Dekarbonisierung
13.07.2020

Wasserstoff soll Stahlproduktion grüner machen

Foto: Istock
Die zur Stahlherstellung nötigen Temperaturen von bis zu 1.000 Grad sollen künftig auch mit grünem Wasserstoff erzeugt werden.

Die Stahlbranche sieht im Einsatz von grünem Wasserstoff den Weg, ihr Produkt klimaneutral zu machen - und verspricht sich davon einen Wettbewerbsvorteil.

Auf dem Weg zu einer klimafreundlicheren Produktion wird grünem Wasserstoff immer mehr eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Bei vielen Experten herrscht die Überzeugung, dass es ohne die Technologie nicht geht. Noch zu Beginn des Jahres gab es aus der energieintensiven Stahlindustrie allerdings den Ruf nach politischer und finanzieller Hilfe, um einen Beitrag zur CO2-Minderung überhaupt leisten zu können. Reicht die neue Wasserstoffstrategie der Regierung als Antwort aus?

Anzeige

Anzeige

An diesem Montag besucht Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) den Stahlkonzern Salzgitter in Niedersachsen. Mit dabei hat sie den Abgeordneten Stefan Kaufmann, seit wenigen Tagen Innovationsbeauftragter "Grüner Wasserstoff" im Ministerium. Wichtiger als dieser Titel scheint aber die Botschaft dahinter. Denn die Personalie ist Teil der neuen nationalen Wasserstoffstrategie, mit der Deutschland weltweit führend werden will. Gelingt damit ein Schulterschluss zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik? Zumindest sitzen in Salzgitter Vertreter aller Bereiche zusammen.

Grüner Wasserstoff im Zentrum der Strategie

Um Wasserstoff aus Wasser per Elektrolyse zu gewinnen, braucht es elektrischen Strom. Ist dieser erneuerbar, wird das Ergebnis als grüner Wasserstoff bezeichnet. Dieser steht im Zentrum der Wasserstoffstrategie, weil in Industrie und Verkehr die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas reduziert werden soll. Grauer Wasserstoff wird dagegen aus fossiler Energie wie etwa Erdgas hergestellt. Das dabei entstehende CO2 wird in die Atmosphäre abgegeben und verstärkt den globalen Treibhauseffekt.

In den grünen Wasserstoff setzt die Stahlindustrie ihre Hoffnung bei der Dekarbonisierung. Vor einem Monat verabschiedete das Bundeskabinett das Programm, das Milliarden-Zuschüsse, rechtliche Erleichterungen und konkrete Produktionsziele vorsieht. Mit Förderprogrammen und sieben Milliarden Euro soll erreicht werden, dass sich Wasserstoff am Markt durchsetzt, weitere zwei Milliarden sind für internationale Partnerschaften eingeplant. "Der Schlüssel, um die Stahlbranche in Deutschland zu halten, ist der Einsatz von grünem Wasserstoff", sagte Karliczek mit Blick auf ihren Besuch beim Stahlkonzern in Salzgitter.

Eisenverhüttung mit Wasserstoff und Strom

Dort will sich die Ministerin über ein Projekt informieren, mit dem der Stahlhersteller den CO2-Ausstoß erheblich senken will. Als Teil der Klimastrategie des Unternehmens soll Kohle bei der Erzeugung von Eisen schrittweise durch Wasserstoff und Strom aus erneuerbaren Quellen ersetzt werden. Am Ende stünde eine Verminderung der CO2-Emissionen um 95 Prozent. Wichtig für den Markterfolg erscheint dabei der Umstand, dass mit dem grünen Stahl dann auch klimafreundliche Folgeprodukte herstellbar sind.

Zur Eisenerzeugung mit Wasserstoff prüft der Konzern mit Partnern derzeit einen Standort in Wilhelmshaven. Es werde angestrebt, zwei Millionen Tonnen direktreduziertes Eisen pro Jahr zu erzeugen, das per Bahntransport nach Salzgitter gebracht werden soll, hieß es vor wenigen Tagen.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) bescheinigt seinem Land auch eine "sehr gute Ausgangslage für die Herstellung grünen Wasserstoffs". Schon heute würden große Mengen regenerativen Stroms dort produziert. Thümler verweist auch auf ein ausgedehntes Gasnetz, das auch für den Transport von Wasserstoff genutzt werden könnte.

Branche erwartet Anschub-Finanzierung

Noch im Januar hatte Salzgitter-Vorstand Heinz Jörg Fuhrmann betont: "Die Stahlindustrie ist zwar in der Lage, einen substanziellen eigenen finanziellen Beitrag zur CO2-Minderung unserer Gesellschaft zu leisten, aber ohne eine öffentliche Anschub-Finanzierung wird das nicht umzusetzen sein".

Auf der Hauptversammlung des Konzerns vor wenigen Tagen bewertete Fuhrmann die jüngsten Maßnahmen der Regierung positiv. Das Konjunkturpaket und die Wasserstoffstrategie seien geeignet, bei der Dekarbonisierung der Industrie zügige Fortschritte zu unterstützen. Dasselbe gelte auch für das "Handlungskonzept Stahl", sagte Fuhrmann. Das will die Bundesregierung am Mittwoch im Kabinett verabschieden.

Lesen Sie auch: "Grüner Wasserstoff ist das Öl von morgen“

Lesen Sie auch: "Grüner Wasserstoff taugt zur Dekarbonisierung im Großmaßstab"

Lesen Sie auch: "Der Optimismus beim Wasserstoff-Import ist blauäugig"

jst/dpa
Keywords:
Dekarbonisierung | Stahlproduktion | grüner Wasserstoff
Ressorts:
Technology | Markets
 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen