Gazprom
06.10.2016

Gazprom und Altbundeskanzler wollen Garantien für Nord Stream 2

Foto: kremlin.ru

Konzernchef Miller vermeldet beim Gasforum in Sankt Petersburg einen neuen Rekord. Doch der Durchbruch für den umstrittenen zweiten Strang der Ostsee-Pipeline steht noch aus – trotz Unterstützung durch Shell, Uniper und Altkanzler Gerhard Schröder.

 

Anzeige*

Gazproms Chef Alexej Miller bemüht sich, auf dem Internationalen Gasforum in Sankt-Petersburg diese Woche gute Laune zu verbreiten. Russlands mächtiger Gasmanger strahlt und schüttelt Hände – allerlei Branchengrößen sind in die russische Metropole angereist. „Im laufenden Jahr wird Gazprom abermals einen Rekord beim Gasexport nach Deutschland aufstellen und das Jahr 2015 mit seinen 45,3 Milliarden Kubikmeter Gas übertreffen“, prahlte Miller bei einem Treffen mit Uniper-Chef Klaus Schäfer gleich zu Beginn des Forums. Einer der Gründe dafür sind die niedrigen Gaspreise, die im Falle Gazproms an den Ölpreis gebunden sind, und die es den Russen erlauben, die Flüssiggas-Konkurrenz weitgehend zu neutralisieren. Aus russischer Sicht gibt es nur Argumente für den Bau von Nord Stream 2 – zumal Altkanzler Gerhard Schröder gerade den Verwaltungsratsvorsitz des Unternehmens übernommen hat. Schröder ist bereits seit zehn Jahren Vorsitzender des Gesellschafterausschusses des ersten Pipeline-Konsortiums Nord Stream und behält diesen Posten auch weiterhin. Noch kurz vor dem Ende seiner Kanzlerschaft hatte er gemeinsam mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin den Weg für den Bau der Ostsee-Pipeline politisch geebnet.

Doch einen Durchbruch für Nord Stream 2 kann Miller noch nicht vermelden. Das Projekt ist vor wenigen Wochen ins Wanken geraten, weil die polnischen Wettbewerbsbehörden bei einer Kooperation der bisherigen europäischen Partner mit dem russischen Exportmonopolisten eine zu große Konzentration von Marktmacht befürchteten. Noch im September hieß es in Branchenkreisen, dass bei dem Forum in Sankt-Petersburg eine neue Konstellation für die Zusammenarbeit an dem knapp zehm Milliarden Euro teuren Projekt präsentiert werde. 

 

Weitere Zusammenarbeit geplant

Doch die Gespräche, zu denen Vorstände von Shell, Uniper, Wintershall, Engie und OMV angereist sind, sind noch ohne greifbares Ergebnis. Alle Konzerne bekundeten lediglich ihr Interesse, an dem Projekt festzuhalten. Offenbar hat Miller noch keine rechtlich einwandfreien Weg gefunden, über den die westlichen Partner Gazprom beim Bau der Pipeline unterstützen können. Miller wäre bereit, die Infrastruktur auch im Alleingang zu bauen, bräuchte im Gegenzug aber Garantien, dass die neue Pipeline auch ohne eine Beteiligung europäischer Partner ausgelastet wird. Wie eine solche Garantie praktisch aussehen kann, ist allerdings unklar.

Immerhin haben aber Gazprom-Partner wie Ben van Beurden, Chef des niederländischen Konzerns Shell, oder Mario Mehren, Vorstandsvorsitzender von Wintershall in Petersburg, gute Nachrichten im Gepäck: Wintershalls Joint Venture mit Gazprom, die nordsibirische Achimgaz, hatte kürzlich mit 20 Milliarden Kubikmeter gefördertem Gas einen Meilenstein vermeldet. Auch Shell kündigte an, die Zusammenarbeit mit Gazprom beim Flüssiggasprojekt Sakhalin 2 auf einer Insel vor der russischen Pazifikküste auszuweiten, genauso wie beim Aufbau einer Flüssiggas-Anlage an der Ostseeküste. „Wir sind bereit für ein neues Level von Kooperation, das auch den Tausch von Assets vorsieht“, sagte van Beurden.

Maxim Kireev
Keywords:
Gazprom | Nord Stream 2 | Gerhard Schröder | OMV | Shell | Wintershall | Uniper | Erdgas | Flüssiggas
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy März 2017

Die neue bizz energy gibt es ab sofort am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de.

 
 

bizz energy Research

Individuell zugeschnittene Studien
und differenzierte Analysen sowie
kurze Reports


Aktuelle Angebote:
» Zur Ausschreibungssimulation
» Zum Kostenbenchmarking Wind Onshore
» Informationen zur Studie "Solarenergie in Chile"



MEHR INFORMATIONEN HIER

bizz energy - iSpin-Technologie - powered by ROMO Wind

Die patentierte iSpin-Technologie misst den Wind genauer als je zuvor – direkt am Spinner, wo er erstmals auf die Anlage trifft. Das bedeutet: bessere Daten, mehr Ertrag, geringere Lasten.

 

Film ab! Energiewende in 25 Sek.

Ihre Kreativität ist gefragt!

Mehr Infos zum bizz energy Video Wettbewerb hier

 

 

bizz energy Veranstaltungen