Windenergie
08.07.2016

Netzagentur: Kein Spielraum für bessere Leitungsauslastung

Foto: Tennet
Strommasten sind inzwischen die Achilleferse der Energiewende.

Die Bundesnetzagentur weist Darstellungen aus der Grünstrombranche zurück, neue digitale Technologien könnten das Abregeln von Windrädern verhindern oder den Bau von Stromleitungen überflüssig machen.

 

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Wenn es derzeit einen zentralen Konflikt in der Strombranche gibt, dann den Kampf um Platz in den Netzen. Die Bundesregierung drosselt mit dem heute verabschiedeten Erneuerbare-Energien-Gesetz künftig den Bau von Windparks in Norddeutschland. Ihr Argument: Die Netze könnten den Strom nicht aufnehmen. Die Ökobranche schiebt die Verantwortung auf Kohlekraftwerke, die die Netze verstopften. Einige Verbände und Unternehmen, allen voran der Wirtschaftsverband Windkraftwerke, versuchten einen Kompromiss: Die Windenergie brauche nicht fünf bis zehn Jahre auf den Bau neuer Stromleitungen zu warten, die vorhandenen müssten bloß besser ausgelastet werden.

Unter Technikern rangiert eine dafür nötige Technik unter dem Begriff Dynamic Security Assessment (DSA). Die Leitwarten der Übertragungsnetzbetreiber profitieren davon auf dreifache Weise: Sie bekommen bessere Informationen über den aktuellen Zustand der Netze, Prognosen über drohende Probleme und computergenerierte Vorschläge, mit welchen Maßnahmen sie Netzausfälle abwenden können.

 

Autopilot für die Netze

Am anschaulichsten lässt sich das Verfahren wohl mit selbstfahrenden Autos vergleichen. DSA ist für die Netzsteuerung das Gleiche wie die Algorithmen in den autonomen Fahrzeugen von Google und Co, sie erlauben es dem Menschen teilweise auf Autopilot zu schalten. Siemens wirbt damit, dass seine DSA-Technik helfen kann, die Netze besser auszulasten.

Sehr viel skeptischer sieht das die Bundesnetzagentur, die die Ausbaupläne der Netzbetreiber prüft und genehmigt. Fortgeschrittene Technologien für eine bessere Betriebsführung der Netze müssten für Notfälle reserviert bleiben. „Für die Netzplanung wird das Dynamic Security Assessment keine große Bedeutung haben“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Im Übrigen dürfe sich die Behörde nicht auf Zusagen der Hersteller verlassen, sondern müsse eigene Toleranzgrenzen festlegen.

 

Tennet führt Probebetrieb ein

Der Netzbetreiber Tennet erklärte gegenüber bizz energy, die DSA-Technik voraussichtlich innerhalb der nächsten zwölf Monate im Probebetrieb einzuführen. Die Testphase werde mehrere Jahre dauern, bevor die Technologie vollständig genutzt werden könne. Tennet steuert das Übertragungsnetz in jenem Korridor, in dem Windenergie von der Nordsee bis nach Bayern transportiert wird.

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