Interview
26.01.2017

"Die Digitalisierung ist die DNA unseres Geschäftsmodells"

Foto: Sonnen
Sonnen-Geschäftsführer Philipp Schröder.

Sonnen-Geschäftsführer Philipp Schröder, bis Herbst 2015 Tesla-Vertriebschef in Deutschland, über die Sharing Econonmy, Elektromobilität und Digitalisierung.

bizz energy: Was bringt 2017 für die Energiewirtschaft?

Anzeige*

Philipp Schröder: 2017 wird zeigen, wer tatsächlich halten kann, was er versprochen hat. Viele Akteure, darunter die großen deutschen Energieversorger, haben sich in den vergangenen Jahren dafür entschieden, den Weg der Energiewende und der Digitalisierung mitzugehen. Bislang waren die etablierten Versorger mit ihrer Neuaufstellung beschäftigt, jetzt müssen sie liefern. 2017 wird also ein Jahr der Zahlen.

Was bedeutet die Digitalisierung für Sonnen?

Die Digitalisierung ist die DNA unseres Geschäftsmodells. Wir bilanzieren jede Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach einzeln. Jeder Erzeuger wird also behandelt wie ein Großkraftwerk. Unsere dezentralen Einheiten liefern uns ein Sammelsurium an Daten, die dann ausgewertet werden. Zudem sind wir   jetzt auch im Regelenergiemarkt tätig. Das erfordert einen Datentransfer innerhalb von Sekunden.

Und was bedeutet Digitalisierung für Ihre Kunden?

Neben der Erzeugung haben wir auch die Kommunikation mit dem Kunden komplett digitalisiert: Von der Bestellung des Batteriespeichers bis hin zum Eintritt in die Sonnen-Community wickelt der PV-Anlagenbesitzer alles über unsere Website ab.

Was haben Sie damit den etablierten Versorgern voraus?

Wir verarbeiten jeden Tag digitale Daten. Das ist bei den etablierten Versorgern anders. Die arbeiten mit Standardlasten, die sie nur einmal jährlich ablesen. Digitalisierung bedeutet in ihrem Fall, den analogen Zähler durch einen digitalen zu ersetzen. Wirtschaftlich hat das keinen Mehrwert. Zwar ist die Digitalisierung zweifellos ein viel diskutiertes Thema in der Branche – für die herkömmlichen Geschäftsmodelle hat sie aber keine Relevanz.

Woher kommt die Community-Idee bei Sonnen?

Die Gründer und ich sind überzeugt, durch Aggregation einen Mehrwert zu erhalten. Das ist die Idee hinter der Sharing economy, wie sie Unternehmen wie Airbnb, Uber und Co umsetzen. Warum also nicht auch Strom teilen? Andernfalls bleiben die Grenzkosten zu hoch. Um den eigenen Strombedarf zu decken, benötigt ein Haushalt seinen Batteriespeicher nur etwa sieben Stunden am Tag. Die restlichen 17 Stunden bleibt er ungenutzt. In der Zeit kann ich den Speicher auch der Community zur Verfügung stellen. Genau das ist der Hebel, mit dem die Erneuerbaren allen zugänglich gemacht werden können.

Sie selbst haben schon einmal ein Start-up gegründet, sind dann aber gescheitert. Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Ich habe gelernt, Fehler zu machen. Nur das bringt einen Gründer voran. Wer disruptiv unterwegs sein will, muss einplanen, dass er Fehler macht, und zwar möglichst viele, möglichst schnell. Das ist notwendig, um sich in einem neuen Geschäftsfeld zu orientieren. Ein disruptives Start-up bewegt sich in einem Marktsegment, dass es noch nicht gibt. Das heißt: Weder der Kunde noch ein Wettbewerber haben technische Standards oder Preise festgelegt. Solche Erfahrungen habe ich auch aus meiner Zeit bei Tesla mitgenommen.

Apropos Tesla: Was haben Sie sich von Elektroauto-Pionier Elon Musk sonst noch abgeguckt?

Wer neue Geschäftsmodelle aufsetzt, muss diese rigoros umsetzen. Die Produkte und Leistungen müssen so schnell wie möglich ins Feld. Denn nur der Markt gibt die nötige Resonanz. Kurzum: Wer eine Idee hat, sollte nicht rumsitzen und quatschen, sondern sofort rausgehen. Genau das habe ich bei Tesla auch umgesetzt – und das bringe ich bei Sonnen jetzt genauso voran

Sehen Sie Synergien zwischen Autobatterien und Hausspeichern?

