07.03.2016

Niedriger Ölpreis bremst Verkehrswende

foto: fotolia

Autofahrer können an der Tankstelle durch den niedrigen Ölpreis kräftig sparen. Alternative Antriebe verlieren ihren Reiz. Das bremst den E-Auto-Verkauf weiter aus.

 

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Der Elektromobilität drohen schwere Rückschläge durch den Verfall des Ölpreises. Weltweit, auch in Deutschland, steigen die Absatzzahlen von SUVs an. Auch auf der internationalen Autoschau in Detroit standen in diesem Jahr wieder die Spritfresser im Mittelpunkt. In China, wo die Regierung Strom-Autos massiv fördert, ist bereits staatlich festgelegt worden, dass der Benzinpreis nicht unter ein Niveau sinken darf, das einem Ölpreis von 40 Dollar pro Fass entspricht. Hierzulande schlägt der niedrige Ölpreis dagegen ungebremst auf die Wirtschaftlichkeit durch.

Eine Beispielrechnung für ein Oberklasse-Auto zeigt das: Bei einem Dieselpreis von 90 Cent pro Liter und einem Verbrauch von zehn Litern auf Hundert Kilometer kosten 100.000 Kilometer 9.000 Euro. 2014, bei einem Durchschnittspreis von 1,35 pro Liter Diesel waren es noch 13.500 Euro. Die Strompreise für Haushalte dagegen liegen nahezu unverändert bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Der Strom für einen Tesla S, der im Praxistests mindestens 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer schluckt, kostet 5.600 Euro für einen Garagen-Lader. Folglich hat sich der Preisvorteil also mehr als halbiert.

 

Stromer sind in der Anschaffung deutlich teurer als herkömmliche Modelle

Und in der Anschaffung sind die Stromer ohnehin deutlich teurer. Der VW e-Golf kostet mit rund 35.000 Euro etwa das Doppelte eines herkömmlichen Modells. Fast alle, die in den kommenden 18 Monaten ein neues Auto kaufen wollen, setzen laut einer aktuellen Aral-Studie weiter auf Benzin und Diesel-Modelle – zum Teil auch mit Hybrid-Antrieb. Für einen Stromer würde sich aber nur jeder Hunderste Autokäufer entscheiden. Das hat auch Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Essener CAR-Institut beobachtet. „Alternative Antriebe werden trotz Klimadiskussion ausgesondert", analysiert der Experte. Etwa die Hälfte der neu zugelassenen Elektroautos seien Hersteller-, Händler- oder Mietfahrzeuge. „Die echten Neuwagenkäufer lassen sie aufgrund der höheren Preise und aufgrund des billigeren Treibstoffs immer stärker links liegen", schreibt Dudenhöffer – und zwar schon vor dem neuerlichen Preischrutsch Anfang dieses Jahres.

Die Branche übt sich in Gelassenheit. „Bisher haben wir keinen Rückgang bei den Zulassungszahlen bemerkt", sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität. Doch das Niveau ist äußerst niedrig. Nur rund 35.000 Stromer und Hybdride sind 2015 neu auf die Straße gekommen; 1,7 Prozent aller Neuzulassungen. Das von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgerufene Ziel von einer Million Stromer bis 2020 liegt in weiter Ferne. Was könnte helfen? Die Ressource Öl sei und bleibe begrenzt, warnt Klimaexperte Hermann Ott vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie. Deshalb fordert er: „Die Staatengemeinschaft muss endlich ein globales Ressourcen-Management betreiben, denkbar wären zum Beispiel eine globale Öl-Steuer oder eine Mengensteuerung, um vorausschauend die Nachfrage zu reduzieren.“ Doch Markt-Eingriffe wie in China stehen derzeit in Deutschland nicht zur Debatte. Auch an der Kraftstoff-Steuer-Schraube möchte bislang niemand drehen. 

 

Kommt die Kaufprämie für E-Autos?

Dafür haben Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD) jüngst vorgeschlagen, eine Kaufprämie nach norwegischem Vorbild von bis zu 5.000 Euro einzuführen. Denn das Ziel von 40 Prozent CO2-Einsparungen zwischen 1990 und 2020 droht krachend verfehlt zu werden. „Es ist nicht die Aufgabe des Staates, beim Absatz von Autos behilflich zu sein,” konterte Finanzressort-Chef Wolfgang Schäuble (CDU) umgehend. Doch anders als bei der seit Jahren diskutierten steuerlichen Förderung von Wärmesanierungen scheint die Front gegen die E-Auto-Kaufprämien zu bröckeln. Kanzlerin Angela Merkel hat die Angelegenheit zur Chefsache erklärt, die Prämie könnte tatsächlich kommen. 

Angesichts der gesunkenen Sprit- und der anziehenden Strompreise dürfte die Prämie allerdings gerade reichen, um die Wirtschaftlichkeit von E-Autos nicht noch weiter abfallen zu lassen. Es bliebe dabei: Der niedrige Ölpreis, der die Verbraucher freut und die Kaufkraft stärkt, ist ein klimapolitisches Horrorszenario.

Schlandt, Kugoth
Keywords:
Verkehrswende | E-Mobilität | Ölpreis | Kaufprämie
Ressorts:
Governance | Markets

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