Öffentlicher Nahverkehr
10.11.2017

Mittelständler Akasol baut Batteriesysteme für 10.000 Elektrobusse

Foto: Akasol
Batteriesysteme von Akasol: Das Familienunternehmen eröffnet ein neues Werk für die Serienproduktion.

Der hessische Batteriehersteller Akasol beginnt mit der Serienfertigung für zwei große Busproduzenten. Nach Brancheninformationen handelt es sich um Daimler und Volvo.

Bisher ging es noch um Prototypen und Kleinserien. In dem neuen Werk, das der Batterieproduzent Akasol am Donnerstag im hessischen Langen eröffnet, sollen nun nach Worten von Geschäftsführer Sven Schulz Batteriesysteme für „zwei große europäische Bushersteller“ in Serie gehen. Schulz will binnen sechs Jahren 10.000 Systeme für die beiden Großkunden produzieren. Und dabei soll es nicht bleiben: „Bei anderen Nutzfahrzeugen entsteht gerade eine ähnlich starke Dynamik wie bei Bussen“, sagt der Akasol-Chef im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Der Lkw-Markt gilt als Wachstumsfeld für Batteriehersteller.

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Nach Informationen aus der Automobilbranche sind die Batteriesysteme für Daimler und Volvo vorgesehen, primär für deren Europageschäft. Ab dem Frühjahr 2018 sollen rund 150 Angestellte in dem neuen Werk der familiengeführten Darmstädter Schulz-Gruppe Batteriepakete montieren. Die Fabrik in Langen wird nach Unternehmensangaben die größte Batteriefertigung für Nutzfahrzeuge in Europa beherbergen.

Deutsche Bus-Marktführer im Rückstand

Daimler ist – wie sein deutscher Konkurrent MAN – spät ins E-Bus-Business gestartet.  Mehr als 20 Städte zwischen Hamburg und München experimentieren mit elektrischen Bussen, doch die beiden großen deutschen Hersteller haben die Nachfrage offenbar nicht kommen sehen. Wettbewerber wie Solaris Bus (Polen), Linkker (Finnland), VDL (Niederlande) und Van Hool (Belgien) eilen ihnen voraus und liefern bereits betriebsbereite Fahrzeuge. Daimler kann – mithilfe von Akasol – vermutlich im kommenden Jahr in den Massenmarkt einsteigen.

Dem hessischen Mittelständler dürften die beiden Großaufträge ein Umsatzvolumen von 300 bis 400 Millionen Euro bescheren, schätzen Branchenkenner. Die Batteriezellen wird Akasol nach eigener Aussage von koreanischen Herstellern beziehen. Wahrscheinliche Kandidaten: Samsung und LG, die jeweils Produktionen in Europa anfahren. Samsung hat ein Batteriewerk in Ungarn errichtet, LG plant eine entsprechende Fabrik in Polen.

Batterien für Züge und Minenfahrzeuge

2008 gegründet und mehrheitlich im Besitz von Sven Schulz’ Familie, bestückt Akasol auch andere Fahrzeugkategorien mit seinen Batteriesystemen. Das Unternehmen beliefert beispielsweise einen kanadischen Hersteller von Minenfahrzeugen. Akasol-Batterien stecken auch in einem Brennstoffzellen-Zug von Alstom. Oberleitungsfreie Straßenbahnen von Bombardier, die unter anderem in der chinesischen Fünf-Millionen-Stadt Nanjing fahren, speichern ebenfalls Strom in Batteriepaketen aus Hessen.

Lesen Sie auch: Elektrobusse – Starke Nachfrage, aber kaum Angebot aus Deutschland

Christian Schaudwet
Keywords:
Elektromobilität | Batterien | Elektrobus | Nahverkehr
Ressorts:
Technology | Markets

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