E-Mobilität
09.11.2017

Mit der Blockchain über die Grenze

Foto: Motionwerk
Das Essener Start-up Motionwerk will die Ladeinfrastruktur mit Hilfe der Blockchain vereinheitlichen.

Lange Strecken mit dem E-Auto können nervenaufreibend sein. Die Ladeinfrastruktur ist noch lückenhaft. Bei der Fahrt über Ländergrenzen hinweg entstehen weitere Probleme. Die Initiative „Oslo2Rome“ will das ändern.

Am 27. November geht es los: Die Initiative „Olso2Rome“ lässt E-Autos durch Europa fahren, um eine grenzübergreifende Ladeinfrastruktur zu testen. Was bislang noch nach einem logistischen Alptraum klingt, könnte durch die Blockchain-Technik einfacher werden. Das Essener Start-up Motionwerk will mit ihrer Hilfe die zersplitterte Ladelandschaft und Bezahlvorgänge vereinheitlichen. Zum Feldversuch brechen dazu nun mehrere Teams auf. Als europäische Partner für das Projekt konnte das Start-up bislang die etablierten Unternehmen Elaad, Enexis Group, Enviam, Fortum, Innogy, Sodetrel mit EDF Lab, Èlectricité de Strasbourg und VKW gewinnen, verkündete Motionwerk am Mittwoch.

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Torsten Dahmen vom Innovation Hub des Energieunternehmens Innogy, dessen Ladesäulen bei dem Projekt ebenfalls genutzt werden, sieht den länderübergreifenden Wunsch nach an einem gemeinsamen Ladenetzwerk: „Wir haben bei der Suche nach Partnern schnell europaweit großes Interesse gesehen und auch Bedarf für eine grenzübergreifende Verbindung mit integrierter Bezahlfunktion“, sagt er im Gespräch mit bizz energy. Die Vielfalt der Anbieter an Ladelösungen erschwert bislang die Abrechnung des Stroms.

Grundlage ist die Plattform "Share&Charge"

Das Start-up Motionwerk wurde im März 2017 von Dietrich Sümmermann gegründet – aus dem Innogy Innovation Hub heraus, dem Inkubator des Essener Energieversorgers und Mehrheitseigner von Motionwerk. Sümmermann leitete dort zuvor das Team Blockchain und Mobility als Projektmanager. Motionwerk entwickelte die App „Share&Charge“, die das Teilen von elektrischen Ladestationen und die automatische Abrechnung über die Blockchain ermöglicht. „Share&Charge ist eine Art AirBnB für Ladesäulen – bei dem ich meine Ladestation registrieren, einen Tarif setzen, Öffnungszeiten bestimmen und die dann mit anderen teilen kann“, erklärt Sümmermann im Gespräch mit bizz energy. Mit dem Projekt versucht das Unternehmen die verschiedenen Anbieter von Stromtankstellen mit Hilfe der Blockchain zusammenzubringen. „Diese dezentrale Technologie hat ungeheures Potenzial für zukünftige Mobilität und ermöglicht ganz neue Kooperationen und Transaktionen“, sagt der Motionwerk-Geschäftsführer.

Das Projekt „Oslo2Rome“ basiert auf „Share&Charge“ und will langfristig die Voraussetzungen dafür schaffen, auf Grundlage einer Ladeinfrastruktur mit dem E-Auto quer durch Europa fahren zu können – quasi von Oslo bis nach Rom. Technische Voraussetzung ist eine Blockchain-basierte E-Mobility-wallet, eine Art virtuelle Geldbörse. Die wird nun bei der Tour vom 27. bis zum 30. November von E-Mobilisten getestet. Dabei will die Initiative zeigen, dass ein pan-europäisches Netzwerk basierend auf der Blockchain-Technologie in naher Zukunft Realität werden kann.

Verschiedene Grenzen werden überquert

Im Rahmen dieses ersten Feldversuchs wird jedes Partnerland und -Unternehmen ein Team losschicken, um die Grenze zu einem Nachbarland zu überqueren. Auch das ist schon eine Herausforderung für die E-Mobilität. Eine Tour findet zwischen der deutsch-französischen Grenze statt, von Nancy über Saarbrücken und Strasbourg nach Freiburg. Beteiligt sind hier die Unternehmen ÉS, EDF Lab und Sodetrel. In Ostdeutschland geht es von Leipzig bis nach Oberösterreich, wo Ladestationen von Enviam genutzt werden. Weitere Fahrten führen von Vorarlberg nach Mulhouse mit Partner VKW, von Oslo ins schwedische Karlstadt mit Fortum und von den Niederlanden ins Ruhrgebiet nach Essen mit Elaad und Enexis Group. In Deutschland werden von Innogy betriebene Ladesäulen genutzt.


Grundsätzlich sei dies die Idee der nahtlosen Mobilität, sagt Sümmermann. Eine gemeinsame Blockchain-Wallet und die auf der Blockchain registrierten Ladesäulen würden einen einfachen Zugang zu all den Ladestationen sicherstellen. Mit der Oslo2Rome-Initiative solle erprobt werden, wie ein europäisches Ladenetzwerk auf Basis der Blockchain einerseits technologisch umgesetzt werden könne, aber auch welche Funktionen für den Anwender wichtig seien.

Schon bald europaweite Anwendung?

Die eingesetzte Blockchain ermöglicht es den Nutzern, Fahrzeuge an allen teilnehmenden Ladepunkten über Ländergrenzen hinweg laden zu können, ohne sich über den Anbieter und seine Ladebedingungen Gedanken machen zu müssen. Die Reisenden können zwischen diversen Zahlungsmöglichkeiten wählen und den auf der Blockchain hinterlegten Zahlungsverlauf jederzeit einsehen. Nach erfolgreicher Beendigung des Pilotprojektes soll geprüft werden, wie sich dies auf das öffentliche System übertragen lässt.

Der Feldversuch ist zwar noch ein kleiner Test, aber Innogy-Experte Dahmen glaubt, dass man schon bald auf Basis der Blockchain mit dem E-Auto quer durch Europa fahren kann, wenn regulatorische Fragen im Zusammenhang mit den Bezahlfunktionen gelöst sind: „Wenn nach dem Test durch die Oslo2Rome Tour alle Partner sagen: wir ziehen das durch, dann wäre eine Umsetzung potentiell in einem Jahr machbar.“

Carsten Kloth
Keywords:
E-Mobility | Blockchain
Ressorts:
Technology

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