BIZZ-Exklusiv
29.04.2015

Kuhhandel statt Spargel

fotos: Staatsministerium Baden-Württemberg
Der grüne Landesvater grüßt seinen Vorvorgänger Günther Oettinger (CDU), heute EU-Kommissar für die digitale Wirtschaft.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann genießt in Baden-Württemberg erstaunliches Standing – obwohl die Energiewende in seinem Ländle schwächelt. Ein Porträt.

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Kretschmann hält sich indes eher für einen Liberalen als für einen Konservativen. Damit blickt er in eine Richtung, in die auch seine Gesamtpartei intensiv flirtet: Die Grünen als liberal-konservative Partei, als Profiteure des Zeitgeists nach dem bundespolitischen Scheitern der FDP. Kretschmann selbst definiert seine Rolle dabei als Brückenbauer: „Die Welt ist zu komplex, um sich in zwei politische Lager aufzuteilen.“

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Er verehrt die Philosophin Hannah Arendt, die einmal konstatierte: „Politik ist die stringenteste Form menschlichen Handelns.“ Arendt gab ihm Orientierung. „Sie hat mein Denken geprägt und mich vom Linksradikalismus geheilt“, gesteht Kretschmann, der in den 1970er-Jahren zwei Jahre dem Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW) angehörte. 

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Auch Ralf Dahrendorf, Star-Soziologe und langjähriger Direktor der London School of Economics, imponierte Kretschmann, der zuweilen Dahrendorfs Warnung zitiert: „Ein Revolutionär in einer nicht revolutionären Situation gerät leicht in Gefahr, sich lächerlich zu machen.“ Kretschmann setzt daher lieber auf Evolution. Im Zeitalter der Ölkrisen und Energiewenden haben die Grünen aus seiner Sicht alle Chancen, zur führenden neuen Kraft aufzusteigen – wie einst die SPD im Zeitalter der Industrialisierung. 

Die Opposition schießt gegen die Energiepolitik der Grünen

Das will der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl naturgemäß verhindern. Kretschmann ist nach seinen Worten zwar ein „authentischer“ Landesvater,  aber auch einer, der sich durch „viele hehre Worte und wenig Taten“ auszeichne.

Harsche Kritik übt die Opposition im baden-württembergischen Landtag ausgerechnet an der Energiepolitik, die doch als Kernkompetenz der Grünen gilt. Sie rügt vor allem, dass Kretschmann die Bezahlbarkeit der Energieversorgung ausblende – zum Nachteil vor allem der mittelständischen Wirtschaft. 

Im deutschen Südwesten sind mehr als 20.000 Vollzeitarbeitsplätze mit erneuerbaren Energien verbunden, die bis 2020 immerhin 38 Prozent des Stroms im Ländle produzieren sollen. Derzeit liegt der Wert allerdings gerade mal bei schlappen zehn Prozent.

Dabei hat Kretschmann insbesondere den Ausbau der Windenergie versprochen, notfalls auch gegen den Widerstand von Anliegern und Natürschützern. „Wir werden viele große Windräder in die Gegend stellen, auch wenn manch einer das für Landschaftsverschandelung hält“, sagte er in einem Interview mit der Zeit. Man könne Windräder eben nicht im Keller unterbringen.

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Keywords:
Winfried Kretschmann | Die Grünen | Baden-Württemberg | Energiepolitik | Windanlagen
Ressorts:
Governance | Community

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