Gas-Pipelines
12.04.2017

Irans Machthaber gucken in die Röhre

Foto: National Assembly of Pakistan
Sheikh Aftab Ahmad, Pakistans Minister für parlamentarische Angelegenheiten

Beim Gasexport setzt die Regierung in Teheran auf Pakistan. Doch das angebliche Partnerland verfolgt offenbar einen Plan B – bei dem China und die USA wichtige Rollen spielen.

Im März schien die Welt für Irans Regierung noch in Ordnung. „Die pakistanische Regierung forciert die Fertigstellung dieser Pipeline“, gab Pakistans Minister für parlamentarische Angelegenheiten, Sheikh Aftab Ahmad, zu Protokoll. Kurz darauf sekundierte Tariq Fatemi, außenpolitischer Berater des pakistanischen Ministerpräsidenten: „Pakistan braucht iranisches Gas, weil unsere Industrie vom Gas abhängt.“ Fatemi ergänzte: „Wir arbeiten an den Punkten, die dessen Einfuhr behindern.“

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Geplant ist die Pipeline, von der Ahmad und Fatemi reden, freilich bereits seit 2002. Sie soll Erdgas vom iranischen Offshore-Feld South Pars quer durch den Süden Pakistans und von dort weiter bis nach Indien leiten. Die geplante Liefermenge von rund 30 Millionen Kubikmetern Erdgas pro Tag sollten beide Länder zu gleichen Teilen abnehmen. Nach den westlichen Sanktionen gegen den Iran zog sich Indien jedoch im Jahr 2008 aus den Planungen für die Iran-Pakistan-Indien-Pipeline (IPI) zurück. Drei Jahre später verständigten sich Teheran und Islamabad darauf, das Projekt auch ohne Indien fertigzustellen, nun als IP-Gasleitung. Seither verzögerte sich das Projekt immer wieder oder drohte ganz zu scheitern, so zuletzt im Januar 2017. Immer wieder kritisiert Teheran dabei pakistanische Passivität. Anders als der Iran, wo Medienberichten zufolge die Leitung bereits bis zur Grenzstation Chabahar betriebsbereit ist, habe Pakistan bislang noch keinen Rohrmeter verlegt. 

Deutsche Firma mit Pipeline-Planung beauftragt

Kein Wunder. Pakistan entwickelt längst einen Plan B, wie ein Brancheninsider im Gespräch mit bizz energy berichtet. Islamabads zögerliche Haltung hänge auch mit den US-Sanktionen zusammen, die jederzeit reaktiviert werden und sich dann auch gegen Irans Handels- und Energiepartner richten könnten. „Am Ende entscheidet der Gaspreis, ob eine Pipeline gebaut wird“, sagt der Insider, der nicht genannt werden will. Das für die Versorgung der pakistanischen Wirtschaft und Bevölkerung dringend notwendige Gas soll nun über ein neues, von China finanziertes LNG-Terminal im Hafen von Gwadar eingespeist werden. Weil gegenwärtig der Preis für verflüssigtes Erdgas (LNG) historisch gesehen sehr niedrig ist, lohne diese Variante umso mehr.  China betrachtet den LNG-Hafen in Gwadar und damit verbundene Infrastrukturprojekte als ein strategisches Investment im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“, mit der Peking das Reich der Mitte mit Europa verbinden will.

Vom LNG-Terminal in Gwadar soll künftig eine Pipeline zum zentralen Knotenpunkt Nawabshah führen. Diese Gwadar-Nawabshah Gas-Pipeline (GNGP) ist von der Pipeline-Trassenführung her ab Gwadar identisch mit dem ehemaligen IPI-Projekt. Beauftragt mit der Pipeline-Planung ist eine deutsche Firma: die ILF Beratende Ingenieure GmbH aus München.

Wie in Pakistan warben zuletzt auch in Indien einige Politiker für die Wiederaufnahme des Pipeline-Projekts mit dem Iran. „Die indische Regierung sollte prüfen, das IPI-Projekt zu reaktivieren, da die Bedingungen nach der Teilaufhebung der Sanktionen nun besser sind“, empfiehlt das Standing Committee on Petroleum and Natural Gas Ende März in seinem Bericht an das Parlament in Neu-Delhi.

Marcus Scholz
Keywords:
Iran | Pakistan | Erdgas | Pipeline | Indien | Sanktionen | Aftab Ahmad | Tariq Fatemi
Ressorts:
Finance | Governance

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