Klimaschutz
05.09.2016

DAX-Konzerne ignorieren Zwei-Grad-Ziel

Foto: Adidas
Adidas ist einer von wenigen DAX-Konzernen, der ein wissenschaftsbasiertes Klimaschutzziel anstrebt.

Zum Klimaabkommen von Paris muss auch die Wirtschaft einen Beitrag leisten. Doch nur fünf der 30 größten deutschen Unternehmen haben zugesagt, ausreichende Selbstverpflichtungen zu entwickeln.

 

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Gegenüber Kunden, Investoren und Politikern bekennen sich deutsche Konzerne gerne zum Klimaschutz. Viele setzen sich eigene Ziele zur Reduktion ihrer Treibhausgase und werben damit in regelmäßig erscheinenden Nachhaltigkeitsberichten. Ein Report der Hannoveraner Beratungsgesellschaft Imug zieht nun aber eine ernüchternde Bilanz: „Bei einem Großteil der DAX-30-Unternehmen bleibt aktuell intransparent, wie sie zu ihren Klimazielen kommen.“

Solange die Politik keine Vorgaben macht, setzen sich Unternehmen Klimaschutzziele nach Belieben. Ein Fünftel der im Aktienindex DAX notierten Konzerne hat der Imug-Analyse zufolge nicht einmal ein Jahr angegeben, bis zu dem sie ihre selbst gesteckten Ziele erreichen wollen. Bei jedem Zehnten war das Zieljahr bereits überschritten.

Ob die Selbstverpflichtungen ausreichen, das 1,5- beziehungsweise 2-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik einzuhalten, bleibt offen. „Wie ambitioniert die Ziele und die erreichten Fortschritte einzuschätzen sind, stellt für Leser eine große Herausforderung dar“, schreibt das Imug.

 

Wissenschaftsbasiert statt beliebig

Inzwischen gibt es allerdings mehrere Initiativen, die Unternehmen vorrechnen, wie viel Treibhausgase sie einsparen müssen, um ihren Beitrag zum Zwei-Grad-Ziel zu leisten. Sie tragen plakative Namen wie „The 3% Solution“ oder „Mars-Methode“. Populär ist derzeit der „Sektorbasierte Dekarbonisierungs-Ansatz“ der Initiative „Science Based Targets“. Dahinter stehen die Umweltschutzorganisationen WWF und World Resources Institute sowie die von den Vereinten Nationen unterstützte Unternehmensvereinigung UN Global Compact und der renommierte Datenanbieter CDP.

„Wissenschaftsbasiert“ heißt im Nachhaltigkeits-Sprech jede Unternehmensstrategie, der eine der Initiativen bescheinigt, im Einklang mit dem Zwei-Grad-Ziel zu sein. Nach der Imug-Studie bekennen sich allerdings nur vier Dax-Konzerne dazu, wissenschaftsbasierte Reduktionsziele zumindest zu entwickeln: der Sportartikel-Fabrikant Adidas, der Hautpflege-Produzent Beiersdorf, die Commerzbank und ausgerechnet der Luxusauto-Hersteller Daimler.

 

Noch gibt es nur Absichtserklärungen

Auf der Website der Science-Based-Targets-Initiative wird auch noch der Handelskonzern Metro als „Committed Company“ genannt. Unternehmen aus dieser Kategorie hätten noch kein Ziel, das mit dem 2-Grad-Ansatz in Einklang ist, sie hätten aber zugesagt, sich eines zu setzen und entwickelten gerade eine Strategie, erklärt eine Sprecherin der Initiative. Unter den Konzernen mit „überprüften“ CO2-Zielen führt „Science Based Targets“ derzeit kein DAX-Unternehmen.

In den letzten ein bis zwei Jahren ist das Interesse an wissenschaftsbasierten Ansätzen nach Beobachtungen von Imug allerdings bereits gestiegen. „Dazu hat die Klimakonferenz in Paris einen erheblichen Teil beigetragen“, berichtet der Berater Nils Tiemann.

Je konkreter es mit dem Klimaschutz wird, desto stärker sind allerdings immer noch die Vorbehalte. Der Wirtschaftsrat der CDU nannte den Klimaschutzplan 2050 des Bundesumweltministeriums erst vor wenigen Wochen einen „Horrorkatalog für die Wirtschaft“. Darin fordert Ressortchefin Barbara Hendricks (SPD) beispielsweise, dass ab 2030 kaum noch Neuwagen mit fossilen Brennstoffen verkauft werden dürfen.

Manuel Berkel
Keywords:
Adidas | Commerzbank | Daimler | Beiersdorf | Metro | Klimaschutz | WRI | WWF | CDP | UN Global Compact | Science-based targets
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