BIZZ-Exklusiv
29.04.2015

Kuhhandel statt Spargel

fotos: Staatsministerium Baden-Württemberg
Der grüne Landesvater grüßt seinen Vorvorgänger Günther Oettinger (CDU), heute EU-Kommissar für die digitale Wirtschaft.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann genießt in Baden-Württemberg erstaunliches Standing – obwohl die Energiewende in seinem Ländle schwächelt. Ein Porträt.

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Im Ländle genießt Kretschmann ein gutes Standing

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Dabei könnte Kretschmann leicht abheben. Selbst die mit Lobliedern zurückhaltende und selten zur politischen Lyrik neigende Frankfurter Allgemeine konstatierte bereits auf ihrer Titelseite: Wenn Kretschmann so weitermache, wie er bisher als Ministerpräsident mit der grün-roten Koalition von Baden-Württemberg agiere, dann könne Sensationelles geschehen: Dass die Grünen in Berlin der SPD vorschlagen, eben „Kretschmann zum grün-roten Kanzlerkandidaten zu machen.“

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Ist das bloß Phantasterei? Nicht ganz. Der sechsundsechzigjährige Kretschmann hat in seiner Amtszeit seit Mai 2011 als „Landesvater“ Kultstatus erreicht – in einem Bundesland, das früher immerhin 58 Jahre von der CDU regiert worden ist. Allerdings liegt sein Ansehen deutlich über dem Wert seiner tatsächlichen Leistungen.

Patzig wird Kretschmann, wenn er gefragt wird, ob er seinen sensationellen Erfolg vor allem der Nuklearkatastrophe von Fukushima verdanke. Dadurch sei doch eher Kanzlerin Angela Merkel belehrt worden, kontert er. 

Unter seiner Obhut hat es der Alt-Grüne Fritz Kuhn zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt gebracht, obwohl das umstrittene Projekt ‚Stuttgart 21‘ am Ende doch realisiert worden ist; das hatten die Grünen mit aller Gewalt einst zu verhindern versprochen, um – so ihr Kalkül – bei der Landtagswahl mehr Stimmen zu holen. In dieser Konfliktsituation holten sie dank ihres opportunistischen Engagements 2011 mit 24,2 Prozent knapp mehr Stimmen als die SPD (23,1), wurden führende Regierungspartei einer grün-roten Koalition – und kürten Kretschmann zum ersten grünen Ministerpräsidenten der Republik.   

Zustimmungswerte von bis zu 70 Prozent

Die Landespresse hat brav an seinem Image als bodenständiger Landesvater mitgearbeitet. Sie berichtete, dass Kretschmann zu Fasching traditionsgemäß Froschkutteln isst – ein schwäbisches Gericht aus Rinderpansen, Rinderherz, Leber und Nieren. Und dass er im Gartenteich seines Regierungssitzes Lurche schwimmen lässt. 

Kretschmann erreicht in Meinungsumfragen fabelhafte Zustimmungswerte von 70 Prozent. So zufrieden waren die Bürger in Baden-Württemberg nicht mal mit den prominenten CDU-Landesvätern Günther Oettinger oder Erwin Teufel, ganz zu schweigen vom selbstherrlichen Stefan Mappus. Symbolisch erscheint geradezu, dass Matthias Filbinger, Sohn des einstigen erzkonservativen Ministerpräsidenten, sich schon vor Jahren den Grünen angeschlossen hat. Bei vielen Konservativen kann Kretschmann punkten. Vom Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler etwa stammt der Satz: „Wenn Grün-Rot Baden-Württemberg weiter voran bringen sollte, dann liegt es vor allem an Kretschmanns Persönlichkeit.“

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Winfried Kretschmann | Die Grünen | Baden-Württemberg | Energiepolitik | Windanlagen
Ressorts:
Governance | Community

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