US-Präsidentschaftswahl
17.10.2016

E-Mail-Affäre demontiert Clintons Klimaschutz-Image

Foto: Gage Skidmore/Twitter
Eine E-Mail-Affäre bringt Hillary Clinton in Bedrängnis.

Die US-Präsidentschaftskandidatin profiliert sich im Wahlkampf als Klimaschützerin. Doch hinter geschlossenen Türen äußert sich die Demokratin ganz anders, wie durch die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte E-Mails dokumentieren.

 

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Wenige Tage vor der nächsten TV-Debatte mit ihrem Rivalen Donald Trump beschert eine E-Mail-Affäre Hillary Clinton ein neues Glaubwürdigkeitsproblem.

In den durch die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Mails geht Clinton mit Umweltaktivisten scharf ins Gericht. Die Gegner von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas sollten „endlich erwachsen werden“, zitieren die Mails die demokratische Kandidatin. Die Aussagen stammen offenbar aus einem Protokoll einer nicht öffentlichen Gewerkschaftsveranstaltung, die im September 2015 stattfand. Die Wikileaks-Hacker haben das Protokoll aus dem E-Mail-Account von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta gestohlen. Der erste Teil wurde bereits am 8. Oktober publik. Die Wikileaks-Plattform veröffentlicht die geleakten Mails seitdem täglich stückchenweise. Sie stammen aus den Jahren 2008 bis 2016.

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Laut dem am Wochenende öffentlich gewordenen E-Mails setzte Clinton fort: „Ich befinde mich wirklich im Konflikt mit diesen Aktivsten. Sie kommen zu meinen Veranstaltungen, brüllen mich an und all diese anderen Dinge“. Die Umweltschützer würden sie fragen: „Versprichst du uns, keine fossilen Energieträger mehr zu fördern?“ Darauf antworte sie: „Nein. Ich werde das nicht versprechen. Werdet erwachsen.“

 

Einsatz für Erdgas

Auch ihr damaliger innerparteilicher Rivale um das Amt des Präsidentschaftskandidaten, Bernie Sanders, bekommt sein Fett weg. „Bernie Sanders bekommt viel Unterstützung von den radikalen Umweltaktivisten, weil er jeden Tag gegen den Bau der Keystone-Pipeline wettert“, sagte Clinton laut Protokoll. „Und wissen Sie was: Ich bin dafür nicht zu haben.“

Stattdessen werde sie weiter auf die Förderung von Erdgas setzen. „Ich werde die Reparatur und den Bau der Pipelines verteidigen, die wir für unsere Wirtschaft brauchen.“ Ihr Parteikollege und Amtsinhaber Barack Obama hatte das Projekt wegen Umweltschutzbedenken geblockt. Clinton sicherte den Gewerkschaftern außerdem zu, sie werde sie den Einsatz von Fracking unter „den richtigen Voraussetzungen“ verteidigen.

Mit ihren Aussagen rückt Clinton in die Nähe ihres Rivalen Donald Trump. Der Multimilliardär setzt auf fossile Energie und tritt für den Weiterbau der umstrittenen Keystone-Pipeline ein.

 

Ein Eiertanz

In dem gleichen Treffen bricht Clinton auch eine Lanze für die Kernkraftindustrie. „Nuklear-Energie versucht keine Treibhausgase. Frankreich setzt bei seiner Energiegewinnung fast zu 100 Prozent auf Kernkraft. Sie hatten damit niemals Probleme.“ Bislang hätte es „zwei Probleme gegeben, von denen die Öffentlichkeit weiß: Die Tschernobyl-Katastrophe und der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile.“ Seitdem hätte sich die Technologie weiter entwickelt.

Die Aussagen offenbaren erneut: Eine rigorose Klimaschützerin ist Hillary Clinton nicht. Einerseits sucht sie die Nähe zur Industrie. Mit ihren Aussagen beruhigt sie die Gewerkschaften, die in Folge eines schnellen Ausstiegs aus den Fossilen hohe Arbeitsplatzverluste fürchten. Andererseits will Clinton sich die Zustimmung der Umweltbewegung sichern. Damit balanciert Clinton auf einem schmalen Grad, wie die zuletzt veröffentlichten Mails eindrücklich zeigen. 

Jana Kugoth
Keywords:
Wikileaks | E-Mail-Affäre | Klimaschutz | Hillary Clinton | Donald Trump | US-Präsidentschaftswahl | Kohle | Öl | Gas | Keystone XL
Ressorts:
Governance

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