Onshore-Windenergie
28.07.2017

Erste Windpark-Auktion verunsichert den Markt

Foto: Creative Commons/Markus Bergmann

Die Ausschreibung von Windkraftprojekten in Deutschland hat kaum Preisrückgänge gebracht, aber erhebliche Unsicherheit. Für 2019 und 2020 bahnt sich eine Ausbau-Lücke an. Eine Analyse von bizz energy Research.

Ein Ergebnis mit einigen faustdicken Überraschungen, das zu Fehleinschätzungen verleitet hat, die Konkurrenz-Situation in der Windkraft-Branche ordentlich durcheinanderwirbelt und erhebliche Unsicherheit über die Marktentwicklung verbreitet. So lassen sich die Ergebnisse der ersten Ausschreibung von neuen Windkraft-Kapazitäten an Land zusammenfassen, die Mitte Mai verkündet wurden.

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Hinsichtlich der Kostensenkungen durch die Ausschreibungen zielten die meisten öffentlichen Einschätzungen völlig an der Realität vorbei. Der sogenannte durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert lag lediglich bei 5,71 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich niedriger als zum Beispiel die voraussichtliche fixe Einspeisevergütung in Höhe von 6,96 Cent pro Kilowattstunde, die nach altem EEG ab Herbst 2018 gilt. Auch der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, stellte diesen niedrigen Wert öffentlich in den Vordergrund.

Mehr Vergütung als für große Solaranlagen

Doch die Auszahlung an die Gewinner der Ausschreibung wird, je nach durchschnittlicher Windstärke am Standort, noch deutlich korrigiert. Meist nach oben. Nimmt man den bisherigen Ausbau der Windkraft als Maßstab, wird die Vergütung im Schnitt um 20 Prozent höher ausfallen. Dann ergibt sich eine Vergütung von 6,85 Cent pro Kilowattstunde – mehr, als zuletzt größere Photovoltaik-Anlagen erhalten haben. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass die ausgeschriebene Vergütung 20 Jahre garantiert wird, während das nach dem alten Erneuerbare-Energien-Gesetz nur für schwächere Standorte galt.

Kaum billiger – aber deutlich unsicherer: Die große Überraschung der ersten Ausschreibungsrunde war, dass überwiegend Bürgerwindparks bezuschlagt wurden. Sie erhielten 65 der 70 Zuschläge. Die Bürgeranlagen bekommen den höchsten Zuschlagswert statt ihres tatsächlichen Gebots in dem Pay-as-bid-Verfahren. Zudem müssen die Anlagen erst innerhalb von 54 Monaten statt 30 Monaten in Betrieb genommen werden, Zeit ist also bis 2021.

Bürgerwindpark-Projekte unter der Lupe

Weiter muss bei Gebotsabgabe für die Bürger-Projekte keine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz vorliegen. Damit steht eine erhebliche Hürde bei der Umsetzung noch bevor. Und schließlich nimmt die Bundesnetzagentur nun die erfolgreichen Bürgerwindpark-Projekte genauer unter die Lupe. Denn es steht der Verdacht im Raum, dass einige Bewerber die Kriterien gar nicht erfüllen. Insgesamt drängt sich die Befürchtung auf, dass der Windenergie-Ausbau zumindest 2019 und 2020 erheblich zurückgehen und sich auf ein Minimum beschränken wird, wenn viele Bürgerwindparks deutlich verzögert oder gar nicht gebaut werden.

Die Branche selbst zeigt sich verunsichert. Der Bundesverband Windenergie (BWE) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) warnten Ende Juli vor einem Einbruch beim Neubau von Windkraftanlagen.

Weiterhin harter Wettbewerb

Die Wettbewerbssituation in den kommenden Ausschreibungsrunden dürfte weiter von harter Konkurrenz geprägt sein. Windparks mit 1.330 Megawatt Leistung wurden in der ersten Runde nicht bezuschlagt. Weitere 337 Megawatt an Projekten, die bereits die entscheidenden Genehmigungen haben, nahmen an der ersten Ausschreibung gar nicht teil. Die Pipeline der Windenergie-Projektgesellschaften ist also gut gefüllt. Der nächste Termin für die Abgabe von Geboten ist der 1. August dieses Jahres.

Verteilung der bezuschlagten Gebote nach Bundesländern in Megawatt: Niedersachsen liegt vorn, an zweiter Stelle folgt Brandenburg. Im Süden tut sich kaum etwas. Quelle: bizz energy Resarch / Bundesnetzagentur
Verteilung der bezuschlagten Gebote nach Bundesländern in Megawatt.
Niedersachsen liegt vorn, an zweiter Stelle folgt Brandenburg. Im Süden
tut sich kaum etwas. Quelle: bizz energy Resarch / Bundesnetzagentur
Geografisch ist die Verteilung der bezuschlagten Windprojekte sehr ungleich. Leer gingen das Saarland, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen und die Stadtstaaten aus. Offenbar sind eher windschwache Standorte nicht oder kaum konkurrenzfähig, obwohl sie zumindest anteilig einen Ausgleich für die schlechtere Windausbeute erhalten. Spitzenreiter unter den Bundesländern war Niedersachsen. Im hohen Norden nahe der Küste ist das Volumen im sogenannten „Netzausbaugebiet“ zwar begrenzt. Direkt südlich davon ist die Dichte an erfolgreichen Projekten aber am höchsten: Der Landkreis mit den meisten Zuschlägen ist die Uckermark im Nordosten Brandenburgs. In einer Ausschreibungssimulation  mit zahlreichen Branchenakteuren hatte bizz energy Research das höchste bezuschlagte Gebot etwa einen halben Cent über den tatsächlich erzielten 5,78 Cent gesehen. Die Bürgerwindparks, die einen selbst von Insidern der Branche nicht erwarteten Anteil von 93 Prozent der erfolgreichen Gebote erzielten, drückten die Preise kräftig.

Prognose aus Simulation bestätigt

Der durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert von 5,71 Cent, den bizz energy Research aufgrund der Simulation für die erste Ausschreibungsrunde vorhersagte, wurde allerdings auf die Nachkommastelle exakt erreicht und den Teilnehmern damit ein erheblicher Mehrwert geboten. Unter Ansetzung der realen Quote, also der Quote, die in der Ausschreibung griff, hätte die Simulation auch das Grenzgebot der Ausschreibung sehr gut getroffen.

Diese Analyse von bizz energy Research stammt aus der Sommerausgabe 2017 unseres Print-Magazins bizz energy.

bizz energy Research
Keywords:
Ausschreibung | EEG | Bürgerwindpark | Bundesnetzagentur
Ressorts:
Markets

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