Steuervergünstigung für Diesel
23.08.2017

„Die Bundesumweltministerin weiß es besser“

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks
Foto: Creative Commons/Jakob Gottfried

Barbara Hendricks sträubt sich weiter gegen ein Ende des Steuerprivilegs für Diesel. Unser Kolumnist Ferdinand Dudenhöffer geht deshalb hart mit ihr ins Gericht.

Fahrverbote für Diesel-Pkw in deutschen Großstädten sind nahezu unausweichlich. Das haben das jüngste Gutachten des Umweltbundesamtes und die Pressekonferenz von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks am gestrigen Mittwoch verdeutlicht.

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Was folgt daraus? In den kommenden Monaten werden die Verkäufe von Diesel-Pkw in Deutschland ihren rapiden Rückgang fortsetzen. Mehr als 95 Prozent aller derzeit angebotenen neuen Euro 6 Diesel-Pkw bergen das Risiko, dass sie ebenfalls von solchen Fahrverboten betroffen sein werden. Damit gehen auch die Restwerte der neueren Gebrauchtwagen mit Euro 6 Diesel tiefer in den Keller. Die Autoindustrie muss dringend umsteuern, um aus dem Diesel-Schlamassel heraus zu kommen.

Die Konzerne Daimler, BMW und VW halten allerdings krampfhaft am Diesel fest und werden dabei auch noch von der Bundesregierung unterstützt. Das Streichen der Diesel-Steuervorteile hätte eine große positive Wirkung und ist längst überfällig. Doch das kommt laut Hendricks nicht in Frage, wie sie gestern im Interview mit dem ARD/ZDF-Morgenmagazin betont hat: Die Diesel-Subventionen sollen bleiben.
 
Die Bundesumweltministerin weiß es besser. Im Oktober 2016 hatte sie auf einer Veranstaltung unseres CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen coram publico verkündet, dass die Diesel-Steuervorteile in der kommenden Legislaturperiode auf den Kabinettstisch kommen werden. Dass sie im Moma-Interview das Gegenteil suggeriert hat, ist dem Wahlkampf geschuldet. Aber es ist trotzdem ärgerlich.

In Deutschland wird der Diesel mit 18 Cent weniger besteuert als Benzin. In den Vereinigten Staaten, in der Schweiz oder England gibt es solche Subventionen nicht. In Frankreich sollen sie laut Umweltminister Hublot 2018 abgeschafft werden. Für Diesel gelten in den USA gleiche Steuersätze – und übrigens auch gleiche Stickoxid-Grenzwerte – wie für Ottokraftstoffe. Das ist fair.

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Keywords:
Ferdinand Dudenhöffer | Barbara Hendricks | Biodiesel | Steuerprivileg | Dieselgate
Ressorts:
Governance

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