Kurzfristig: nein. Es wird weiterhin ein Nebeneinander von Hausspeichern und E-Auto-Speichern geben. Dafür gibt es drei Gründe.

Erstens: Das Elektroauto steht während der Stromproduktion tagsüber meist nicht in der Garage – die Autobatterie fällt dann als Speicher aus. Zweitens müsste die Autobatterie bidirektional sein, also sowohl laden als auch entladen können. Das ist bei den meisten Modellen heute noch nicht der Fall. Drittens ist ein E-Auto-Akku auf eine hohe Energiedichte und ein geringes Gewicht ausgelegt – für eine möglichst hohe Reichweite. Das bringt technische Unterschiede mit sich.

Welche?

Die Batterietypen unterscheiden sich zum Beispiel bei der Anzahl der Lade- und Entladezyklen. Ein durchschnittlicher Elektroauto-Akku hat davon etwa 2.000. Bei einer Reichweite von 500 km kann ein Auto damit, insgesamt 100.000 Kilometer fahren. Für einen Energiespeicher, der auch noch Netzdienstleistungen erbringt, ist das allerdings viel zu wenig. Dieser käme damit nur auf knapp sechs Jahre Lebensdauer. Ein anderes Problem: Eine Fünf-Kilowatt-PV-Anlage bräuchte wiederum fast einen ganzen Tag, um einen Tesla mit einer Kapazität von 85 Kilowattstunden zu laden.

Trotzdem bin ich zuversichtlich: Langfristig werden die beiden Bereiche immer enger zusammenrücken.

Ist die Elektromobilität auch ein Thema bei Sonnen?

Wir haben einen anderen Fokus. Wir wollen Millionen von Menschen in einem Netzwerk mit saisonal produzierten Energien bündeln. Wir wollen den Beweis erbringen, dass 100 Prozent erneuerbare mit relativ wenig Grundlast möglich sind.

Wann erwarten Sie den „Tipping Point“?

Schon heute versorgen wir 60.000 Personen mit Strom. Diesen stellen wir mit einem virtuellen Kraftwerk bereit, das aus Erneuerbaren besteht. Für die nötige Flexibilität stehen uns 16.000 Batteriespeicher zur Verfügung. Der flächendeckende Durchbruch kommt in Deutschland sicherlich dann, wenn die 1,6 Millionen PV-Anlagen aus dem EEG-fallen. Dann werden deren Besitzer automatisch zum Speicher greifen, weil sie vom Staat kein Geld mehr bekommen.

Wenn sie einen Wunsch bei Noch-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) frei hätten – welcher wäre das?

Ich würde mir wünschen, dass der gesetzliche Rahmen festgezurrt wird und stabil bleibt. Wir brauchen keine Subventionen. Der Speicher muss einen Mehrwert bringen, sonst hat er keine Daseinsberechtigung. Und diesen Mehrwert können wir bringen. Eine unsinnige Regelung ist allerdings, dass die Batterien, die nur zwischenspeichern, immer noch als Letztverbraucher gelten und deshalb zusätzliche Abgaben zahlen. Das ist wirtschaftlich nicht logisch und wir hoffen, dass sich das bald ändert.

Zum Schluss ein Blick in die USA: Was bedeutet die Wahl von Donald Trump für die US-Strategie von Sonnen?

Dass wir unsicheren Zeiten entgegenblicken. Was in den kommenden Monaten passiert, ist nicht vorhersehbar. Grundsätzlich glaube ich: Die Wahl von Trump ist ein falsches Signal. Die gute Nachricht ist, dass in den USA die Bundesstaaten die Energiepolitik betreiben. Es gibt also 50 Energiemärkte mit eigenen Regularien. Auf nationalem Level sind die für uns relevanten Staaten wie Kalifornien weiter stabil und bleiben bei ihrer Strategie. Also: ein gemischter Ausblick.

Interview: Jana Kugoth
Keywords:
sonnen | Tesla | Batteriespeicher | Elektromobilität | Photovoltaik | Digitalisierung
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy Sommer 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports.


Aktuelle Angebote:
» Jetzt anmelden zur 3. Runde unserer Ausschreibungssimulation Wind Onshore
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore


MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen