Exklusiv-Interview
31.05.2017

"Die USA ticken anders als wir"

Foto: Ecosummit
Start-Unternehmer Felix Zhang auf dem Ecosummit in Berlin

Felix Zhang, Geschäftsführer des chinesischen Smart-Energy-Unternehmens Envision, über Gründerkultur im Reich der Mitte, Donald Trump und die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen.

bizz energy: Kopiert China gerade das Silicon Valley?

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Felix Zhang: Das müssen wir nicht, denn in China haben wir bereits mehrere Hightech-Zentren, die mit dem kalifornischen Silicon Valley vergleichbar sind. Shenzen in der Provinz Guandong zum Beispiel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einem Fischerdorf zu einer der bedeutendsten Großstädte Chinas entwickelt.

Was ist an Shenzen so besonders?

Es gibt eine tolle Gründerkultur, die von Behörden unterstützt wird: Innerhalb von nur drei Tagen können Sie eine Hightech-Firma etwa aus dem Smart Home Bereich gründen. Diese Boomtown mit enormen Produktionskapazitäten und einem großen Pool an gut ausgebildeten Talenten ist das weltweite Zentrum der Hardware-Entwicklung – während das Silicon Valley aus meiner Sicht das weltweite Zentrum für IT-Lösungen ist. Wohlgemerkt: Shenzen ist auch der Sitz des größten chinesischen Internetkonzerns Tencent, der 1998 mit Hilfe von US-Venture Capital gegründet wurde und heute eine Börsenkapitalisierung von mehr als 250 Milliarden US-Dollar besitzt.

Gibt es auch eine Risikokapitalkultur wie im Silicon Valley?

Unbedingt. Nach offiziellen Statistiken schließt China mittlerweile sogar zum Silicon Valley auf. Nirgendwo wurde außerhalb der USA so viel Venture Capital investiert wie in China. Mein eigenes Unternehmen Envision, das als Windpark-Projektierer startete, ist inzwischen weltweit auch als Risikokapitalgeber aktiv.

Wieviel Venture Capital investiert Envision?

In den nächsten Jahren planen wir, bis zu einer Milliarde Euro zu investieren. Zum Vergleich: Unser Umsatz 2016 betrug rund zwei Milliarden Dollar, dieses Jahr liegt das Ziel bei mindestens drei Milliarden Dollar. Wir sind zum Beispiel seit 2016 größter Aktionär des Speicherherstellers Sonnen. Und wir betreiben zwei Büros im Silicon Valley; ich selbst verbringe dort jeden Monat fünf Tage, immer auch auf der Suche nach spannenden Start-ups, in die wir investieren können.

Wie entwickeln sich die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen ?

Deutschlands Ingenieurskunst und Chinas Handelskultur ergänzen sich hervorragend. Wir Chinesen haben Unternehmertum im Blut. Die Beziehung unserer beiden Länder wird künftig sicher noch intensiver, weil die USA unter Präsident Donald Trump eher auf Abschottung setzen und daher als Handelspartner für China an Bedeutung verlieren dürften. Wir sind sehr bemüht, dass sich deutsche Unternehmen bei uns wohl fühlen. Die USA ticken da scheinbar anders.

 

Zur Person:

Felix Zhang ist Executive Director von Envison; das Smart-Energy-Unternehmen hatte er 2005 selbst mitgegründet. Zhang wuchs in China nahe der Grenze zu Tibet auf. Er studierte in den USA Mathematik an der University of Wisconsin und absolvierte einen MBA an der University of Minnesota. Er arbeitete als Aktienanalyst bei Morgan Stanley in London und verantwortete danach die Sparte Alternative Investments bei der BCP Bank in London.

Interview: Joachim Müller-Soares
Keywords:
China | Silicon Valley | Gründerkultur | Shenzen | Venture Capital
Ressorts:
Finance | Governance | Markets

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