Speicherverband kritisiert Bundesnetzagentur
07.05.2020

"Für den eigenen Solarstrom zahlen?"

Foto: iStock
Haus, Auto, Solaranlage, Speicher: Ist das die Energiewende?

Tausende Photovoltaik-Anlagen fallen ab 2021 aus der EEG-Förderung. Dem Problem ist mit den Vorschlägen der Bundesnetzagentur nicht beizukommen, sagt Urban Windelen vom Bundesverband Energiespeicher (BVES) im Interview.

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Anders gesagt: Wenn sich immer mehr Prosumer weitgehend aus dem Netz verabschieden, müssen die Haushalte, die sich das nicht leisten können und wollen, höhere Netzkosten tragen. Droht hier nicht eine neue Debatte um "unsolidarische" Solarstromer?

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Diese Debatte um die sogenannte Entsolidarisierung wird immer wieder mal aufgebracht. Doch bleibt es stets bei diesem dünnen Schlagwort, wenn den Gegnern der Eigenversorgung und der Bürgerenergiewende die Argumente ausgehen.

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Die Realität ist doch umgekehrt: Photovoltaik-Anlagen mit Speicher sind netzdienlich und systemdienlich. Auch Agora Energiewende hat das in Studien deutlich herausgearbeitet.

Grundlegende Anschlussbedingung für einen Hausspeicher ist die Netzdienlichkeit. Mit der zunehmenden Elektromobilität wird sich der Effekt sogar verstärken, da zusätzlich der Ladevorgang über die Photovoltaik-Anlage und den Speicher abgepuffert werden kann. Von den eingesparten Kosten für den Netzausbau gar nicht erst zu reden.

Die Betreiber kleinerer Solaranlagen, die Anfang 2021 aus dem EEG fallen, sehen sich dabei einem besonderen Problem gegenüber: Weil ihre Einspeisevergütung mit 50 Cent pro Kilowattstunde bislang recht hoch war, gab es keinen Anreiz, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen, und so legten sie sich auch keinen Stromspeicher zu ...

Richtig – die derzeit installierten Hausspeicher stehen weit überwiegend im Neubaubereich. Ein Retrofit mit Speichern in den Bestand von Photovoltaik-Anlagen findet bisher noch wenig statt.

Mit dem Auslaufen der festen Einspeisevergütung steigt aber das Interesse an der Eigenversorgung und der unmittelbaren Beteiligung an der Energiewende. Durch Einsatz eines Speichers können natürlich künftig genau diese Photovoltaik-Anlagen ertüchtigt werden und sich dann auch netzdienlich aufstellen.

Diese Anlagen sind doch zwanzig und mehr Jahre alt. Funktionieren die denn noch lange genug, um den Einbau eines Stromspeichers zu refinanzieren? Das ist doch zweifelhaft. Oder schwebt Ihnen vor, die Nachrüstung alter Anlagen bezuschussen zu lassen?

Nach unseren Erfahrungen sind sehr viele der älteren Photovoltaik-Anlagen von hoher Qualität und noch lange nutzbar. In den letzten Jahren sind gleichzeitig die Preise für Hausspeicher deutlich gesunken. Damit kann sich eine Nachrüstung natürlich lohnen, insbesondere wenn man die Nutzungstiefe erhöht, indem man in die Sektorenkopplung einsteigt. Viele Speicher werden heute sofort zusammen mit einer Wärmepumpe verbaut oder dienen zusätzlich als Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität. Das ist preislich sehr attraktiv.

Auf das Geschäft fahren derzeit jede Menge Anbieter ab, bieten Rundum- und Komplettpakete von Dach bis zur Wallbox samt E-Auto zum Testen. Aber wie viele von den 60.000 Haushalten, die sich derzeit jährlich einen Stromspeicher zulegen, können sich das ganze Equipment leisten? Das ist doch ein sehr enger Markt.

Das Geschäft mit Energiespeichersystemen ist ein noch recht kleiner, aber deutlich wachsender innovativer Zukunftsmarkt. Gerade im Gebäude oder im Haushaltsbereich bietet sich für derartige Systeme eine Vielzahl von Nutzungen. Und wenn ich eine Anlage nicht nur für einen Zweck nutze, sondern verschiedene Anwendungen vereinen kann, drückt das die Kosten und erhöht die Wirtschaftlichkeit.

Zudem setze ich für mein eigenes Haus die Energiewende konsequent um. Das ist immer noch mit die höchste Motivation für ein Photovoltaik-Energiespeichersystem.

Das Thema wird auch deutlich gestärkt aus der Coronakrise hervorgehen. Eine Krise wirkt wie ein Inkubator für Innovation. Und die Themen Resilienz, Versorgungssicherheit, nachhaltige Wertschöpfungsketten und lokale Versorgung können gerade über innovative Speichersysteme abgebildet werden.

Aus Sicht der Klimaschutzes benötigen wir nicht nur solarautarke Eigenheime, sondern auch möglichst viel erneuerbare Einspeisung ins Netz, quasi einen solaren Rollout gerade in den Metropolen. "Macht die Dächer voll", fordern deswegen Experten wie Volker Quaschning von der HTW Berlin.

Dieser Forderung schließen wir uns voll an. Die Energiewende muss in die Ballungsräume kommen und darf im Gebäudebereich nicht auf Dämmen und Dichten verkürzt werden. Klimapolitisch gibt es doch wenig Besseres als die lokale und vor allem direkte Nutzung des erneuerbaren Stroms.

Über die Sektorenkopplung können dann auch weitere Bereiche wie Wärme und Mobilität flexibel und effizient defossiliert werden. Ohne Speicher bekommen wir jedoch diese Sonnenenergie nicht in die Nacht.

Wenn die Energiewende gelingen soll, heißt es also, dass wir neben dem Ausbau der Erneuerbaren schnell und auf allen Ebenen in Speicher einsteigen sollten. Marktmodelle, die dagegen einseitig der klassischen Energiewelt ihre Position sichern sollen, passen hier einfach nicht rein.

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Interview: Jörg Staude
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Keywords:
Photovoltaik | EEG | Speichertechnologie
Ressorts:
Markets
 

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