Digitalisierung
21.12.2017

Nach Terium-Rücktritt: Innogy-Strategie ungewiss

Foto: Innogy
Musste gehen: Peter Teriums Investment-Strategie für Innogy war seinem Aufsichtsrat zu vage und zu teuer.

Der Abgang von Vorstandschef Peter Terium stellt den Kurs des Energieversorgers Innogy auf Zukunftsfeldern wie Digitalisierung und E-Mobilität in Frage.

Droht Innogy unter der scharfen Kassenkontrolle seines Aufsichtsrats den Anschluss bei Zukunftstechnologien zu verlieren? Der Energie-Analyst Arash Roshan Zamir von Warburg Research beurteilt den Kostenfokus des Aufseher-Gremiums kritisch. Nur auf Kostendisziplin zu setzen, könne sich mittelfristig rächen, sagt er im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. „Wie will Innogy von neuen Opportunitäten profitieren, wenn es sich dafür nicht rechtzeitig in Position bringen kann? Was macht Innogy nun auf Zukunftsfeldern wie Energiespeicherung, Digitalisierung und Elektromobilität?“

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Dass die RWE-Tochter ihre bisher starke Position beispielsweise bei der Lade-Infrastruktur für E-Autos halten kann, hält Roshan Zamir für fraglich. Denn stehe Kostendisziplin an erster Stelle, werde es schwieriger, „zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“ Noch sei nicht absehbar, wie eine die künftige Führung von Innogy diese unterschiedlichen Ziele gewichte. „Es ist derzeit nicht zweifelsfrei klar, ob sich der Aufsichtsrat dieser Herausforderung bewusst ist“, so Roshan Zamir.

 

Wichtigster Innovationstreiber

 

Peter Terium war der wichtigste Innovationstreiber im RWE-Konzern. Er spaltete das Netzgeschäft und die erneuerbaren Energien von der fossilen Energieerzeugung der Konzernmutter RWE ab und brachte die Sparten unter dem Namen Innogy an die Börse. Aber die Strategie des Niederländers, der mit Investitionen in die Ladeinfrastruktur für Elektroautos, in Smart Grids und in Energie-Start-ups vorpreschte, war teuer. Mit der Trennung von Terium hat der Innogy-Aufsichtsrat auf den am 13. Dezember bekannt gemachten Gewinnrückgang und auf Teriums schwache Prognose für 2018 reagiert.

 

Wie es unter dem kommissarischen neuen Vorstandschef Uwe Tigges weitergeht, ist nach Ansicht von Branchenkennern ungewiss: „Innogys Strategie und Ziele sind im Moment nicht klar definiert“, sagt Roshan Zamir. „Ob Innogy weiterhin auf Innovation setzen wird und in welchem Maße, ist derzeit nicht erkennbar.“ Warburg hat die Innogy-Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ heruntergestuft und verzichtet darauf, ein Kursziel zu setzen.

 

Innogy als Übernahmekandidat?

 

Der Analysedienst Independent Research belässt Innogy auf „Halten“ und setzt ein Kursziel von 36 Euro. Die Commerzbank empfiehlt ebenfalls „Halten“, allerdings mit einem Kursziel von nur 31,80 Euro, Goldman Sachs’ Votum lautet „Neutral“ (Kursziel 37 Euro). Mit einer Entscheidung über die endgültige Nachfolge für Terium rechnen die Analysten der Commerzbank erst im kommenden Jahr. Ihre Kollegen bei Goldman Sachs vermuten, dass mit einem neuen Konzernchef die Diskussion über eine Innogy-Übernahme durch Dritte oder eine Fusion wieder Fahrt gewinnen könnte.

 

Klar ist nach dem Abgang von Terium zumindest: Seine Ankündigung aus dem September, das Geschäft mit E-Mobilität, Photovoltaik und Glasfasernetzen stark auszubauen und bis 2019 rund 1,2 Milliarden Euro in diese Sektoren zu investieren, ist vom Tisch.

 

RWE abhängig von Innogy

 

„Der Aufsichtsrat hat deutlich gemacht, dass er zwar Wachstum will, aber nicht auf Kosten des Ergebnisses“, interpretiert Warburg-Analyst Roshan Zamir die Mitteilung des Gremiums zur Trennung von Terium. Die Muttergesellschaft RWE sei als größter Aktionär durchaus abhängig von der Entwicklung bei Innogy.

 

Terium hatte versucht, Innogy auf Zukunftsfelder der Energiewende auszurichten. Er investierte in neue Technologien, reiste mit seinen Managern zur Inspiration ins Innovationszentrum Silicon Valley und machte Innogy zum Wagniskapitalgeber für Energie-Start-ups von Kalifornien über Israel und Deutschland bis nach Südafrika.

 

Investitionen zu diffus

 

Doch den Aufsehern waren Teriums Strategie zu vage und seine Investitionen zu diffus. In ihrer Begründung des Abgangs forderten die Kontrolleure um den Aufsichtsratsvorsitzenden und früheren SAP-Finanzvorstand Werner Brandt mehr Kostendisziplin.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Elektromobilität | Smart Grid | Digitalisierung
Ressorts:

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