Matthias Wissmann
12.09.2017

Die Blässe des Cheflobbyisten

Foto: Flickr/Stephan Röhl
Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA)

Ein Jahrzehnt war Matthias Wissmann mächtigster Interessenvertreter Deutschlands. Dieselgate ist für den VDA-Chef auch zum persönlichen PR-Desaster geworden. Über den Nachfolger wird bereits spekuliert. Ein Porträt.

Normalerweise präsentiert sich Matthias Wissmann gerne in dezenter Sommerbräune. Doch an diesem Tag schimmert fahle Blässe unter der Haut des Präsidenten, der den Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) und damit den Ausrichter der Automesse IAA seit einem Jahrzehnt führt.

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Verursacht wird die plötzliche Blässe an diesem Julitag durch Barbara Hendricks. Die Bundesumweltministerin erklärt ihm und den daneben sitzenden Autobossen, sie vermisse beim Blick auf das magere Ergebnis des Diesel-Gipfels die angemessene „Demut“.  Die Autoindustrie habe noch immer nicht begriffen, dass sie ihr Vertrauen verspielt habe.

Drohende Fahrverbote

Wissmann war da schon klar, dass kostenlose Software-Updates für Diesel-Modelle die Luftvergiftung und drohende Fahrverbote ab Januar nicht verhindern werden. Hendricks legte prompt nach: „Ich kann nicht ausschließen, dass es durch Gerichte zu Fahrverboten kommt.“ Und sie warnte: „Die Konzerne können sich nicht freikaufen.“ (Lesen Sie auch den Kommentar des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer: „Die Bundesumweltministerin weiß es besser“)

Wissmann hat in dieser Sekunde bereits geahnt, welch verächtliches Medienecho ihn am nächsten Tag noch erwarten würde. Vom „stinkfaulen Diesel-Gipfel“ war da die Rede, er und die Autobosse wurden als „Papp-Kameraden“ tituliert. Als „Marionetten-Show“ brandmarkte die Deutsche Umwelthilfe den Gipfel.

„Deutschlands mächtigster Lobbyist"

Und so steht Wissmann jetzt vor der kniffligsten Aufgabe seines Berufslebens. Ein solches Negativszenario konnte sich der erfolgsverwöhnte Träger des Bundesverdienstkreuzes wohl nicht mal im Traum ausmalen, als er 2007 beim VDA anheuerte. Damals sagte er zum Autor dieses Porträts: „Deutschlands mächtigster Lobbyist scheint mir keine präzise Beschreibung der neuen Aufgabe zu sein. Aber ich schultere sie gerne.“ Die deutsche Autoindustrie, ergänzte er, sei die „wichtigste deutsche Industrie“ und müsse „an der Schnittstelle zur Politik mit den größten Herausforderungen leben“.

Die konnte Wissmann bisher stets meistern. Er hat das Ohr, das Wohlwollen und die Handynummer der Kanzlerin. Er duzt sich mit Angela Merkel, seit er mit ihr zusammen im Kabinett Kohl saß. Er pflegte später beste Beziehungen zum „Autokanzler“ Schröder.  Auch Wissmanns Mitstreiter sind exzellent verdrahtet. Michael Jansen etwa, der bis 2009 das Büro der CDU-Chefin Merkel organisierte, leitet das VW-Hauptstadtbüro in Berlin.  Der von dort aus als „VW-Generalbevollmächtigter für Regierungsbeziehungen“ agierende Thomas Steg kennt als langjähriger Regierungssprecher ebenfalls die politischen Abläufe sehr genau.

Intervention im Kanzleramt

Für Daimler antichambriert in Berlin Eckart von Klaeden, bis 2013 Staatsminister im Kanzleramt. Er intervenierte persönlich im Kanzleramt gegen schärfere Regeln für Abgastests – mit Erfolg. Der Münchner Autobauer BMW schließlich setzt in Berlin auf Lobbyistin Nicola Brüning, die über glänzende Beziehungen zur CSU verfügt.

Im Kanzleramt wirbt Wissmann auch höchstpersönlich für einen möglichst lückenhaften Kontroll-Kurs. Ein echter Coup gelang ihm 2011, als in Brüssel an einer EU-Richtlinie gebastelt wurde, mit der die Hersteller den CO2-Ausstoß ihrer Fahrzeuge bis 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer reduzieren sollten. Nach Wissmanns Intervention im Kanzleramt wurde die EU-Richtlinie systematisch verwässert. Heute dürfen große Limousinen mehr CO2 ausstoßen als kleine Autos. Akten aus dem Bundeswirtschaftsministerium zeigen, dass ganze Passagen des neuen Gesetzes damals von Lobbyisten geschrieben wurden.

Im Selbstbewusstsein getroffen

Dass ihm jetzt sogar die selten polemische FAZ unter der Überschrift „Ahnungsloser Autolobbyist“ vorhält, er mache im Amt „derzeit keine gute Figur“, trifft Wissmann heftig in seinem Selbstbewusstsein, das er sich im Laufe seiner Karriere zugelegt hat. In der Politik ging es für den 68 Jahre alten Juristen meist nach oben. …

Das vollständige Porträt lesen Sie in der September-Ausgabe von bizz energy. Unser Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel, bei unserem Abonnentenservice unter bizz-energy@pressup.de oder als E-Paper im iKiosk erhältlich.

Hans Peter Schütz
Keywords:
Matthias Wissmann | IAA | Diesel-Gipfel | Lobbyist | VDA | Dieselgate
Ressorts:
Governance | Markets

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