Elektromobilität
27.10.2017

MAN will grüner werden

Foto: MAN
Neuer E-Truck von MAN

Die VW-Tochter MAN geht 2021 mit neuen Elektro-Lkw in Serie. Ende 2019 bringt sie ihren ersten Stadtbus mit E-Antrieb auf den Markt. MAN-Manager Felix Kybart: „Haben uns geärgert, dass wir elektrischen Stadtbus nicht früher bringen konnten.“

Der Nutzfahrzeughersteller MAN will zügiger an der Einführung alternativer Antriebe arbeiten. Felix Kybart, Leiter der Sparte alternative Antriebe Truck & Bus, räumt Versäumnisse ein. „Die Politik hat uns eingeholt, vielleicht überholt“, sagt er in Bezug auf Stadtbusse mit E-Antrieb. Er hatte zuvor als Leiter der MAN-Gesamtfahrzeugentwicklung Bus an eben solchen gearbeitet. „Wir haben uns geärgert, dass wir den elektrischen Stadtbus nicht früher bringen konnten“, sagt Kybart während des Deutschen Logistik-Kongresses in Berlin Ende Oktober.

Anzeige*

Denn ausländische Wettbewerber waren schneller. Momentan müssen deutsche Verkehrsbetriebe E-Busse von Herstellern aus Finnland, Polen oder Belgien kaufen, weil deutsche Firmen noch nicht so weit sind. MAN liefert bisher Busse mit Erdgas- und Hybrid-Antrieb, jedes fünfte verkaufte Modell ist mit einem der beiden Antriebe ausgestattet.

Neues Förderprogramm für Stadtbusse erwartet

Eine E-Variante kann MAN den Verkehrsbetrieben hingegen erst in zwei Jahren bieten. Der Nutzfahrzeughersteller liefert seinen ersten Stadtbus mit Batterieantrieb Ende 2019 aus. In das neue Modell fürs kommende Jahr habe die Technologie nicht mehr eingebaut werden können, sagt Kybart. Der Manager rechnet für 2018 mit einem Schub für E-Busse: Dann nämlich werde die EU wohl ein entsprechendes neues Förderprogramm, das die Bundesregierung für den deutschen Markt auf den Weg bringen möchte, absegnen. „Das wird das Stadtbus-Geschäft ändern“, sagt Kybart am Rande des Berliner Kongresses im Gespräch mit bizz energy. Er bedauert, dass bisher kein ähnliches Programm für Lkw geplant sei. „Es würde die E-Mobilität in Städten deutlich beschleunigen.“

Für den innerstädtischen Lieferverkehr sind batterieelektrische Antriebe aus Kybarts Sicht die erste Wahl, um einen Beitrag zu Deutschlands Null-Emissionsziel bis 2050 zu leisten. Zumal den Städten beim Verfehlen von EU-Abgasrichtlinien künftig hohe Strafzahlungen drohten. „Im Fernverkehr ist die Schlacht hingegen noch nicht entschieden“, sagt Kybart. Politik und Wirtschaft müssten gemeinsam erarbeiten, für welche Technologien auf den Langstrecken eine Infrastruktur aufgebaut werden solle. In Bezug auf eine mögliche Jamaika-Koalition ist der Manager optimistisch: „Ich hoffe, dass dadurch ein jüngeres Denken in die Regierung kommt und sich unsere Digitalisierung, Konnektivität und die Einführung von alternativen Antrieben beschleunigt.“

Test für E-Trucks in Österreich

Trucks mit E-Antrieb wird MAN auf internationaler Ebene in einem Jahr liefern können. Ausnahme ist Österreich, wo der Nutzfahrzeughersteller gemeinsam mit 17 Firmen ein Testprogramm gestartet hat. Neun Elektrotrucks werden im Zuge dessen zum Jahreswechsel ausgeliefert. Zunächst gibt es die E-Modelle nur in zwei Varianten, mit 130 und 200 Kilometern Reichweite. Die nächsten Fahrzeuge liefert MAN dann Ende 2018 aus. Anfragen kämen neben Deutschland und Österreich vor allem aus den Niederlanden, Luxemburg, Belgien, der Schweiz und Norwegen, berichtet Kybart. Der Start der Serienproduktion mit mehr Modellen ist für 2021 geplant. „So zügig und in so kurzer Zeit haben wir noch nie entwickelt.“

Seinen künftigen Elektro-Kunden will MAN auch eine Beratung für die passende Ladetechnik und Energieversorgung anbieten. Für die Zukunft wird auch untersucht, Ladesäulen und Energie als Paket mit anzubieten, sagt Kybart. Für die Kunden zählen wesentlich Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit. Der alternative Antrieb dürfe „nicht zur Last werden“.

Nachts ausliefern und bis ans Band fahren

Batterieelektrische Antriebe hätten jedoch viele Vorteile: So seien E-Trucks zwar in der Anschaffung teurer als Diesel-Modelle, böten wegen ihrer geringen Lautstärke und fehlender Abgase aber neue Freiheiten. So stelle sich die Frage, ob Logistiker ihre Ware nicht bereits in der Zeit vor 6 Uhr morgens geliefert haben könnten. Anwohner würden nachts durch diese Fahrzeuge nicht belästigt und die Rushhour wäre entlastet. Auch könnten die lokal emissionsfeien E-Trucks direkt in Hallen hineinfahren, und quasi „bis ans Band“ liefern. Eine Reihe von logistischen Zwischenschritten könnten damit zukünftig entfallen. Durch diese Vorteile kämen Speditionen letztlich mit weniger Lkws aus, so dass der höhere Preis weniger ins Gewicht falle.

Lesen Sie auch: Städte setzen auf Brennstoffzelle und Elektroantrieb

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Verkehrswende | Klimaziele | Logistik | Stadtbusse
Ressorts:
Technology | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy September-Ausgabe 2017

Die aktuelle Ausgabe gibt es am Kiosk oder bei unserem Abonnentenservice unter (Mail:bizzenergy@pressup.de) sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Welche Stellschrauben können Sie drehen, um Ihren Bestandswindpark zu optimieren?
Mithilfe des interaktiven Datentools von bizz energy Research sehen Sie die Effekte auf den Netto-Cashflow.


Link zum Cashflow-Rechner von bizz energy Research