Entscheid im Bundestag
15.05.2020

Erdgas-Lkw behalten Maut-Befreiung

Foto: Istock
Ein klimafreundlicher Antrieb kann nicht davor bewahren, im Stau zu stehen.

Erdgas-Lkw sind vom Bundestag für drei weitere Jahre von der Lkw-Maut befreit worden. Ob die Fahrzeuge tatsächlich weniger Klimagase als Diesel-Lkw verursachen, ist heftig umstritten.

Mit den Stimmen von Union und SPD änderte der Bundestag am Donnerstagabend das Bundesfernstraßengesetz und befreite LKW, die mit verflüssigtem Erdgas (Liquified Natural Gas - LNG) oder normalem Erdgas (Compressed Natural Gas - CNG) betrieben werden für weitere drei Jahre von der Bezahlung der Lkw-Maut.

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Mathias Stein von der SPD-Fraktion räumte in der Debatte ein, dass Erdgas-Lkw zwar weit davon entfernt seien, klimaneutral zu sein, mit bis zu 30 Prozent weniger CO2-Ausstoß seien sie aber derzeit im Güterfernverkehr „die umweltfreundlichste Alternative“. Werde Biomethan eingesetzt, könnte es noch deutlich mehr Einsparungen geben.

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Nach Angaben von Alois Rainer von der CDU/CSU-Fraktion waren Anfang Februar in Deutschland 2.866 Erdgas-Lkw als mautbefreit registriert. Mit der Verlängerung unterstütze man, so Rainer, den Markthochlauf der klimafreundlicheren Lkw weiter. Damit sich diese Zahl weiter erhöhe, brauche es einen entsprechenden Investitionsanreiz.

Grüne: Erdgas in der Klimabilanz kaum besser als Diesel

Der Grüne Matthias Gastel kritisierte die Verlängerung. Man wisse, dass Erdgas in der Verbrennung nur „geringfügig klimafreundlicher“ sei als Diesel, sagte Gastel. Man dürfe nicht nur den Kraftstoffeinsatz allein berücksichtigen. Bei dessen Herstellung und beim Betanken entweiche Methan und das sei klimaschädlicher als CO2. „Deswegen ist die Gesamtklimabilanz dieses Kraftstoffs kaum besser als die von Diesel“, sagte Gastel.

Einen Tag vorm Bundestagsbeschluss hatte das Umweltbundesamt die Förderung der Erdgas-Lkw ebenfalls kritisiert und eine Studie veröffentlicht, die die Klimawirkung speziell der Lkw untersuchte, die verflüssigtes Erdgas (LNG) tanken.

Beim Vergleich der LNG- mit Diesel-Lkw beschränkten sich das beauftragte Öko-Institut und der International Council on Clean Transportation (ICCT) dabei nicht nur, wie das UBA mitteilte, auf die Kohlendioxid-Emissionen am Auspuff, sondern berücksichtigt worden sei auch die Kraftstoffbereitstellung – also Gewinnung, Transport, Lagerung und das Tanken selbst sowie der im Vergleich zu CO2 stärkere Klimaeffekt von Methan und Lachgas.

Laut der Studie liegen die Emissionen der LNG-Lkw zwischen umgerechnet 969 und 1.051 Gramm CO2 pro Kilometer. Ein Diesel-Lkw verursache dabei mit 1.056 Gramm pro Kilometer vergleichsweise nur geringfügig höhere Emissionen. Als Grund für die schlechte Erdgas-Bilanz gibt die Studie an, dass bei der Verwendung von LNG sowohl am Fahrzeug als auch der Kraftstoffbereitstellung „an diversen Stellen kleinere Mengen Methan entweichen“. Diese würden in der Summe den Klimavorteil von LNG deutlich schwächen. Nur bei LNG-Lkw, die nach dem Diesel-Prinzip der Selbstzündung arbeiteten, würde die Klimabilanz um etwa 8 Prozent besser sein als die herkömmlicher Diesel-Lkw.

UBA plädiert für CO2-Komponente in der Maut

Aus Sicht der Studienautoren ist das zuwenig, damit Deutschland seine Klimaziele im Verkehr erreicht und auch eine Mautbefreiung der Erdgas-Lkw mit dem Argument des Klimaschutzes sei damit kaum zu rechtfertigen. Weiter weist das UBA darauf hin, dass der Bund in Deutschland ansässige Güterverkehrsunternehmen auch rund 40 Prozent der Investitionsmehrkosten bei den Gas-Lkw erstattet, konkret sind das 8.000 Euro pro CNG- und 12.000 Euro pro LNG-LKW.

Das UBA empfiehlt seinerseits, wenigstens die Mautbefreiung für LNG-Lkw nicht über 2020 hinaus zu verlängern. Aus Klimaschutzgründen sei diese „kaum zu rechtfertigen“. Auch der Grüne Gastel kritisierte die faktische Dreifachförderung von Erdgas-Lkw durch Mautbefreiung, Anschaffungsförderung und dazu noch eine Begünstigung im Energiesteuerrecht.

Für Klimaschutz im Straßengüterverkehr sollte besser, so das UBA, eine CO2-Komponente in die Lkw-Maut eingeführt werden. Zudem sollten nur elektrisch betriebene Lkw, die batterieelektrisch oder über Oberleitungen betrieben werden, auch zukünftig von der Maut ausgenommen werden. Sie würden eine echte klimaschonende Alternative zum Diesel-Lkw bieten.

Brancheninitiative wirft UBA-Studie Fehler vor

Generelle Kritik an der UBA-Studie kam von der Brancheninitiative Zukunft Erdgas. Bei der Studie, wendet die Lobbyorganisation ein, handele es sich eine Metaanalyse, die die ihre Empfehlungen auf die Ergebnisse diverser anderer, teils überholter Studien stützt. Dabei seien hauptsächlich Daten genutzt worden, die die Argumentation der Autoren untermauerten. Neuere Studien, die den Emissionsvorteil von LNG auf Basis realer Messungen klar belegten, seien zitiert, aber nicht in der Analyse berücksichtigt  worden.

Die in der UBA-Studie angeführten hohen Werte zu den Methanemissionen in der Erdgasförderung führt die Bancheninitiative darauf zurück, dass Werte aus amerikanischen Studien übernommen wurden, die sich auf Fracking-Gas beziehen. Dabei komme dieses Gas in Deutschland "quasi nicht zum Einsatz".

Auch würde nur in den USA, bemerkt die Erdgas-Vereinigung weiter, vor der Betankung von LNG-Lkw das sogenannte „Boil-Off Gas“ aus dem Kraftstoffbehälter in die Atmosphäre abgelassen. In Europa seien dagegen alle LNG-Tankstellen so konstruiert, dass das „Boil-Off Gas“ in den Speicher der Tankstelle zurückgeführt werde. Nach den Angaben von Zukunft Erdgas seien mit LNG-Lkw - auch unter Berücksichtigung der Vorkette - im Schnitt rund 15 Prozent CO2-Einsparung im Vergleich zum Diesel möglich.

Der Mautbefreiung der Erdgas-Lkw muss jetzt noch der Bundesrat zustimmen. Die Gesetzesänderung ist dort aber nicht zustimmungspflichtig.

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Jörg Staude
Keywords:
Güterverkehr | Erdgas | CO2-Emissionen
Ressorts:
Governance
 

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