Habitat III
19.10.2016

Deutschlands zwei Mobilitäts-Gesichter

Foto: YiuCheung / iStock.com
Die Städte der Welt stehen vor der Wahl: Wie soll der Verkehr der Zukunft aussehen?

Die Bundesrepublik wirbt auf der UN-Städtekonferenz in Ecuador mit ihrer Verkehrsexpertise und trotzt dem Image als Autoland mit Dieselfetisch.

Seit Montag tagen die UN-Mitgliedstaaten und ihre zivilgesellschaftlichen Partner in Ecuadors Hauptstadt Quito zum Thema Städte. Am Donnerstag endet die Konferenz Habitat III mit der Verabschiedung ihres Abschlussdokuments, der New Urban Agenda (NUA). Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist Teil der deutschen Delegation und hat den Verkehr der Zukunft zu seinem zentralen Beitragsthema gemacht. Im deutschen Austellungs-Pavillon der Konferenz stellte sein Team die Initiative für transformative urbane Mobilität (TUMI) vor. Die Idee: Deutsche Experten sollen Entwicklungsländern bei der Verkehrswende helfen.

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Die Initiative traf auf viel positives Interesse, berichtet Oliver Lah vom Wuppertal Institut gegenüber bizz energy. Lah stellt in Quito das Projekt Solutions vor, worin sein Institut sich ebenfalls dem urbanen Verkehr widmet. Der Ruf der Bundesrepublik zu Zeiten von Dieselgate erscheint ihm jedoch ambivalent: Was das Thema Mobilität betreffe, habe Deutschland zwei Gesichter, sagt er. Auf der einen Seite könne es teils vorbildliche Stadtplanungen und Infrastrukturen des Öffentlichen Verkehrs vorweisen. „Andererseits haben wir eine politisch einflussreiche Fahrzeugindustrie, die erst jetzt die Wende weg von den konventionellen Antriebsarten beginnt. Das wird auch von außerhalb deutlich wahrgenommen“, meint Lah.

 

Diktat der Verbrenner

Mit dem Projekt Solutions bringt Lah internationale Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammen, um Kenntnisse zu bündeln und zu verbreiten, und um innovative Projektpartnerschaften im Bereich urbaner Mobilität zu starten. Lah und seine Verbündeten wollen so helfen, den globalen Stadtverkehr ökologischer und sozial gerechter zu machen und das Diktat des spritverbrennenden Individualverkehrs zu beenden.

Auf der Städtekonferenz in Quito ist Verkehr nur ein Thema von vielen. Die wachsenden Städte der Welt stehen an vielen Fronten vor enormen Herausforderungen: Armut, Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Hygiene, Versorgung mit Lebensmitteln und Energie. Die Landflucht ist international ungebrochen. 2050 werden schätzungsweise bereits zwei Drittel der sich bis dahin verdoppelnden Weltbevölkerung in Städten wohnen. Megacities wie Kairo stehen in manchen Vierteln schon heute kurz vor dem Kollaps. Dennoch sind für Lah Städtebau und Stadtgestaltung überhaupt nicht von Mobilitätsfragen zu trennen: „Das isolierte Betrachten solcher Sektoren macht keinen Sinn. Wie bei der deutschen Energiewende zu sehen ist, die bisher zu einseitig angegangen wurde.“

Tim Lüdtke
Keywords:
Habitat III | Vereinte Nationen | UN | United Nations | Quito | Ecuador | Gerd Müller | Oliver Lah | Wuppertal Institut für Klima | Umwelt und Energie | Verkehrswende | TUMI
Ressorts:
Governance

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