Energiewende
01.08.2012

DIW: Staat soll Großbanken ins Boot holen

Ohne privates Kapital ist die Energiewende nicht zu stemmen. Als Gegenleistung für die Bankenrettung soll der Staat Großbanken zur Finanzierung der Ökowende verpflichten, so Experten.

Energieexpertin Claudia Kemfert und Finanzexpertin Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordern in einem aktuellen Papier eine stärkere Einbindung von Banken und Finanzinvestoren bei der Finanzierung der Energiewende – quasi als Gegenleistung für die staatliche Bankenrettung. Private Equity Fonds könnten zudem für eine breitere Risikostreuung sorgen.

Anzeige

Obwohl das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine vergleichsweise hohe Planungssicherheit bietet, gilt die Finanzierung der Energiewende bei potenziellen Investoren als besonders risikoreich. Das trifft insbesondere auf die Finanzierung von Kraftwerkskapazitäten zu. „Die Unsicherheit entsteht jedoch nicht zuletzt durch die permanenten Forderungen von Institutionen und Lobbyverbänden nach Abschaffung des EEG oder Anpassung der Vergütungssätze“, sagte Kemfert.

Anzeige

In jüngster Zeit mehren sich nun die Anzeichen, dass Banken sehr zögerlich Kredite vergeben und die möglichen Risiken in den Vordergrund stellen. Für die mangelnde Finanzierungsbereitschaft wird unterschwellig die Regulierung verantwortlich gemacht. „Aber nur eigenkapitalstarke Banken können die Finanzierungsvolumina stemmen, die für die Energiewende erforderlich sind, und Eigenkapitalstärke erreicht man nicht durch Deregulierung“, kommentierte DIW-Kollegin Schäfer.

Die Energiewende erfordert Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich. Wegen der Ausgaben für die Bankenrettung und den Fiskalpakt sowie wegen der Schuldenbremse sei der Staat allerdings in seinen finanziellen Möglichkeiten beschränkt, so die DIW-Experten. Neben den geschätzten 200 Milliarden Euro für Erneuerbare Energien muss vor allem in den Ausbau und die Optimierung der Energienetze investiert werden. Darunter fallen die Einrichtung neuer Stromleitungen vom Norden in den Süden Deutschlands und eine intelligente Vernetzung von Stromangebot und -nachfrage sowie die Erweiterung des europäischen Stromnetzes.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Banken und Finanzinvestoren | Energiepolitik | Netzausbau
Ressorts:
Finance | Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen