Globale Trends
12.04.2017

Digitalisierung schlägt Effizienz

Foto: istockphoto.com / chombosan
Durch die Digitalisierung werden Daten aus verschiedensten Geräten zugänglich.

Cyber-Risiken und Stromspeicher gehören 2017 zu den wichtigsten Themen für Führungskräfte in der globalen Energiewirtschaft. Effizienz ist dagegen aus den aktuellen Top-Ten einer jährlichen Umfrage des Weltenergierats herausgefallen.

Ob Fernsteuerungen für Windräder oder digitale Messeinrichtungen in den Stromnetzen – Informations- und Kommunikationstechnologie durchdringt die Energiewelt immer stärker. Mit dem Grad der Digitalisierung steigt aber auch die Gefahr durch Hackerangriffe. Cyber-Bedrohungen schafften es deshalb in diesem Jahr erstmals in die Top Ten einer jährlichen Umfrage des Weltenergierats. Das zeigt eine Sonderauswertung, die bizz energy vorliegt.

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„Durch Cyber-Attacken wachsen ganz neue Klassen von Risiken heran, das Thema Versorgungssicherheit müssen wir daher ganz neu denken“, warnt Carsten Rolle, Geschäftsführer des Weltenergierats in Deutschland. „Wie unser Themenmonitor zeigt, sind Cyber-Bedrohungen auf der Agenda für Energieentscheider angekommen.“ Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die Bedeutung dieser Bedrohung erkannt und Ende März Musterbedingungen für Cyber-Versicherungen veröffentlicht.

Der Weltenergierat, ein globales Netzwerk von überwiegend großen Versorgern, hat 1.200 Führungskräfte und andere Experten aus 95 Staaten nach den wichtigsten Themen für die Energiewirtschaft befragt. Auf den ersten beiden Rängen landeten wie im Vorjahr Unsicherheiten über die Preisentwicklung von Kohle und Gas sowie das Wirtschaftswachstum.

Digitalisierung in Deutschland wichtiger als in Nordamerika

Cyber-Bedrohungen schafften es weltweit immerhin auf Rang sechs der Top-Themen. Besonders ausgeprägt waren die Befürchtungen in Großbritannien, Japan und Singapur. Dort werden Cyber-Bedrohungen bereits als eins der Hauptrisiken für die Versorgungssicherheit eingestuft, schreibt der Weltenergierat.

Erstmals in den weltweiten Top Ten findet sich auch die Digitalisierung – auf Platz zehn. In Deutschland rangiert das Thema in der Wahrnehmung von Entscheidern sogar ganz oben, während es überraschenderweise für die Energiewirtschaft in der Region Nordamerika kaum eine Rolle spielt. „Die Märkte dort sind sehr heterogen“, erklärt Rolle. Kalifornien und New York seien sicher Hotspots der Digitalisierung. Insgesamt hält der Funktionär, der auch die Energieabteilung beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) leitet, die USA bei der Digitalisierung der Energiewirtschaft beispielsweise mit digitalen Stromzählern aber keineswegs für führend. „Es gibt zwar einen hohen Roll-out von Smart Metern. Aber sie werden vielfach nur für Abrechnungszwecke genutzt. Das bleibt oft noch weit hinter dem Potenzial smarter Anwendungen zurück“, berichtet Rolle von früheren Reisen in die Vereinigten Staaten.

Europäische Versorger bieten mit Smart Metern beispielsweise Beratungsdienstleistungen zu energieeffizienteren Haushaltsgeräten an. In Forschungsprojekten wird versucht, die digitalen Zähler auch für die Sicherheit der Stromnetze zu nutzen.

Wasserstoff gewinnt an Bedeutung

Deutlich an Bedeutung gewonnen hat im globalen Ranking ebenfalls das Thema Stromspeicher, es kletterte in der Wahrnehmung um zwei Plätze auf Rang drei. Wichtigster Treiber war dabei die Rolle von Batterien für Elektroautos. Das Beispiel Neuseeland zeigt allerdings, dass Speichertechnologien besonders auch für Inselstaaten und abgelegene Regionen ganz vorne auf der Agenda rangieren.

Ausgerechnet das wichtige Thema Energieeffizienz, neben Erneuerbaren eine der Säulen der Energiewende, fiel dagegen in diesem Jahr aus den Top Ten. Dabei ist das Thema in der EU hoch aktuell. Ende vergangenen Jahres hat die EU-Kommission ihren Vorschlag für eine Novelle der Energieeffizienz-Richtlinie vorgelegt. Parlament und Rat werden in den kommenden Monaten darüber diskutieren.

Für deutsche Experten steht neben der Digitalisierung auch das Marktdesign für Strom im Zentrum der Debatte. Zumindest ins Mittelfeld der wichtigsten Themen hat sich die Wasserstoffwirtschaft geschoben. Mit Hilfe von Ökostrom gewonnener Wasserstoff kann als klimafreundlicher Kraftstoff für Brennstoffzellen-Autos und als gasförmiger Speicher dienen.

Manuel Berkel
Keywords:
Digitalisierung | Weltenergierat | BDI | USA | Speicher | Wasserstoff | Cybersicherheit | smart Grids
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