Photovoltaik
26.09.2017

US-Solarindustrie warnt vor Importzöllen

Foto: Solarworld
Solarworld-Niederlassung in Hillsboro, Oregon

Nutzen oder schaden Sanktionen von Solar-Importen der amerikanischen Industrie? US-Präsident Donald Trump wird über die umstrittene Petition von Suniva und Solarworld entscheiden.

In der deutschen Solarbranche machte sich die mittlerweile insolvente Solarworld AG mit ihrer Anti-Dumping-Initiative EU ProSun seinerzeit viele Feinde. Ein großer Teil der Industrie war und ist der Ansicht, dass die Schutzzölle auf chinesische Billig-Module der europäischen Industrie nicht genutzt, sondern geschadet haben. Aus Sicht der Solar Alliance for Europe (Safe), die für knapp 50 Solar- und Stromanbieter steht, ist die Ursache für den Niedergang der deutschen Solarindustrie in strukturellen Defiziten zu suchen, nicht in vermeintlichem Dumping.

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Nun bahnt sich ein ähnliches Szenario jenseits des großen Teichs in den USA an. Die dortige Handelskommission ITC hat am Freitag entschieden, dass Billig-Importe der amerikanischen Solarwirtschaft erheblichen Schaden zugefügt haben. Eine entsprechende Petition hatte der Modulhersteller Suniva im Mai dieses Jahres, kurz nach seiner Insolvenz, eingereicht. Der US-Arm von Solarworld unterstützte die Petition. Die Begründung erinnert an die Argumentation in Deutschland: Die „massive Überproduktion“ von chinesischen Zellen und Modulen habe zu „der Beinahe-Zerstörung der verbliebenen Solarhersteller in Amerika“ geführt. Solarworld Americas operiert nach Angaben von Frank Asbeck eigenständig von der neuen Solarworld Industries, die der CEO des Pleite-Unternehmens aus Teilen der Insolvenzmasse seiner alten Firma Solarworld AG gegründet hatte.

Trump hat das letzte Wort

Suniva und Solarworld Americas fordern Schutzzölle von 40 Cent pro Watt auf importierte Zellen und einen Mindestpreis von 78 Cent pro Watt auf Module. Der Fall wird auf dem Schreibtisch von Donald Trump landen. Bis Mitte November hat die Handelskommission Zeit, um dem US-Präsidenten entsprechende Vorschläge zu machen. Dann liegt die Entscheidung bei Trump – allerdings ist zu erwarten, dass sich der „America First“-Präsident für Handelsrestriktionen gegen ausländische Importe entscheiden wird.

Die US-Hersteller sind in der Frage gespalten. Während die Hersteller von Solarmodulen die Petition unterstützen, fürchten die Installateure, dass Importzölle die Kosten für Solarenergie in die Höhe treiben und dadurch den Boom der vergangenen Jahre ernsthaft gefährden würden. Letzterer wurde vor allem durch billige, chinesische Solarzellen-Importe getrieben: Die Preise für die Erzeugung sind seit 2010 um etwa 70 Prozent gefallen, während die Installationsraten im zweitstellig stiegen.

Viele Solarinstallateure sind der Ansicht, dass Missmanagement und schwache Produkte Suniva in finanzielle Schieflage gebracht haben, nicht die ausländischen Importe. Der Branchenverband Solar Energy Industries Association (SEIA) warnt, dass die „unüberlegte“ Petition von Suniva und Solarworld die Preise für Sonnenenergie verdoppeln könnte, 88.000 Arbeitsplätze wären bedroht. Auch eine Studie des US-Analysehaus IHS Markit zeichnet ein düsteres Szenario: Wenn die Strafzölle auf Importe kommen sollten, könnte die Nachfrage nach US-Photovoltaik innerhalb der nächsten drei Jahre um 60 Prozent nachlassen. Die amerikanischen Solarhersteller hingegen geben an, dass sie bei einer Einführung von Importzöllen an die 115.000 neue Arbeitsplätze schaffen könnten.

Jutta Maier
Keywords:
Photovoltaik | USA | Solarenergie | Solarworld | Suniva | Zölle | Donald Trump
Ressorts:
Governance | Markets

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