Offshore-Wind
27.04.2016

Eons zweischneidige Ökostrom-Strategie

Foto: Eon
Eon hat im Oktober 2015 den Windpark Amrumbank West in der Nordsee in Betrieb genommen.

Nach einem Verlust von 6,4 Milliarden Euro im Vorjahr braucht Eon dringend gewinnbringende neue Wachstumsfelder. Doch ausgerechnet bei den boomenden erneuerbaren Energien kann der Konzern seine Chancen nicht voll ausschöpfen.

 

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Besonders lukrativ ist die Offshore-Windenergie: Mit dem Einspeisen von Windstrom vom Meer lassen sich Renditen von rund 25 Prozent erwirtschaften, ergab kürzlich eine Analyse von bizz energy Research. Doch Eon beabsichtigt, selbst entwickelte Erneuerbare-Energien-Projekte zu verkaufen, um die Gewinne wieder investieren zu können, erklärte Vorstandschef Johannes Teyssen diese Woche.

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Windparks werden Entwicklern aus der Hand gerissen

Schon 2013 hatte der Konzern die Mehrheit am Offshore-Park Rödsand II an den dänischen Versorger SEAS-NVE veräußert. Kurzfristig ist die Gelegenheit für solche Verkäufe äußerst günstig. „Onshore- aber auch Offshore-Windparks werden Versorgern derzeit geradezu aus der Hand gerissen. Die Projekte werden eher zu überteuerten Preisen verkauft“, berichtet Axel Albers vom Beratungsunternehmen Deutsche Windguard. „Im Moment ist einfach zu viel Kapital auf dem Markt.“

Institutionelle Anleger suchen wegen der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank händeringend nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Zusätzlich bemühen sich kleinere Versorger, durch Offshore-Beteiligungen Verluste im konventionellen Energiegeschäft zu kompensieren.

 

Der Energie-Riese gibt politischen Einfluss auf

Einmalig kann Eon derzeit also durch Verkäufe gute Gewinne erzielen. Langfristig hat die Rein-und-raus-Strategie laut Albers aber einen Nachteil: „Strategisch müsste Eon eigentlich ein Interesse haben, Erzeugungskapazitäten zu halten, um seinen Einfluss auf die Politik zu wahren. Das ist ja gerade ein Grund, warum sich Stadtwerke zu überteuerten Preisen Marktanteile erkaufen.“

Eine dauerhafte Gewinnmöglichkeit sieht Teyssen in der Betriebsführung für die selbst entwickelten und dann verkauften Windparks. „Das ist ein Markt, aber die Einnahmen sind lange nicht mit denen aus der Einspeisung des Windstroms zu vergleichen“, hält Albers dagegen. In der Einspeisevergütung von bis zu 19,4 Cent pro Kilowattstunde seien etwa drei Cent für die Betriebsführung einkalkuliert. Davon lande der Großteil allerdings bei den Herstellern der Anlagen, welche die eigentliche technische Wartung übernehmen, erläutert der Experte von der Deutschen Windguard. Er rechnet damit, dass für Eon ein Umsatz von vielleicht 0,6 Cent pro kWh aus der Betriebsführung übrig bleibt – ein Bruchteil der gewohnten Einnahmen früherer Jahre.

Manuel Berkel
Keywords:
Eon | Offshore Windenergie | Deutsche Windguard | Johannes Teyssen | Rödsand II
Ressorts:

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