Ostsee-Pipeline
28.04.2017

Nord Stream 2: Kopenhagen trotzt Moskau

Foto: Greg Westfall
Gazprom-Anlage in Moskau

Noch nie hatte eine Pipeline so viele Diskussionen ausgelöst. Nun ist die Verwirklichung des Gazprom-Projekts zum Greifen nahe. Aber Dänemark könnte sich querstellen – und damit auch Polen unterstützen.

Nach der Finanzierungszusage durch Engie, OMV, Shell, Uniper und Wintershall kommt Gazprom seiner Nord-Stream-2-Pipeline ein Stück näher. Doch das Projekt ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Für Kopfschmerzen in Moskau dürfte vor allem die ausstehende Zusage Dänemarks sorgen, dessen Hoheitsgewässer die Röhre kreuzt. Die dänische Regierung prüft eine Gesetzesänderung, wonach auch sicherheitspolitische Gründe zulässig wären, um das Projekt abzulehnen. Zudem verweisen Experten darauf, dass weitere Pipelines gebaut werden müssten, die das Gas schließlich zu den Käufern transportieren.

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Zwar erklärte der Russland-Chef von Wintershall, Thilo Wieland, in einem internen Gazprom-Magazin, dass eine entsprechende Landröhre ab Mitte 2018 gebaut werden kann. Gleichzeitig kritisierte Wieland den polnischen Widerstand gegen die vollständige Nutzung der Verlängerung des ersten Nord-Stream-Stranges OPAL durch Gazprom und seine Partner. Die EU hatte ihren Widerstand aufgegeben; doch Polen zog vor Gericht und blockiert die Hälfte des Volumens, solange das Verfahren läuft. „Wir hoffen, dass Gerechtigkeit siegt und OPAL bald vollständig genutzt werden kann“, erklärte der Wintershall-Manager.

Projekt für Kreml extrem wichtig

Branchenkenner in Russland glauben unterdessen, dass Gazprom auch unabhängig von den Anschlussmöglichkeiten mit dem Bau von Nord Stream II beginnen wird. „Das Projekt ist für den Kreml politisch dermaßen wichtig, dass Anschlussleitungen keine Rolle spielen“, erklärt Mikhail Kortschemkin von der Beratung East European Gas Analysis. Ohnehin hätten die westlichen Partner nichts zu verlieren, denn Russland wird in jedem Fall garantieren, dass die Gelder zurückfließen – egal, wie sich die Lage entwickelt.

Ausgerechnet die Polen waren es auch, die das Konstrukt mit der Finanzierung notwendig machten. Ursprünglich sah der Plan vor, dass alle westlichen Partner knapp zehn Prozent an Nord Steam 2 bekommen. Doch die Warschauer Behörden hatten OMV, Wintershall, Shell, Engie und Uniper mit einem Kartellverfahren gedroht, sollten sich diese mit Gazprom zusammenschließen.

Die östlichen EU-Länder, aber auch Russlands Nachbarland Ukraine protestieren seit Jahren gegen das Projekt. Schließlich verfolgt Gazprom das Ziel, diese Länder aus der Lieferkette für russisches Gas nach Europa auszuschließen. Die Osteuropäer fürchten unterdessen, sie hätten im Falle einer Gasblockade Russlands nichts entgegenzusetzen – schließlich würde das Gas für westeuropäische Kunden ungehindert über Deutschland fließen können. Zudem zahlt Russland saftige Gebühren für die Gasdurchleitung, allein im Falle der Ukraine geht es um etwa zwei Milliarden Euro.

Tauwetter zwischen Gazprom und der EU-Kommission

Neben Polen hatte auch die Europäische Kommission das Projekt in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Doch in den vergangenen Monaten hatte sich ein bemerkenswertes Tauwetter zwischen Gazprom und Brüssel abgezeichnet. Zunächst gab die EU ihren Widerstand gegen eine höhere Auslastung der OPAL-Pipeline auf. Dann legten Brüssel und Gazprom einen jahrelang schwelenden Kartellstreit bei, in dem sich die Russen dazu bereit erklärten, die Preisbildung auf europäischen Märkten mit russischem Gasmonopol fairer zu gestalten.

Später erklärte Gazprom, seinen Transit durch die Ukraine auch nach der Inbetriebnahme von Nord Stream 2 nicht völlig einstellen zu wollen, auch wenn die Menge um etwa 80 Prozent schrumpfen dürfte. Ein Schritt, den Bobachter als mögliches Entgegenkommen werteten. Schließlich kritisierte auch Brüssel, dass Nordstream nach dem Wegfallen der Ukraine-Route nicht zur Diversifizierung der Liefermöglichkeiten beiträgt. In Moskau hofft man jedenfalls, dass den Nord-Stream-Kritikern die Argumente irgendwann ausgehen werden.

Maxim Kireev, Moskau
Keywords:
Gazprom | Pipeline | Ostsee | Nord Stream 2 | EU-Kommission
Ressorts:
Governance

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