Klimafinanzierung
05.09.2016

Ex-Klimafonds-Chefin Cheikhrouhou: Investitionen in falsche Projekte

Foto: Deposit

Ausgerechnet der beim Pariser Klimagipfel als zentrales Instrument zur Klimafinanzierung gefeierte Green Climate Fund verfehlt offenbar seine Wirkung. Das beklagt die soeben zurückgetretene Fonds-Chefin.

 

Anzeige*

Der von der internationalen Staatengemeinschaft in Paris vielfach gelobte UN-Fonds zur Klimafinanzierung bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Die eingesammelten Gelder würden nicht in die richtigen Vorhaben gesteckt, warnt die frühere Fonds-Chefin Héla Cheikhrouhou in einem Interview mit der Londoner Financial Times. Anstatt tatsächlich die Umstellung des Energiesystems voranzutreiben, winke der Verwaltungsrat überwiegend Standard-Projekte durch. „Bislang wurde kein Vorschlag vom Rat abgelehnt“, sagte die Finanzexpertin. „Einige der genehmigten Projekte sind natürlich gut für die Entwicklung eines Landes, aber sie leiten keinen Paradigmenwechsel ein, sie sind keine Game-Changer“.

Schon während der Pariser Konferenz wurde deutlich: Der Fonds mit Hauptsitz im südkoreanischen Planstadt Songdo kämpft mit Anlaufschwierigkeiten.

 

Nachhaltige Investments, bitte

Ein Grund könnten die für den Verwaltungsrat geltenden Regeln für die Abstimmung sein. Demnach müssen alle 24 Mitglieder grünes Licht bei der Genehmigung eines Projekts geben, das führt zu zähen Verhandlungen. Der Rat setzt sich aus Vertretern aus Schwellen- und Entwicklungsländern zusammen.

Ex-Fonds-Chefin Cheikhrouhou wünscht sich deshalb eine Neuausrichtung. Anstatt immer wieder „noch ein weiteres Wasserprojekt“ durchzuwinken, sei es besser, ein Land darin zu unterstützen, seine Energieeffizienzstandards für Gebäude zu erhöhen, sagt sie. Wenn die Staaten strengere Standards erfüllen müssen, würde das Milliarden oder gar Billionen US-Dollar an neuen Investitionen nach sich ziehen, erklärt Cheikhrouhou.

Sie selbst wird damit allerdings nichts mehr zu tun haben. Nach drei Jahren hat die Tunesierin ihren Posten als Exekutiv-Direktorin abgegeben und ist in ihre Heimat zurückgekehrt. Der neue tunesische Regierungschef Youssef Chahed hat die erfahrene Bankerin kürzlich zur Energieministerin ernannt.

 

Neuer Interimschef

Auf ihren Nachfolger und Interimschef Javier Manzanares, den früheren Finanzchef des Fonds, warten also eine Reihe von Herausforderungen. Immerhin ein Problem ist offenbar gelöst: Die Suche nach qualifiziertem Personal. Noch vor einem Jahr hatte die damalige Fonds-Chefin im Interview mit bizz energy beklagt, dass die Zentrale in Songdo drastisch unterbesetzt sei. In den vergangenen sechs Monaten wurden laut Cheikhrouhou jedoch neue Mitarbeiter eingestellt.

Gegründet 2011 auf der Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún ist der UN-Fonds eines der Hauptinstrumente zur Klimafinanzierung. Er soll Gelder für die Anpassung an den Klimawandel und die Senkung von Treibhausgasen in Schwellen- und Entwicklungsländern bereitstellen. Kurz vor dem als historisch gefeierten Pariser Gipfel im vergangenen Jahr nahm er offiziell seine Arbeit auf. Bislang hat der Green Climate Fund 10 Millionen US-Dollar für Projekte mit einem Volumen von insgesamt 424 Millionen US-Dollar ausgeschüttet, darunter ein Projekt zum Schutz der Küsten des pazifischen Inselstaates Tuvalu und ein Solarpark in Chile. 

Die Redaktion
Keywords:
Green Climate Fund | Javier Manzanares | Verwaltungsrat | Klimafinanzierung | Energieeffizienz | Héla Cheikhrouhou | Tunesien
Ressorts:
Finance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports.


Aktuelle Angebote:
» Jetzt anmelden zur 3. Runde unserer Ausschreibungssimulation Wind Onshore
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore


MEHR INFORMATIONEN HIER

 
 

bizz energy Veranstaltungen