologischer und sozialer Risiken von Investments. Und die Rating-Agentur Standard & Poor’s erklärt in einer Bonner Expertenrunde, sie messe, wie sich Klimarisiken auf die Kreditwürdigkeit von Unternehmen auswirken.

Lesen Sie auch: Klimaschutz eröffnet riesige Investment-Chancen

Christian Schaudwet
Keywords:
Green Finance | Kohleausstieg | Finanzinvestoren
Ressorts:
Finance | Governance

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