Kohle
09.05.2016

Kohleausstieg zum Schnäppchenpreis

Foto: Günter Hentschel / Flickr / CC BY-ND 2.0
Braunkohlekraftwerk Weisweiler im rheinischen Revier

Ein gewichtiges Argument gegen den Kohleausstieg ist kaum noch zu halten: Die Mehrkosten für die Stromkunden wären vernachlässigbar, zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie von ewi Energy Research & Scenarios.

Für die Gesamtkosten wartet das Papier zunächst mit einer gewaltig erscheinenden Zahl auf: Im europäischen Strommarkt ergäben sich zusätzlich Kosten von 71,6 Milliarden Euro, schreiben die Ewi-Autoren. Allerdings gilt die Aussage für den Zeitraum von 2020 bis 2045, pro Jahr geht es also um knapp 2,8 Milliarden Euro.

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Bei genauerer Betrachtung schrumpft die Belastung immer weiter zusammen. Umgerechnet auf die einzelne Kilowattstunde betrügen die Mehrkosten laut Ewi inklusive Mehrwertsteuer 0,63 Cent. Bei heutigen Strompreisen entspricht das einem Anstieg um 2,2 Prozent. Da der Preis in den nächsten drei Jahrzehnten ohnehin zunehmen wird, wird das Plus immer weniger ins Gewicht fallen.

 

Belastung für Haushalte höchstens halb so groß

Besonders wichtig: Ein steigender Strompreis im Goßhandel schlägt sich nicht eins zu eins in der Stromrechnung nieder. Denn wenn der Börsenpreis steigt, sinkt die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Netto ergeben sich für die Endkunden laut den Kölner Forschern zwischen 2020 und 2045 Mehrkosten von 36,9 Milliarden Euro – also nur halb so viel wie bei der ersten Betrachtung.

Auf dem Strommarkt halten sich die Kosten für den Kohleausstieg also im Rahmen. Nicht betrachtet hat Ewi allerdings die sozialen Folgekosten, die sich für die Belegschaften der Kohlekraftwerke und Braunkohlegruben ergeben – ebenso wenig wie die positiven Effekte für Umwelt und Gesundheit sowie die Anwohner der Tagebaue. 

Manuel Berkel
Keywords:
Kohleausstieg | Klimaschutz
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