Gast-Blog
23.08.2013

Gute Wärmedämmung macht verschwenderischer

Foto: Energiesparnetzwerk

Viele Bürger nehmen die Energiewende in die eigene Hand, installieren etwa eine Pelletheizung im Keller oder eine Solaranlage auf dem Dach. Eine Studie mehrt jetzt Zweifel am Sinn dieser Bemühungen: Je mehr wir uns auf grüne Technologien und effiziente Baustandards verlassen, desto mehr Energie verschwenden wir, so das Ergebnis.

Im Wissenschaftlerjargon liest sich das natürlich anders: „Der absolute Energieverbrauch wird mit zunehmender energetischer Gebäudequalität immer kleiner, aber der Einfluss der Nutzer und ihre Neigung zum verschwenderischen Umgang nehmen deutlich zu.“ Das bescheinigt uns die Studie „Auswirkungen der verbrauchsabhängigen Abrechnung in Abhängigkeit von der energetischen Gebäudequalität“ von Clemens Felsmann vom Institut für Energietechnik der Technischen Universität Dresden, in der er 3.3 Millionen anonymisierte Messdaten von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern analysierte. Sein Fazit: Je besser der energetische Zustand der Gebäudehülle ist, desto weniger kümmert die Bewohner ihr Umgang mit der Wärme.

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Bewohner von Altbauten sind sparsamer als Neubauten

Laut Felsmanns Studienergebnissen verhalten sich Nutzer in Altbauten deutlich energiebewusster als bisher angenommen: Der gemessene Energieverbrauch von Altbauten fällt im Durchschnitt deutlich niedriger aus als der berechnete Bedarf nach Energieeinsparverordnung (EnEV). So werden Wohnungen, die nach dem EnEV-2002-Standard gebaut wurden, mit einer durchschnittlichen Raumtemperatur von rund 20 Grad Celcius beheizt. Und in Gebäuden nach aktueller EnEV sind die Raumtemperaturen der Mietwohnungen im Mittel noch höher. Felsmann folgert daraus, dass Einsparpotenziale von energetischen Maßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik überschätzt werden.

Von unserer Verantwortung können wir uns nicht freikaufen

Sind die ganzen Investitionen in den Wärmeschutz dann nutzlos, wenn wir später dann doch mehr Heizen als nötig? Mitnichten! Doch die Studie legt den Finger in die richtige Wunde: Wir dürfen uns nicht allein darauf verlassen, dass wir viel Geld für dicke Wände oder eine Ökoheizung im Keller bezahlt haben und dann ungeniert so tun, als ob wir kein Energie- und Ressourcenproblem hätten. Genauso wenig kann man sich mit Ökostrom von der eigenen Verantwortung für die Energiewende und den Klimaschutz freikaufen, wenn man dann mehr Strom als vorher verbraucht.

Und aus dieser Perspektive ist es auch sinnlos, andauernd über die Kosten der Energiewende zu diskutieren. Die Energiewende ist nämlich nicht käuflich. Ohne unser eigenes Verhalten zu ändern, werden wir auch nicht unsere Energieversorgung ändern können.


 Robert Doelling leitet die Social Media-Aktivitäten bei der Deutschen Auftragsagentur DAA GmbH in Hamburg und betreut unter anderem die Portale www.solaranlagen-portal.comwww.heizungsfinder.de und das internationale Portal www.solarcontact.com. Privat schreibt Robert Doelling für die Webseite www.energie-experten.org und engagiert sich als Energieblogger für eine dezentrale und nachhaltige Energiewende.

Der Artikel erschien erstmals im Blogger-Magazin Energiefacetten.

 
Robert Doelling
Keywords:
Energieeffizienz | Blogger | Energie
Ressorts:
Community

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