Schäden durch Klimawandel
08.09.2017

Forscher sammeln Daten für Klagen gegen Ölkonzerne

Foto: Creative Commons/Grahame C Anderson
BP-Bohrinsel auf dem Ölfeld Clair in der Nordsee

Wissenschaftler in den USA und Großbritannien berechnen die Beiträge von ExxonMobil, Chevron und BP zur Erderwärmung und regen Schadenersatzklagen an. Drei kalifornische Gemeinden ziehen  bereits vor Gericht.

In den USA tobt ein Streit über den Klimawandel als möglichen Verstärker der Hurrikane Harvey und Irma. Mitten hinein in die Debatte platzen nun Wissenschaftler mit der Anregung, Ölkonzerne für Schäden durch Erderwärmung zur Rechenschaft zu ziehen.

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Statistische Daten als Grundlage für Schadenersatzklagen gegen Unternehmen wie ExxonMobil, Chevron und BP lägen ihnen ausreichend vor, behaupten die Klimaforscher Peter C. Frumhoff und Myles R. Allen in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung „The Guardian“. Frumhoff ist Direktor für Politik und Wissenschaft der Akademikervereinigung Union of Concerned Scientists in den USA. Allen lehrt an der School of Geography and the Environment der University of Oxford in Großbritannien.

Mitverantwortlich für Meeresspiegel-Anstieg?

Frumhoff und Allen schreiben, sie hätten die notwendigen Daten, um Treibhausgas-Emissionen aus den Produkten eines Ölkonzerns in Beziehung „zu einem spezifischen Anteil an Temperaturveränderungen und am Anstieg des Meeresspiegels“ zu setzen. Nach ihren Berechnungen beruht der weltweite Meeresspiegel-Anstieg zwischen 1880 und 2010 zu 30 Prozent auf Emissionen aus Erzeugnissen der 90 größten Produzenten fossiler Brennstoffe. Mehr als sechs Prozent des Meeresspiegel-Anstiegs lassen sich demnach auf Emissionen zurückführen, die den drei Konzernen ExxonMobil, Chevron und BP zuzuschreiben sind.

Die Autoren nennen ein konkretes Schadensbeispiel: An der US-amerikanischen Ostküste sei der Meeresspiegel erwärmungsbedingt seit 1900 um etwa 20 Zentimeter gestiegen. Dies habe die Zerstörungskraft von Stürmen und Fluten verstärkt. Die beiden Forscher führen eine Studie an, nach der die Flutschäden an New Yorker Gebäuden durch den Hurrikan Sandy im Jahr 2012 wegen des gestiegenen Wasserspiegels um zwei Milliarden Dollar höher ausfielen als in einem Szenario ohne Wasserspiegel-Anstieg.

Milliardenbedarf in Entwicklungsländern

Frumhoff und Allen rechnen vor, wie viel Geld in den kommenden Jahren aufgewendet werden muss, um den Lebensraum von Menschen gegen die Folgen der Erderwärmung zu schützen. Allein in den am stärksten betroffenen Entwicklungsländern würden ab 2030 bis zu 300 Milliarden Dollar pro Jahr gebraucht.

„Wer soll das bezahlen?“, fragen die Autoren. In den USA habe bisher die Annahme vorgeherrscht, dass Steuerzahler, Versicherungen, staatliche Katastrophenschutzprogramme und Privatleute für Schäden und Anpassungsmaßnahmen aufkommen würden. Doch inzwischen finde ein Umdenken statt, schreiben Frumhoff und Allen. Als Beleg führen sie drei kalifornische Küstengemeinden an, die im Juli gegen ExxonMobil, Chevron, BP und andere große Produzenten fossiler Brennstoffe vor Gericht gegangen sind.

Die Wissenschaftler prognostizieren „eine heftige und wachsende Debatte in der Öffentlichkeit und unter Aktionären“ über die Verantwortung der Ölkonzerne für ihre Beiträge zum Klimawandel.

Christian Schaudwet
Keywords:
ExxonMobil | BP | Chevron | Klimaschäden | Meeresspiegel | Erderwärmung
Ressorts:
Finance | Markets

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